Ein Moment für die Ewigkeit

Alexandra Müller
Sport1

Es ist der 10. Mai 1970.

Die Boston Bruins treffen im vierten Spiel des Stanley-Cup-Finals auf die St. Louis Blues. Boston führt die Serie mit 3:0 an, es fehlt also nur noch ein Sieg zum ersten Titel seit 1941, der vor heimischem Publikum perfekt gemacht werden soll. Nach der regulären Spielzeit steht es 3:3 - es geht in die Overtime.

Nur 40 Sekunden der Verlängerung sind gespielt, als es zu einer Szene kommt, die für eines der besten Sportfotos aller Zeiten sorgt.

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Orr schießt Bruins zum Titel

Bostons Bobby Orr läuft diagonal zum Torraum und bekommt den Puck von Derek Sanderson zugespielt. Blues-Schlussmann Glenn Hall muss der Bewegung folgen, es ergibt sich eine Lücke zwischen seinen Schonern. Gerade stellt Gegenspieler Noel Picard Orr noch ein Bein, doch der bringt die Scheibe trotzdem aufs Tor. 

Als sich der damals 22-Jährige umblickt, sieht er den Puck ins Netz fliegen. Vor lauter Freude springt er ab und reißt, während er quer durch die Luft fliegt, beide Arme jubelnd in die Höhe.

Auch 50 Jahre später spricht man noch über die legendäre Flugeinlage.

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"Ich hatte etwas Glück in der Aktion", erinnert sich der Torschütze Jahre später an den Augenblick. "Ich habe alles versucht, die Scheibe irgendwie auf das Tor zu bekommen, was mir auch gelang. Als ich mich dann umsah, da sah ich bereits, wie der Puck tatsächlich den Weg in das Tor fand. Also bin ich jubelnd abgesprungen."

Mit seinem Treffer schießt Orr sein Team zum Titel und beendet 29 Jahre Warten. Für Boston ist es ein historischer Triumph.

Bruins: Von der Lachnummer zum Champion

Doch es ist nicht nur das eine Tor, mit dem sich Orr einen Platz in den Geschichtsbüchern sichert. Mit 18 Jahren beginnt er 1966 seine NHL-Karriere. Gleich am Ende seiner ersten Saison wird er zum besten Rookie des Liga ausgezeichnet.

Zwei Jahre später gelingt ihm das schier Unmögliche. Als Verteidiger wird Orr mit 120 Punkten zum Topscorer der NHL und sichert sich zudem die Hart Trophy als wertvollster Spieler.


Er konnte punkten wie ein Stürmer, hatte ein Auge für seine Mitspieler wie ein Spielmacher und stand in der Defensive so kompakt wie ein Abwehrspezialist. Insgesamt achtmal in Serie wird er zum besten Verteidiger der Liga ernannt. Auch dank ihm entwickeln sich die Bruins - von 1966 bis 1970 - innerhalb von nur vier Jahren von der Lachnummer der NHL zum Champion. 

1971 unterschreibt Orr bei den Bruins den ersten Millionenvertrag für einen Eishockeyspieler. 1976 folgt der Wechsel zu den Chicago Blackhawks.

Orr-Statue vor TD Garden in Boston 

Wegen zahlreicher Knieverletzungen muss die NHL-Legende zwei Jahre später seine Karriere beenden. Doch wenn der Name Bobby Orr fällt, haben Eishockey-Fans noch heute sofort ein Bild vor Augen: Den fliegenden Superman über dem Eis.


Für alle, die das Foto nicht kennen, wurde die spektakuläre Flugeinlage 2010 als überlebensgroße Statue vor dem TD Garden in Metall gegossen verewigt.

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