McLaren mit Norris & Sainz in Q3: "Das war extrem knapp"

Maria Reyer
·Lesedauer: 7 Min.

McLaren reiht sich im Qualifying in Imola auf den Rängen neun und zehn ein. Lando Norris und Carlos Sainz trennen nur 0,097 Sekunden. Beide Piloten sind am Ende des Zeittrainings nicht restlos zufrieden mit ihrer Leistung, beide hätten sich ein wenig mehr erhofft.

Schon in Q2 hätte der Arbeitstag für Norris am Samstag vorbei sein können. Der Brite schlüpfte mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,010 Sekunden in das dritte Qualifying-Segment, Sergio Perez im Racing Point war der Pechvogel auf der anderen Seite der Q3-Hürde.

"Das war extrem knapp in Q2, ich war nur gerade so vor Perez, weil ich meine zweite Runde vermasselt habe", gesteht der Brite. Auch Sainz qualifizierte sich nur als Neunter für das Shootout der Top 10. "Es war viel knapper, als ich mir das gewünscht hätte", ergänzt Norris.

Norris: P7 wäre mit "sehr guter Runde" drin gewesen

In Q3 schaffte er schließlich eine Bestzeit in 1:14.814 Minuten. "Ich habe es nicht auf den Punkt gebracht", ärgert er sich. Er glaubt, dass er sich vielleicht noch um eine Position verbessern hätte können, vielleicht auch zwei - mehr als Platz sieben wäre aber nicht drin gewesen.

Charles Leclerc landete mit einer 1:14.616 Minuten auf P7, er war bereits um zwei Zehntel schneller als der McLaren. "Dafür hätte ich eine wirklich sehr gute Runde gebraucht." Mit seiner Leistung in Q2 ist er zufrieden, mit jener in Q3 nicht ganz.

"Wir hatten heute noch ein wenig mehr Pace im Auto, hoffentlich können wir das im Rennen morgen noch rausholen. Aber drei Zehntel, wie Gasly und Ricciardo, wären zu viel gewesen. Vielleicht ein oder zwei, aber drei wären zu viel gewesen."

Der AlphaTauri-Pilot begeisterte mit einer Fabelzeit von 1:14.502 Minuten, er war damit um drei Zehntel schneller als die McLaren-Fahrer. "Wir haben einen guten Job gemacht, aber die anderen Autos waren einfach schneller. Vor allem die AlphaTauris scheinen dieses Wochenende sehr schnell zu sein."

Dadurch sei die britische Mannschaft zwei Plätze nach hinten gerutscht. Dennoch findet Norris, dass McLaren zufrieden sein darf. Immerhin schafften es erneut beide Piloten ins Q3. "Es hätte viel schlimmer sein können. Aber heute haben wir einen recht guten Job gemacht."

Was ihn besonders freut: "Wir haben mit einer guten Grundabstimmung begonnen, das haben wir gebraucht. Wir waren zuversichtlich, dass wir vom Training zum Qualifying Verbesserungen machen könnten. Das Auto hat sich gut angefühlt. Ich war zufrieden im gesamten Qualifying."

Seidl: Updates funktionieren in Imola gut

Zwar sei es knifflig gewesen, die Reifen in das richtige Temperaturfenster zu bekommen, doch mit dem Fahrverhalten war Norris dennoch zufrieden. "Es war nur ein wenig schwierig, eine Runde perfekt hinzubekommen. Der neunte Platz klingt schlimmer, als es sich angefühlt hat."

Zumindest habe er einige der McLaren-Hauptkonkurrenten - Racing Point, Renault und Ferrari - hinter sich halten können. Auch die Updates, die das Team seit dem Rennen in Russland sukzessive eingeführt hat, haben laut dem Briten "gut funktioniert".

"Die Updates haben sich positiv ausgewirkt und haben so funktioniert, wie wir das wollten. Teamchef Andreas Seidl ergänzt: "Wir hatten in Portimao positive Tests von zusätzlichen Teilen im ersten Training, die haben wir auch nach Imola gebracht." Damit sei man nun in Italien unterwegs.

<span class="copyright">Glenn Dunbar / Motorsport Images</span>
Glenn Dunbar / Motorsport Images

Glenn Dunbar / Motorsport Images

Die Spezifikation funktioniere gut, bestätigt Seidl den Eindruck. Das sei besonders im Hinblick auf kommendes Jahr wichtig, weil sich McLaren klar auf das neue Aero-Paket samt veränderter Frontpartie festgelegt hat. Beide Piloten sind in der Emilia-Romagna mit dem neuen Paket unterwegs, bestätigt der Deutsche.

