Die Visionen für die Champions League der Zukunft

Jonas Nohe
Sport1

17 Jahre ist es inzwischen her, seit die Champions League zuletzt grundlegend reformiert wurde.

Klingt einerseits, als hätte sich das aktuelle Format bewährt - führt in der schnelllebigen Welt des Profifußballs aber auch dazu, dass der eine oder andere Entscheidungsträger dringend Neuerungen fordert.

Das Ziel: mehr Geld. Der Weg: mehr Spiele.

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So einfach könnte man zusammenfassen, worüber nun bereits seit einiger Zeit in der UEFA-Kommission für Klub-Wettbewerbe (CCC) beratschlagt wird.

Bereits im Januar hatte The Times darüber berichtet, dass ab 2024 mindestens vier zusätzliche Spieltage geschaffen werden sollen. Wie genau, ist derzeit noch offen. Verschiedene Vorschläge stehen zur Debatte, eine Einigung gibt es noch nicht.

SPORT1 erklärt, welche Änderungen diskutiert werden - und wie die Champions League der Zukunft aussehen könnte.

- Neue Gruppenphase

Aktuell spielen 32 Teams in acht Vierergruppen die 16 Teilnehmer an der K.o.-Phase aus. Das bedeutet für jedes Team sechs Gruppenspiele - künftig könnten es zehn sein. Dann nämlich, wenn sich eine Aufstockung auf 36 Teams durchsetzt, die dann in sechs Sechsergruppen spielen würden.

"Wir haben das 36er-Modell auf informeller Ebene tatsächlich schon diskutiert. Ich glaube, dass es ein annehmbarer Kompromiss sein könnte", bestätigte Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro in der Sport Bild.

Der Vorschlag würde dem "verbreitet geäußerten Wunsch nach mehr Spielen entsprechen und dann hoffentlich auch gleichbedeutend sein mit mehr Erlösen".


In die nächste Runde einziehen würden dabei die Gruppensieger, die Gruppenzweiten sowie die vier besten Gruppendritten. Letzteres bereitet Carro jedoch ein wenig Bauchschmerzen: Ihn stört, dass zwei Drittplatzierte womöglich auch deshalb in die Röhre schauen könnten, weil sie in einer starken Gruppe gelandet sind.

"Deshalb bin ich generell eher für 32 Klubs und den Verbleib des aktuellen Formats der Champions League", verriet Carro, der betont: "Man muss nichts ändern, was sich bewährt hat, da sind wir uns innerhalb der Bundesliga sehr einig."

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte bereits Ende Januar auf dem SPOBIS gefordert: "Repariere nicht, was nicht kaputt ist - und die Champions League ist alles, nur nicht kaputt."

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In anderen Ländern wird das jedoch offenbar anders gesehen, Juventus-Boss Andrea Agnelli brachte sogar ein Modell mit 32 Teams in vier Achtergruppen und damit 14 Gruppenspielen ins Gespräch.

Er wisse nicht, "wo die neuen Spieltage herkommen sollen. Die beiden Teams, die bis zum Finale kommen, müssten dann 21 Spiele machen", sagte Rummenigge zu dieser Variante - und warnte obendrein: "Wir haben uns in dieser Gruppenphase nach dem vierten Spiel qualifiziert. Man muss kein Philosoph sein, um zu sehen, dass das langweilig werden würde."


- Zweite Gruppenphase statt K.o.-Duelle

Von 1999 bis 2003 wurde nach der Vorrunde der Königsklasse eine zweite Gruppenphase gespielt.

Mit deren Wiedereinführung ließe sich der Wunsch nach vier zusätzlichen Spieltagen ebenfalls erfüllen: Statt zwei Partien im K.o.-Modus hätte jeder der 16 Achtelfinal-Teilnehmer weitere sechs Gruppenspiele, anschließend ginge es ab dem Viertelfinale mit K.o.-Duellen weiter.

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Laut Carro wurde das Modell einst nicht wegen zu geringer Attraktivität der zweiten Gruppenphase abgeschafft, "sondern weil die erste Gruppenphase nicht spannend genug war".

Ließen sich in irgendeiner Form beide Gruppenphasen interessant gestalten, könnte sich der Bayer-Boss eine Renaissance der zweiten Gruppenphase "grundsätzlich gut vorstellen".

- Mehr Fixstarter

24 Fixstarter für die Champions League - das war der große Wunsch von Juve-Boss Agnelli. Der Vorsitzende der Europäischen Klub-Vereinigung (ECA) fand für seinen Vorschlag jedoch keine Mehrheit.

Die Idee einer "beinahe abgeschlossenen Liga" werde "nicht zur Umsetzung kommen, da bin ich sicher", sagte Bayer-Boss Carro. Dass es künftig mehr als zwei vorqualifizierte Teams geben könnte - bisher sind der Champions-League- und der Europa-League-Sieger der Vorsaison automatisch in der Königsklasse dabei - will der Spanier jedoch nicht ausschließen.

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Seiner Meinung nach könnte auch der zweite Finalist in der darauffolgenden Spielzeit qualifiziert sein, zudem brachte Carro eine Art Wildcard ins Spiel.

"Dann könnte man noch herausragende Leistungen eines Klubs - ich denke etwa an Ajax Amsterdam in der vorigen Saison - belohnen, unabhängig davon, ob er schon im Halb- oder Viertelfinale ausgeschieden ist", erklärte Carro in der Sport Bild.

- Superliga mit Auf- und Abstieg

Neben 24 Fixstartern in der Königsklasse träumte Agnelli auch von einer Art europäischer Superliga - inklusive Auf- und Abstiegsregelung zwischen Champions League, Europa League und Europa Conference League.

Für die deutschen Vereinsvertreter ein No-Go.


"Wir haben zu keinem Zeitpunkt in Erwägung gezogen, an einer Super League teilzunehmen", betonte Rummenigge auf dem SPOBIS: "Das würden unsere Fans nicht mitmachen. Eher würden wir gesteinigt."

Sein Leverkusener Kollege Carro warnt jedoch davor, dass das Modell "durch die Hintertür" noch einmal aufkommen könnte: "Es gibt eine ganze Reihe von Eigentümern und Investoren, die ein großes Interesse an einem solchen Modell mit großer Stabilität durch 24 Fixstarter haben."

Bei den Spitzenklubs der Bundesliga ist der Widerstand gegen eine Super League jedoch deutlich zu spüren, schließlich sei die nationale Meisterschaft "das Brot- und Butter-Geschäft", wie es Rummenigge ausdrückte.

Der Bayern-Boss kündige zuletzt sogar wortgewaltig an: "Wir werden nicht an der Champions League teilnehmen, wenn irgendwelcher Unfug beschlossen wird."

Aber wie auch immer die Champions League der Zukunft aussehen wird: Dass sie ohne den FC Bayern stattfindet, das scheint dann doch ausgeschlossen.

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