McLaren: Aero-Handicap ab 2021 als Fluch oder Segen?

Stefan Ehlen
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Nur 90 Prozent für das Weltmeisterteam, aber 112,5 Prozent für das schlechteste Team der Formel-1-Saison 2020: Im kommenden Jahr wird ein Handicap-System für die aerodynamische Entwicklung im Windkanal eingeführt. Das bedeutet: Wer erfolgreich war, der wird leicht eingebremst, wer Nachholbedarf hat, bekommt mehr Zeit.

McLaren-Technikchef James Key ist angesichts dieser Aussicht "hin- und hergerissen", wie er sagt. "Es ist doch ein sehr großer Unterschied, wenn man oben und unten betrachtet."

Konkret bringt die Neuregelung nämlich auch mit sich: Nicht nur die Zeit im Windkanal wird angepasst, sondern auch die Anzahl der zulässigen Versuche pro Woche. Das erfolgreichste Team darf demnach 36 mal testen, das Schlusslicht 45 Mal. Und von 2022 bis 2025 wird dieses Handicap-System sogar noch ausgeweitet.

Warum Key auch Zweifel hat

Warum Key Zweifel kommen? Er formuliert es so: "Mit einem solchen Szenario hast du keine Chancengleichheit mehr. Gerade, wenn man ein komplett neues Auto entwickelt, dann ist es ziemlich unfair, den Teams, die gut arbeiten, ein solches Handicap aufzuerlegen. Man sollte Erfolg schließlich nicht bestrafen."

¿pbtag|F1HandicapSystem|pb¿Andererseits wolle man die Formel 1 aber auch aufwerten, indem man die Abstände zwischen den Teams zu reduzieren versucht. "Manche Teams müssen aufholen, und damit haben sie eine halbe Chance, das zu schaffen. Das ist gut", meint Key. "Rein sportlich betrachtet also ist es keine schlechte Sache. Langfristig ist es nicht verkehrt."

Solange es dabei helfe, schwächere Teams zu unterstützen, sei die Handicap-Regel in Ordnung, erklärt der Technikchef von McLaren. "Wenn es aber dazu führt, dass es jedes Jahr ein anderes Kräfteverhältnis gibt, dann wäre das kein valider Punkt mehr." Sprich: Das Klassement darf sich damit nicht auf den Kopf stellen.

So geht McLaren mit der Situation um

Wie aber stellt sich ein Privatteam wie McLaren dieser Aussicht? In diesem Jahr lieber weiter vorne landen und ein Plus an Preisgeld abgreifen oder lieber schlechter abschneiden, aber dafür mehr Entwicklungsfreiheit haben?

Die McLaren-Philosophie lasse nur einen Schluss zu, sagt Key. Sie lautet: "Wir wollen jedes Rennen und jede Meisterschaft so weit oben wie möglich beenden. Das ist das Hauptziel."

Außerdem habe sein Team einen guten Businessplan aufgestellt. "Kurzfristig spielt es keine Rolle, ob wir auf P3 oder P5 landen", meint Key. "Entscheidend ist für uns als Privatteam, dass wir klare Fortschritte machen. Wir haben noch eine lange To-Do-Liste vor uns, bis wir sind, wo wir hinwollen. Darauf konzentrieren wir uns."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.