Tanking in der Formel 1? Mercedes warnt

Stefan Junold
Sport1

In der Formel 1 bahnt sich möglicherweise schon wieder Ärger an, ehe die neue Saison überhaupt begonnen hat.

Bei Mercedes befürchtet man, dass ein Aspekt des neuen Reglements schwächere Teams zu Manipulation verführen könnte.

James Allison, Technikchef der Silberpfeile, prangert im Podcast F1 Nation an, dass das neue Handicap-System bei der Aerodynamik-Entwicklung "einen faden Beigeschmack" habe und Teile davon "etwas ungeschickt" umgesetzt seien.

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Schwächere Teams werden bei Tests bevorzugt

Worum geht es?

Laut des neuen Regelpakets, das die Königsklasse kürzlich verabschiedet hat, dürfen schlechter platzierte Teams nach einem bestimmten Schlüssel ab 2021 länger und öfter im Windkanal testen als bessere. Ausschlaggebend dafür wird die Reihenfolge in der Konstrukteurswertung der Saison 2020 sein.

"Wie viel Aerodynamik man für 2022 entwickeln kann, hängt davon ab, wie gut du 2020 warst", bemängelt Allison, der den Sinn des Systems jedoch grundsätzlich gutheißt: "Das brandneue Auto, das überhaupt nichts mit der aktuellen Generation zu tun hat... Dein Glück wird in gewisser Weise dadurch beeinflusst, wie stark du 2020 warst, also zwei Saisons vorher."

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Allison erklärt Mercedes-Befürchtung

Zur Saison 2021 dürften die F1-Boliden wenn dann nur geringfügig weiterentwickelt werden, da ab 2022 das umfassende Regelpaket in Kraft tritt. Allison befürchtet also, dass Rennställe in der von Corona geprägten aktuellen Saison abschenken könnten, wenn sie merken, dass sie ohnehin kaum konkurrenzfähig sind, um mehr Kapazitäten im Windkanal für die Entwicklung des 2022er-Autos zu erhalten.


Hinzu kommt, dass das Handicap-System bereits ausgearbeitet wurde, bevor die Budgetgrenze von 175 auf 145 Millionen US-Dollar gesenkt wurde. "Es war damit vielleicht ein Mechanismus, durch den ein Team, das sich die Budgetgrenze nicht leisten konnte, etwas Konkurrenzfähigkeit zurückerlangen konnte, ohne sie direkt zu erkaufen", erläutert Allison.

Tanking wie im US-Sport?

Absichtlich schlechte Leistungen abzurufen wäre kein neues Phänomen im Sport. Insbesondere die US-Ligen hatten in den letzten Jahren damit zu kämpfen.

Um bessere Möglichkeiten durch höhere Picks im Draft zu ergattern, haben sich Franchises dazu entschlossen, bewusst Niederlagen in Kauf zu nehmen.

Möglicherweise könnte es in der Formel 1 in dieser Saison, die mit dem Rennwochenende von 3. bis 5. Juli in Spielberg beginnt, zu ähnlichem Verhalten kommen.

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