Carlos Sainz hat sich am Samstag allerdings deutlich unwohler gefühlt im MCL35 als sein Teamkollege. "Es scheint, dass wir vom Training zum Qualifying nicht mehr zulegen konnten. Hoffentlich wird sich die Balance des Autos wieder eher wie im Training anfühlen morgen."

Sainz war unzufrieden mit dem Verhalten des Wagens am Nachmittag. Im Zeittraining fehlten ihm in Q3 schließlich vier Zehntelsekunden auf Gasly. Bitter: Sainz hatte aufgrund eines vermasselten ersten Abschnitts im letzten Teil des Qualifyings nur einen Satz frischer Reifen zur Verfügung.

Sainz: Rückschritt vom Training zum Qualifying

"Es sollte sich nicht viel verändert haben zwischen dem Training und dem Qualifying, abgesehen vom üblichen Set-up und der Spritmenge. Daher untersuchen wir das derzeit, um herauszufinden, warum wir im Training mit Ferrari, Renault und AlphaTauri mithalten konnten und warum wir dann ab Q1 einen Schritt zurückgemacht haben. Normalerweise gehen wir in die andere Richtung."

Direkt von Q1 weg sei er am Limit unterwegs gewesen und habe sich nicht wohlgefühlt. Sainz berichtet, dass er nicht in den Rhythmus gefunden habe und dann auch noch im Verkehr steckte zu Beginn. Er musste sich mit einem zweiten Reifensatz in die zweite Session kämpfen.

"Am Ende sind wir um ein paar Zehntel mehr abgefallen, als ich gedacht hätte. Nicht ideal, nicht der beste Tag. Der AlphaTauri, der Ferrari und der Renault waren schneller." Er hätte sich nach dem Ergebnis des Trainings ein wenig mehr erhofft, gesteht der Spanier, zumindest sah er sich im Kampf um die Top 8.

"Es war nicht mehr drin." In Q3 hatte er nur einen Versuch auf einem frischen Soft, damit gelang ihm eine Rundenzeit von 1:14.911 Minuten. "Vielleicht hätte ich in der letzten Kurve noch eine Zehntel gutmachen können, dort habe ich das Heck ein wenig verloren. Aber generell war das eine schwierige Session."

Was bedeutet diese Ausgangslage für das Rennen? Während Norris und Sainz mit gebrauchten weichen Reifen starten werden, hat die Konkurrenz eine Startreihe dahinter freie Reifenwahl. "Hätten uns [unsere Konkurrenten] nur um eine Zehntel geschlagen, hätten wir das im Rennen wettmachen können", glaubt Sainz.

Aber: "Drei oder vier Zehntel scheint ein wenig zu viel zu sein." Das sei in der Formel 1 schon "eine Welt". Daher glaubt er nicht, dass er am Sonntag gegen AlphaTauri kämpfen können wird. Er hofft, dass sich sein Gefühl im McLaren bei voller Last verbessern wird.

Norris glaubt: Rennen wird "nicht so unvorhersehbar"

Teamkollege Norris weiß: "Die erste Runde wird unsere größte Chance sein und Kurve 1 die beste in jeder darauffolgenden." Denn in Imola sei es schwierig zu überholen. Insgesamt prophezeit er ein schwierigeres Rennen als zuletzt in Portugal.

In Portimao haben äußere Umstände McLaren in die Hände gespielt, Sainz konnte das Rennen bei Mischbedingungen nach dem Start gar anführen. Der Wetterbericht für den Rennsonntag sagt zwar dunkle Wolken aber keinen Regen voraus.

"An diesem Wochenende ist alles ein wenig normaler, auch was die Reifen und den Asphalt betrifft. Es wird nicht so unvorhersehbar, daher gibt es weniger Chancen für uns, einen Vorteil daraus zu schlagen", glaubt Norris. Er befürchtet, dass es "kein einfaches" Rennen werden wird.

Sainz ist mit dem Quali und P10 nicht ganz zufrieden

Sainz ist mit dem Quali und P10 nicht ganz zufrieden<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Sainz ist mit dem Quali und P10 nicht ganz zufriedenMotorsport Images

Motorsport Images

Zumindest die Strecke macht den Fahrern große Freude. "Das ist sicherlich eine meiner Lieblingsstrecken", schwärmt der 20-Jährige. "Die Schikanen sind so schnell und dein Gehirn muss so vieles in sehr kurzer Zeit verarbeiten, speziell im Qualifying, wenn du noch ein wenig mehr pusht."

Vor fünf Jahren ist Norris den Kurs in der Formel 4 bereits gefahren. "Es ist einfach unglaublich, wie viel mehr Grip wir heute haben", kann er es kaum glauben. "Alles ist so viel schneller. Es macht wirklich Spaß."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.