Mehr Sport, weniger Party: So wurde Franco Morbidelli ein Siegfahrer

Gerald Dirnbeck
·Lesedauer: 3 Min.

Mit drei Siegen und Platz zwei in der Weltmeisterschaft war Franco Morbidelli der beste Yamaha-Fahrer 2020. Obwohl oder weil der Italiener eine ältere Spezifikation fuhr, konnte er seine Leistungen steigern. Das ist aber nicht der einzige Grund für seine Erfolge.

"Ich habe etwas bei mir entdeckt, das ich nicht kannte", verrät Morbidelli. "Es ist der ernsthafte Teil, der hart arbeitende Teil von mir. Das hat mir gefallen. Schon beim Wintertest in Malaysia habe ich mich auf dem Motorrad besser gefühlt."

"Ich konnte aggressiver fahren und habe besser gespürt, was ich auf dem Motorrad mache. Das hat mir die Chance ermöglicht, besser mit meinem Team zu arbeiten. Wir haben mit meiner Crew präziser gearbeitet. Das Resultat ist eine wunderbare Saison."

2019 stand er im Schatten seines Petronas-Teamkollegen Fabio Quartararo. Deshalb überlegte sich Morbidelli im vergangenen Winter gemeinsam mit seinem Umfeld, was er besser machen kann. Die Folge war, dass sich der 26-Jährige viel gewissenhafter vorbereitet hat.

Das Motto lautete weniger Party und mehr Training. "Franco hat in diesem Jahr sehr hart trainiert", weiß Mentor und Freund Valentino Rossi. "Manchmal war das ein Problem, weil er jeden Tag um 9:00 Uhr morgens bereit war, um Laufen zu gehen."

Was Valentino Rossi über diese Fortschritte sagt

"Er hat Druck auf uns ausgeübt - vor allem auf mich und Pecco. Er ist in sehr guter Form, was sehr wichtig ist. Franco ist ruhig und ein sehr ernsthafter Fahrer. Man muss die Yamaha so fahren, wie sie gefahren werden will."

"Franco kommt aus der Moto2 und von der Honda. Er hat Kilometer gebraucht, um zu verstehen, wie man die Yamaha fahren muss", glaubt Rossi, warum Morbidelli erst in der zweiten Saison mit Yamaha so richtig durchstarten konnte.

Die VR46-Akademie wurde Anfang 2014 gegründet, um Nachwuchstalente zu fördern. Morbidelli war von Beginn an dabei. 2014 fuhr er auch seine erste komplette WM-Saison in der Moto2. Davor war er in der Superstock-600-Europameisterschaft.

Im nächsten Jahr sind Morbidelli und Rossi Teamkollegen

Im nächsten Jahr sind Morbidelli und Rossi Teamkollegen<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Im nächsten Jahr sind Morbidelli und Rossi TeamkollegenMotorsport Images

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"Als wir mit der Akademie begonnen haben, wussten wir nicht, was in den nächsten Jahren passieren würde", blickt Rossi zurück. "Es ist ein einzigartiges Programm." Morbidelli wurde 2017 Moto2-Weltmeister und Francesco Bagnaia im Jahr darauf.

"Als Franco 2017 Moto2-Weltmeister wurde, habe ich erstmals darüber nachgedacht, dass ich in der MotoGP starke Gegner von der Akademie haben werde", sagt Rossi über seine Schützlinge. Im nächsten Jahr ist mit Luca Marini ein dritter VR46-Fahrer in der Königsklasse.

"Es ist aber okay, wir sind sehr glücklich. Wenn wir gemeinsam trainieren, verbessern wir immer unser Level. Wir haben viel Spaß, wenn wir gegeneinander fahren. Ich kenne Franco sehr gut, weil wir auf der Ranch oft gemeinsam fahren. Ich kenne seinen Stil."

Rossi und Morbidelli sind im nächsten Jahr Teamkollegen bei Petronas. Als Vizeweltmeister werden die Erwartungen an Morbidelli hoch sein: "Nein, ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich gegen 'Vale' antrete und gegen ihn in der MotoGP kämpfe. Daran hätte ich nie gedacht."

"Es war eine sehr gute Saison für mich", lacht der Italiener. "Mein erstes Podium in Brünn und dann drei Siege. Ich bin mit meiner Saison sehr zufrieden." Auch 2021 wird sich an Morbidellis älterer Yamaha-Spezifikation nichts ändern.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.