"Mehrfach vorbelastet": Droht Abraham eine Mega-Strafe?

Lukas von Hoyer, Martin van de Flierdt
Sport1

"Der Trainer ist heilig."

Mit diesem kurzen, aber doch weitreichenden Satz kommentierte Didi Hamann den großen Aufreger des vergangenen Bundesliga-Spieltags bei Sky.


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Was der 59-malige deutsche Nationalspieler "noch nie gesehen" hatte, das hatte auch die über 50 Jahre andauernde Bundesliga-Geschichte noch nie erlebt. Die Rede ist von der Attacke des Frankfurters David Abraham. Von seiner Attacke auf einen Trainer.

Abraham rammt Streich um

In der Nachspielzeit des Spiels SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt am Sonntagabend hatte der Kapitän der Gäste vollkommen die Nerven verloren, Freiburgs Coach Christian Streich umgecheckt und die Rote Karte gesehen.


Klar ist, dass Abrahams Entgleisung "für alle Beteiligten Konsequenzen haben wird", wie Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic schon wenige Momente nach dem Abpfiff wusste.

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Zum einen für den schon ausgewechselten Vincenzo Grifo, der Abraham nach dessen Check an den Kiefer Griff und ebenfalls die Rote Karte sah. Aber vor allem für Abraham selbst. Doch welche Strafe droht ihm jetzt?

Versöhnung im Stadion und in Social Media

Er habe den Ball, der Sekunden vor seinem Check an Streich vorbeikullerte, "so schnell wie möglich" wieder ins Spiel bringen wollen, sagte der Argentinier nach der Partie zu seiner Verteidigung.

"Ich bin einfach dort gestanden. Da sind ihm die Sicherungen durchgebrannt", kommentierte Streich den Eklat bei Sky. Der Kult-Trainer nahm das Geschehene aber gleichzeitig mit Humor und spielte es herunter: "Meine Schulter ist okay, ich bin ja stabil, weil ich mich immer dehne. Wir sollten runterfahren. Das ist keine Story wert."

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Ohnehin taten alle Beteiligten nach der Partie alles dafür, das Thema nicht zu groß werden zu lassen. Abraham entschuldigte sich noch in den Katakomben bei Streich, die beiden lagen sich sogar in den Armen. Zusammen mit Grifo gingen sie dann in die Eintracht-Kabine, um die Wogen bei einem Gespräch unter Männern zu glätten.

Dabei entstand auch ein Bild mit Abraham und Grifo, das die Frankfurter auf Twitter posteten und das zusätzlich Schärfe aus der "Story" rausnehmen sollte.


Erinnerungen an den Fall Norbert Meier

All das ändert aber nichts daran, dass eine klare Grenze überschritten wurde. Schließlich "darf es persönliche Attacken gegen den Trainer im Fußball nicht geben", wie es Hamann ausdrückte.

Das gab es bislang auch noch nicht. Außer vielleicht am 6. Dezember 2005, als sich Duisburgs Trainer Norbert Meier und Kölns Profi Albert Streit sehr nahekamen. Beide standen Stirn an Stirn, als Meier plötzlich theatralisch zu Boden ging. Streit flog in der Folge vom Platz.


Die Fernsehbilder hatten Meier damals als – nicht sonderlich talentierten – Schauspieler entlarvt. Von Streit war kein Kopfstoß ausgegangen, weswegen er auch nicht weiter bestraft wurde.

Meier wurde allerdings in der Folge als "Kopfstoß-Trainer" bekannt und bekam vom DFB zudem eine empfindliche Strafe aufgebrummt: ein dreimonatiges Berufsverbot.

DFB gefordert

Die beiden Fälle sind mit Sicherheit nicht zu vergleichen. Immerhin handelt es sich im Fall Abraham tatsächlich um eine grobe Attacke, die eher auf eine Wrestling-Veranstaltung gehört als in ein Fußballstadion.

Der Deutsche Fußball-Bund ist daher gefordert dafür zu sorgen, dass eine vergleichbare Aktion nicht mehr vorkommt.

Der höchste Vertreter des deutschen DFB hat die Geschehnisse aus nächster Nähe beobachtet. Präsident Fritz Keller hatte seinen Ex-Klub Freiburg besucht und das Spiel im Stadion verfolgt.

Nach dem Eklat hatte sich Keller auch in den Katakomben aufgehalten. Am Montag dürfte der 62-Jährige sich mit Verantwortlichen des DFB-Sportgerichts zusammensetzen, um über die Höhe von Abrahams Sperre zu diskutieren.

"Herr Abraham mehrfach vorbelastet"

"Das Strafmaß wird sich im Rahmen dessen bewegen, was für eine Tätlichkeit angemessen ist. Da ist das normale Maß eine Sperre von sechs Spielen", erklärt DFB-Chefankläger Anton Nachreiner im Gespräch mit SPORT1.

Dabei könne es strafmildernde Aspekte geben. "Handelt es sich um eine Tätlichkeit im leichteren Fall und nach vorangegangener Provokation, dann liegt die Mindeststrafe bei zwei Spielen. Trifft zumindest eines der beiden einschränkenden Kriterien zu, mindestens drei Spiele", sagt Nachreiner.

Allerdings sei zu beachten, "dass Herr Abraham mehrfach vorbelastet ist. Da ist dann mit einem gewissen Aufschlag zu rechnen".


Auch das dürfte ein Grund sein, warum Hamann über Abraham sagte: "Ich denke nicht, dass wir ihn vor Weihnachten noch spielen sehen werden." Das würde eine Sperre von mindestens sechs Bundesligaspielen bedeuten.

Tatsächlich erscheint es logisch, dass der DFB mit einer hohen Strafe ein Exempel statuieren will. Damit der Trainer auch in Zukunft heilig bleibt.

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