McLaren gibt zu: Bisheriges Geschäftsmodell war "fragil"

Juliane Ziegengeist
·Lesedauer: 3 Min.

Erst vor wenigen Tagen machte McLaren den Verkauf von Teamanteilen offiziell. Eine Investorengruppe, angeführt von MSP Sports Capital, hat 185 Millionen Pfund investiert und einen Anteil von 15 Prozent am Formel-1-Team übernommen, der sich bis 2022 voraussichtlich auf maximal 33 Prozent erhöhen wird.

Für den Vorstandsvorsitzenden von McLaren, Paul Walsh, ein unumgänglicher Schritt. Denn das frühere Geschäftsmodell des Herstellers, sowohl die Automobilsparte als auch die Rennsportsparte zu unterstützen, sei nicht ideal gewesen - weshalb eine getrennte Eigentümerschaft des Formel-1-Teams der beste Weg nach vorne sei.

"Ich denke, McLaren hatte ein fragiles Geschäftsmodell, weil der Cashflow aus der Automobilsparte grundsätzlich in den Rennsport floss", erklärt der britische Geschäftsmann die Gründe für die Suche nach neuen Investoren.

Verkauf durch Corona-Pandemie beschleunigt

"Und auch die Renditeziele und Erfolgskriterien sind unterschiedlich. Die Automobilsparte erfordert Cashflow-Gewinne pro Aktie, und ich denke, bei einem Rennteam geht es viel mehr um die Kapitalwertsteigerung. Sie haben also zwei grundlegend verschiedene Treiber." Insofern sei der Verkauf eine logische Konsequenz.

"Ich denke, wir hätten das in jedem Fall gemacht. Aber es steht außer Frage, dass die Pandemie, wie bei vielen anderen Unternehmen auch, jede Anfälligkeit vergrößert hat. Deshalb hatten wir ein hohes Maß an Dringlichkeit, dies zu erledigen."

Zugleich unterstreicht Walsh, dass die Zukunft von McLaren in der Formel 1 nicht gefährdet gewesen wäre, wenn keine Investitionen gefunden worden wären. Allerdings wäre die Folge womöglich eine Kürzung des Budgets des Teams gewesen - was die Hoffnung auf eine weitere Formsteigerung beeinträchtigt hätte.

Geldspritze verhindert Einschnitte beim Budget

"Wenn wir auf die Auswirkungen der Pandemie zurückblicken, haben wir aufgehört, Autos zu bauen, weil unsere Fabrik geschlossen war", erklärt der Vorstandsvorsitzende der McLaren Group. "Wenn man keine Autos herstellt, kann man sie auch nicht verkaufen. Wenn man sie nicht verkauft, bekommt man keinen Cashflow."

"Aber wir haben auch unser Rennteam, das weiterhin Geld ausgibt, so wie es sollte. Diese Spannung machte jedem bewusst, dass das grundlegende Modell angepasst werden musste." Andernfalls hätte man "die Segel trimmen" müssen.

Sprich: McLaren-CEO Zak Brown hätte weniger Geld ausgeben dürfen. "Aber dann hätten wir unsere Ambitionen zurückschrauben müssen. Und das wollten wir nicht. Wir haben also versucht, ein fiskalisch angemessenes Modell für die Gruppe zu finden und gleichzeitig Zak und das Team in die Lage zu versetzen, schnell zu sein."

Dieses Ziel sieht Walsh erreicht. Die Geldspritze wird es McLaren ermöglichen, die Arbeit an Großprojekten wie dem neuen Windkanal und dem Simulator wieder aufzunehmen, aber auch dazu beitragen, die Geldsorgen zu lindern, die die größere McLaren-Gruppe in Bezug auf die Finanzierung des Formel-1-Betriebs hatte.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.