"Mercedes greift in Taktik-Giftschrank"

Hallo liebe F1-Fans,

Mexiko beschert Titelverteidiger Max Verstappen einen neuen Rekord. Kein Fahrer vor ihm hat in einer Saison so viele Rennen gewonnen, wie er. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Bedanken darf er sich für seinen 14. Sieg 2022 unter anderem auch bei Mercedes. Zum zweiten Mal hintereinander greifen die Sterne-Ritter wohl in den Taktik-Giftschrank in Sachen Reifen-Strategie. Lewis Hamilton hat auf den harten Walzen in der Schlussphase gegen Verstappen, der auf den Mediums unterwegs ist, keine Chance.

Mercedes musste sich an Perez orientieren, der Hamilton zu überholen drohte. In den Jahren der Dominanz war man selber die Bench-Mark, an der die anderen sich ausrichten mussten. In der Jäger-Rolle tut man sich deutlich schwerer.

Hat Mercedes Ferrari bereits überholt?

Aber meine Vorhersage zu Jahresbeginn, dass Mercedes Ferrari überholen würde im Laufe der Saison, bestätigt sich zusehends. Die Rote Diva ist nervös und launisch auf der Strecke in Mexiko und nur schwer zu kontrollieren.

Die Silbernen sind derzeit die Nummer zwei im Feld. Es bleiben Hamilton allerdings nur noch zwei Chancen, um nicht zum ersten Mal seit seinem F1-Einstieg ohne Saisonerfolg dazustehen. Und will man Ferrari auch faktisch in der Konstrukteurswertung noch überholen, muss Teamkollege Russell wieder in die Spur zurückkommen. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Die Frustrations-Erlebnisse der letzten Rennen, vor allem sein Crash mit Pole-Mann Sainz in Austin in der ersten Kurve, haben ihn nachdenklich und zögerlich werden lassen. Den Start in Mexiko verbummelt er komplett aus zu viel Rücksichtnahme gegenüber Teamkollege Hamilton.

Er wird dadurch auch noch von Perez geknackt. Was er während des gesamten Rennens nicht mehr korrigieren kann. Seine Frechheit, sein respektloses, konsequentes Reinhalten hat er verloren. Er muss seinen Kopf sortieren, sich seiner Stärken besinnen. Mercedes braucht den Russell der ersten Saisonhälfte, um Ferrari in der Konstrukteurswertung zu schlagen.

Gasly wütet wieder in Mexiko

Pierre Gasly steht ebenfalls unter Druck. Ihm droht eine Rennsperre – aktuell steht er bei 10 Strafpunkten, mit 12 heißt es einmal zuschauen. Mit den Rennkommissaren steht er auf Kriegsfuß. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Einige Bestrafungen kann er nicht nachvollziehen. In Mexiko hat er die Aufforderung vermisst, den Platz, den er gegen Stroll raus geboxt hatte, wieder zurückzugeben. Dann wäre der Strafpunkt, den er im Nachgang kassierte, zu vermeiden gewesen.

Wer am längeren Hebel sitzt, ist klar, Gasly wird sich wohl anpassen müssen.

Alonso schießt gegen Alpine

Sich nicht mehr ändern wird Fernando Alonso. Der Spanier ist ohne Frage nach wie vor ein begnadeter Racer. Läuft‘s mal nicht, zündelt er verbal ungehemmt gegen jeden und alle. Auch gegen das eigene Team. Eine Stinkstiefel-Mentalität, könnte man meinen.

Nach seinem vorzeitigen Ausfall in Mexiko ist es mal wieder aus ihm ausgebrochen. Seinem derzeitigen Arbeitgeber Alpine wirft er lauthals vor, dass immer sein Auto von Ausfällen betroffen sei. Mit seinem Motor könne er einfach keine Rennen beenden, das Team sei nicht gut vorbereitet. Round about habe er deswegen 66 Punkte liegen lassen müssen in dieser Saison. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Das zeigt aber auch, dass das Feuer noch so richtig in ihm brennt, und er Rückschläge nicht einfach Schulter zuckend abhakt. Klingt nicht nach einem harmonischen Abschied vor seinem Wechsel zu Aston Martin. Aber das ist ja nichts Neues. Alonso war und ist niemand, der die Kuschel-Wohlfühlecke sucht.

Ein Selbstläufer wird‘s jedenfalls auch mit seinem neuen Arbeitgeber nicht. Nach zuletzt guten Rennen fehlte dem Aston in Mexiko komplett die Pace, um in die Punkte zu kommen. (NEWS: Vettel-Klartext: „Ziemlich armselig“)

Schumacher erneut ohne Punkte - Rückt Haas-Aus näher?

Gilt auch für den Haas von Mick Schumacher. Gene Haas hatte bekanntermaßen für eine Vertragsverlängerung Punkte von Mick Schumacher gefordert – die sind zum neunten Mal in Folge ausgeblieben. Schumacher läuft die Zeit davon. Das Auto war zu keinem Zeitpunkt im Rennen gut genug, um die Top10 anpeilen zu können.

Trotz erneuter Probleme beim Start, der nicht unbedingt eine Stärke von Mick ist, liegt er teamintern gegen Magnussen seit Silverstone im Haas-Duell mit 7:4 vorne. Ob ihm das helfen wird? Ich befürchte – NEIN.

Ich kann nachvollziehen, dass Haas nicht den Statthalter spielen will für die Weiterentwicklung von Schumacher, der dann womöglich zu Audi/Sauber wechselt, um dann bei einem direkten Konkurrenten aufzugeigen.

Mich wundert allerdings ein wenig, dass Nico Hülkenberg als möglicher Schumacher-Nachfolger so hoch gehalten wird. Mit 35 ist er eigentlich keine Zukunftsoption über Jahre gesehen. Und mal ehrlich, in 181 Grand Prixs hat er es nicht einmal aufs Podium geschafft. Ist da eine späte Leistungsexplosion zu erwarten?

Während Schumacher mit Sicherheit noch lange nicht am Ende seiner Steigerungsmöglichkeiten ist. Egal wie es kommt – es wäre schön, wenn wenigstens ein Deutscher im Feld wäre.

Bottas überrascht in Mexiko

Dass jedes Rennen in dieser Saison gut dafür ist, Überraschungen zu liefern, unterstreicht der Grand Prix von Mexiko übrigens.

Bottas, zuletzt zehnmal in Folge leer ausgegangen, ergattert nach bockstarkem Wochenende einen Punkt. Ricciardo ist zum ersten Mal seit Baku mal wieder vor Teamkollege Lando Norris im Ziel - trotz seiner übermotivierten Kampfeinlage gegen Tsunoda.

Mal sehen, was uns die die beiden finalen Läufe in Brasilien und Abu Dhabi noch zu bieten haben.

Bis dahin PEDAL TO THE METAL, bleiben Sie gesund, Ihr Peter Kohl.

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