McLaren schafft "Schadensbegrenzung": Kampf um Platz drei spitzt sich zu

Maria Reyer
·Lesedauer: 5 Min.

McLaren schafft im Grand Prix der Emilia-Romagna in Imola nur "Schadensbegrenzung", wie Teamchef Andreas Seidl erklärt. Carlos Sainz und Lando Norris hatten schon im Qualifying zu kämpfen, im Rennen am Sonntag konnten die beiden die Plätze sieben und acht einfahren.

"Es war klar, dass das Rennen am Sonntag vom Ergebnis im Qualifying beeinträchtigt sein würde", erklärt Seidl. Norris und Sainz konnten sich zwar für Q3 qualifizieren, belegten allerdings nur die Ränge neun und zehn. Beide Piloten waren am Samstag nicht vollends mit ihren Leistungen zufrieden.

Am Sonntag habe die Mannschaft daher "nicht wirklich viel" machen können, analysiert der Teamchef. Nach dem Start konnten sich beide nicht verbessern, bereits in Runde sechs überholte Sainz seinen langsameren Teamkollegen. Der Spanier jagte Daniil Kwjat in der Anfangsphase, hatte aber keine Chance.

Seidl: "Überholen auf der Strecke war nicht möglich"

"Wir haben mit Carlos gesehen, wie schwierig es auf einer solchen Strecke ist, wenn man hinter einem Auto steckt. Wir hatte vielleicht ein klein wenig mehr Pace, konnten aber nichts tun." Während Norris bereits in Runde 13 an die Box kam (Wechsel Soft-Medium), wartete Sainz bis Runde 17 (Soft-Medium).

Beide kamen erneut knapp hinter dem AlphaTauri auf die Strecke. Wäre Sainz an Kwjat vorbeigekommen, hätte das einen großen Unterschied gemacht, ist Seidl überzeugt. "Deshalb haben wir ihn zu jenem Zeitpunkt an die Box geholt, weil wir gesehen haben, dass das Überholen auf der Strecke nicht möglich war."

Die einzige Chance war demnach der Boxenstopp, doch Sainz verpasste Kwjat an der Ausfahrt knapp - um eine halbe Sekunde. "Es war sehr, sehr eng. Dann sind die zwei gemeinsam in Kurve 1 rein. Natürlich hätte das Rennen dann vielleicht ein wenig anders geendet."

<span class="copyright">Sam Bloxham / Motorsport Images</span>
Sam Bloxham / Motorsport Images

Sam Bloxham / Motorsport Images

Doch die beiden McLaren-Piloten befanden sich auch im zweiten Stint direkt hinter dem Russen, Alexander Albon und Charles Leclerc. "Wir sind hinter Daniil festgesteckt von Beginn an. Carlos hatte definitiv mehr Pace im Auto, aber er konnte einfach nicht davon profitieren."

Hätten sich die beiden Fahrer am Samstag weiter vorne qualifiziert, dann wäre der Sonntag auch "einfacher" verlaufen, ist der Deutsche überzeugt. "Darauf müssen wir uns nun fokussieren." Denn Sainz konnte nichts ausrichten. "Deshalb denke ich, müssen wir mit den zehn Punkten glücklich sein."

Das sei "Schadensbegrenzung" gewesen, betont Seidl. Auch ein später zweiter Boxenstopp in der Safety-Car-Phase hat Sainz und Norris nicht geholfen. Der Spanier holte sich in Runde 51 noch einmal weiche Reifen ab, Norris folgte zwei Runden später.

Zweiter Stopp ändert nichts am Ergebnis

Auch Kwjat und Sergio Perez bogen erneut zum Stopp ab, während Daniel Ricciardo, Leclerc und Albon das Rennen auf alten harten Reifen zu Ende fuhren. "Wir haben gesehen, dass die Autos vor uns auf dem harten Reifen draußen blieben. Daher wollten wir frischen Gummi aufziehen, ohne wirklich Positionen zu verlieren."

Dadurch erhoffte sich McLaren eine bessere Ausgangsposition für den Re-Start. "Wir wollten so Positionen aufholen", bestätigt Seidl. "Das hat zumindest für Kwjat funktioniert." Der Russe flog beim Neustart förmlich an Perez und Leclerc vorbei.

