Mercedes-AMG: MGU-H-Technologie bald auch in Straßenwagen

Stefan Ehlen
motorsport.com

Was Mercedes in der Formel 1 zum Branchenführer gemacht hat, kommt bald auch im Alltag zum Einsatz, zumindest teilweise: Der neue elektrische Abgasturbolader von Mercedes-AMG für die Serienproduktion hat seine Wurzeln im Motorsport. Als Vorbild dient dabei die Motor-Generator-Einheit für die Umwandlung von Hitze in Energie, kurz MGU-H aus den Formel-1-Silberpfeilen.

Gemeinsam mit seinem technischen Partner Garrett Motion hat Mercedes-AMG diesen Ansatz für die Straßenwagensparte aufgegriffen und adaptiert. Herauskam ein Abgasturbolader mit integriertem Elektromotor.

Die Vorteile dieser Konstruktion beschreibt das Unternehmen so: "Die Elektrifizierung des Turboladers verbessert das Ansprechverhalten direkt ab Leerlaufdrehzahl und über den gesamten Drehzahlbereich hinweg deutlich. Das sogenannte Turboloch - das verzögerte Ansprechen eines herkömmlichen Laders - wird durch den E-Motor eliminiert."

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Weitere Vorteile der neuen Turbotechnik

Das führe zu einem "deutlich dynamischeren und agileren Fahrverhalten", der Motor reagiere insgesamt spontaner auf Pedalbefehle und gewährleiste ein "kontinuierlich direktes Ansprechverhalten" bei Drehzahlen von bis zu 170.000 Umdrehungen pro Minute.

Tobias Moers als Vorsitzender der Geschäftsführung bei Mercedes-AMG bezeichnet dies als ein "Beispiel für den Transfer von Formel-1-Technologie auf die Straße" und hofft, aufgeladene Verbrennungsmotoren so "auf ein bislang unerreichtes Agilitätsniveau" heben zu können.

Noch ist der elektrische Abgasturbolader allerdings nicht serienreif, sondern befindet sich "im Endstadium der Entwicklung". Welche Automodelle dafür vorgesehen sind, ist noch unklar.

Kritik an den Formel-1-Antrieben

In der Formel 1 wird die MGU-H-Technologie seit 2014 verwendet. Seither hat Mercedes die Rennserie dominiert, die Mehrheit der Siege erzielt und sämtliche WM-Titel eingefahren.

Die komplexe Technologie der Turbo-Hybrid-Antriebe aber stand wiederholt als "zu kompliziert" in der Kritik, weil sie potenzielle Neueinsteiger abschrecken könnte. Zuletzt äußerte der frühere BAR-Teamchef David Richards seine Zweifel daran, dass die Formel 1 auch im neuen Reglement über 2022 hinaus an MGU-H und Co. festhält.

Der scheidende Mercedes-Antriebschef Andy Cowell hingegen meinte schon 2019: Eine Abschaffung der MGU-H-Komponente wäre technisch "ein Rückschritt". Begründung: "Um das daraus entstehende Leistungsdefizit wettzumachen, müssten wir die Benzin-Durchflussmenge erhöhen. Und das wäre kein Fortschritt, zumal die ganze Entwicklung bereits geleistet wurde."

Mit Bildmaterial von Mercedes-AMG.

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