Warum sich Mika Häkkinen 1993 gegen Williams entschied

Norman Fischer

Bis heute gilt Mika Häkkinen als der "Lieblingsrivale" von Michael Schumacher. Von 1998 bis 2001 lieferten sich die beiden spannende Kämpfe um den Formel-1-Titel, bei denen erst der Finne zwei für sich entscheiden konnte, bevor die Ära von Schumacher und Ferrari begann. Doch beinahe wäre die Geschichte anders gewesen und Häkkinen hätte schon vor seinen McLaren-Tagen zum großen Rivalen aufschwingen können - statt Damon Hill.

Denn Williams wollte den Youngster 1993 als Nachfolger von Weltmeister Nigel Mansell verpflichten. "Ich war in einer fantastischen Situation, weil wir viele Angebote von verschiedenen Teams bekommen hatten", erinnert sich Häkkinen im Podcast 'Beyond The Grid'. "Williams war eines davon, McLaren, Ligier ... Nur Ferrari hat gefehlt."

Häkkinen hatte zuvor zwei Jahre bei Lotus auf sich aufmerksam machen können und stand nun vor einer wichtigen Entscheidung in seiner Karriere. Sein damaliger Manager Keke Rosberg hatte alle Hände voll zu tun. "Kekes Faxmaschine lief pausenlos", erzählt Häkkinen. "Er war sehr gestresst und hatte sein Whiskeyglas", spricht er über das entscheidende Treffen kurz vor Weihnachten 1992.

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Für viele wäre die Entscheidung eigentlich einfach gewesen, denn zur damaligen Zeit war Williams das Maß aller Dinge. Der Rennstall holte 1992 in dominanter Manier den Titel und schien auch für die kommende Saison bestens gerüstet zu sein, während McLaren nach dem Abgang von Honda und dem Wechsel auf Ford-Motoren auf dem absteigenden Ast schien.

Trotzdem entschied sich der Finne für den Rennstall von Ron Dennis und gegen das Team, mit dem Keke Rosberg 1982 Weltmeister geworden war. "Ich habe zu Keke gesagt, dass ich zu McLaren gehen möchte. Ich denke, dass er sehr überrascht war", so Häkkinen. Doch der 24-Jährige hatte seine Gründe.

"Viele Leute denken, dass es aufgrund des Geldes war", sagt er. "Natürlich ist das ein wichtiger Teil, aber ich hatte Zuversicht in McLaren." Dass sich Häkkinen letzten Endes für McLaren entschied, habe mit den Unterschieden der Teamführung zu tun gehabt. Er hatte das Gefühl, dass die Fahrer bei McLaren den vollen Respekt vom ganzen Team bekommen.

"Der Fahrer ist der Star, und er ist gleichzeitig der Teamplayer. Wir gewinnen alle zusammen", erzählt er. "Und ich habe das Gefühl bekommen, dass bei Williams der Fahrer einfach nur der Fahrer ist."

Diese Begründung teilte Häkkinen auch Rosberg mit und wechselte 1993 zu McLaren, wo er jedoch hinter Ayrton Senna und Michael Andretti zunächst nur der dritte Mann sein sollte, bevor Andretti das Team drei Rennen vor Schluss verließ. Die Entscheidung sollte sich am Ende trotzdem auszahlen - wenn auch erst fünf Jahre später.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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