"Leider konnte Checo vor uns nicht an Charles vorbei, der auf dem harten Reifen war. Dadurch hatten wir keine Chance mehr, diejenigen auf harten Reifen zu attackieren. Das hat also am Ende das Ergebnis nicht wirklich geändert für uns."

Der Teamchef spricht dennoch von einer guten "Ausführung" des Rennens mit den richtigen strategischen Entscheidungen. Der Deutsche muss aber auch anerkennen, dass seine Piloten vom Pech einige Mitstreiter (Dreher von Albon, Ausfall von Verstappen) profitieren konnten.

"Die Zwischenfälle haben dazu geführt, dass wir weiterhin im Kampf um Platz drei liegen. Wir konnten sogar mehr Punkte sammeln als Racing Point und nur wenig auf Renault verlieren. Das ist Schadensbegrenzung an diesem Wochenende, da wir mit ihnen auf Performance-Seite nicht mithalten konnten."

Der Kampf um den Titel "Best of the Rest" in der Konstrukteurs-Wertung spitzt sich weiter zu: McLaren liegt nun auf dem vierten Platz, punktgleich mit Racing Point (134) und nur einen Zähler hinter Renault (135). "Wir müssen jetzt in den nächsten eineinhalb Wochen sicherstellen, wie wir in allen Bereichen auch nur die kleinsten Verbesserungen herausholen können."

Sind die Piloten McLarens größter Trumpf?

Denn nur so könne McLaren bis zum Schluss im Kampf um Rang drei mithalten, weiß Seidl. "Mit dem Team, das wir haben, dem Auto und den Piloten haben wir es immer noch selbst in der Hand, in diesem Kampf zu bleiben. Darauf liegt unser Fokus."

Das Team möchte sich vor allem im Zeittraining am Samstag steigern, um am Sonntag in einer besseren Ausgangsposition zu liegen und nicht im Verkehr festzustecken. Dabei sollen auch die Updates helfen, die das Team seit dem Grand Prix von Russland sukzessive eingeführt hat.

"Wir sind sehr glücklich mit unseren Updates. Wenn man mit den Fahrern nach dem Rennen spricht, dann waren sie auch zufrieden mit dem Auto." Dennoch: In Imola lagen gleich fünf Teams (eigentlich sechs mit Red Bull) vor McLaren, das sei aber "kein Schock" sondern einfach die Realität.

"Wir wissen, dass wir uns als Team weiterhin sehr stark verbessern können, in allen Bereichen. Einer davon ist die Performance des Autos, daran arbeiten wir sehr hart im Zusammenspiel zwischen dem Renn- und dem Entwicklungsteam."

Beide McLarens steckten im Mittelfeld fest

Beide McLarens steckten im Mittelfeld fest<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Beide McLarens steckten im Mittelfeld festMotorsport Images

Motorsport Images

Wenn man den MCL35 mit dem Boliden des Vorjahres vergleicht, dann habe McLaren bereits "einen großartigen Schritt vorwärts" gemacht, ist Seidl überzeugt. "Das ist auch für mich ermutigend zu sehen, das stimmt mich optimistisch, dass wir in Zukunft die nächsten Schritte setzen können."

Einer der größten Trümpfe, den McLaren noch auf der Hand hält, sind die beiden Piloten. Im Vergleich zu Renault (95:40 für Ricciardo) und Racing Point (82:57 für Perez) hat das Traditionsteam zwei starke Piloten (69:65), die sich gegenseitig zu Höchstleistungen antreiben.

"Wir haben einen tollen Q3-Lauf mit beiden Autos." Tatsächlich haben es die McLaren-Piloten bislang meist ins Q3 geschafft, nur zweimal (Silverstone 2 mit Sainz; Mugello mit Norris) ist ein Fahrer bereits in Q2 ausgeschieden.

"Und auch an den Sonntagen im Rennen sind die Jungs herausragend. Sie bringen immer das bestmögliche Ergebnis nach Hause. Sie sind also definitiv ein Trumpf im Kampf um Platz drei", ist Seidl stolz.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.