MotoGP 2020 in Valencia 2: Joan Mir holt bei Morbidelli-Sieg den WM-Titel

Sebastian Fränzschky
·Lesedauer: 8 Min.

Suzuki-Werkspilot Joan Mir hat sich vorzeitig den WM-Titel in der MotoGP gesichert. Ein siebter Platz im zweiten Valencia-Rennen reichte aus, um für eine Vorentscheidung in der Fahrerwertung zu sorgen.

Der Sieg im vorletzten Rennen der Saison ging an Franco Morbidelli (Petronas-Yamaha) (zum Ergebnis). Jack Miller scheiterte knapp am Sieg und wurde Zweiter. Pol Espargaro (KTM) komplettierte das Podium.

"Unglaublich! Ich habe keine Worte, um diese Gefühle zu beschreiben", kommentiert der neue MotoGP-Weltmeister Joan Mir. "Mein ganzes Leben habe ich dafür gekämpft. Momentan kann ich nicht lachen, aber auch nicht weinen. Es sind gemischte Gefühle."

"Ich bin sehr, sehr glücklich. Wenn man seinem Traum das ganze Leben lang nachjagt und dann schafft man das. In diesem Moment kann ich nicht begreifen, was passiert. Ich brauche jetzt etwas Zeit, um das zu verstehen. Ich habe keine Worte", so der neue MotoGP-Champion.

Franco Morbidelli trauert verpasster WM-Chance hinterher

"Unglaublich!", freut sich Franco Morbidelli über den Sieg beim vorletzten Grand Prix des Jahres. "Ich habe den harten Vorderreifen genommen, weil wir uns nicht sicher waren, ob der Medium-Reifen gehalten hätte. Ich musste anders fahren. Auf der Bremse war es besser, aber beim Kurvenspeed habe ich etwas verloren. Dann bekam ich Probleme mit dem Hinterreifen. Mir war klar, dass Jack kommen wurde."

"In der letzten Runde habe ich dann alles gegeben, um zu gewinnen", berichtet Morbidelli. "Es war ein sauberes und sportliches Duell. Ich weiß gar nicht, wie oft wir uns überholt haben. Schließlich habe ich gewonnen. Jack ist eine beeindruckende Pace gefahren. Ich habe jede Runde alles gegeben und gewonnen. Leider habe ich die WM-Chance verloren."

Franco Morbidelli holte sich seinen dritten MotoGP-Sieg

Franco Morbidelli holte sich seinen dritten MotoGP-Sieg<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Franco Morbidelli holte sich seinen dritten MotoGP-SiegMotorsport Images

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Weniger als eine Zehntelsekunde fehlte Jack Miller zum zweiten Sieg in der MotoGP. "Ein fantastisches Duell in der letzten Runde", kommentiert der Australier. "Es hat viel Spaß gemacht, vor allem auf so einer schwierigen Strecke. Leider hat es nicht ganz gelappt, aber wir haben sehr gut gearbeitet und hatten eine sehr gute Pace. Mehr gibt es nicht zu sagen. Gratulation an Joan und das ganze Suzuki-Team. Sie haben sich das verdient."

Pol Espargaro wiederholte das Podium vom vergangenen Wochenende. "Es war fantastisch, ich bin super happy! An diesem Wochenende haben wir keinen Podestplatz erwartet", gesteht der Spanier. "Natürlich verdienen wir es, aber Nakagami war heute schneller. Dann hat er den Fehler gemacht. Ich war von Beginn bis zum Ende am Limit und habe keinen Fehler gemacht. Der fünfte Podestplatz der Saison ist unglaublich."

Einigkeit bei der Wahl des Hinterreifens

Beim Rennstart um 14:00 Uhr fanden die 21 Piloten sonnige Bedingungen vor. Es zog aber ein starker Wind über die Strecke, der besonders von den Ducati-Piloten gefürchtet wurde. Die Desmosedici reagierte in der Vergangenheit oft sehr sensibel auf Wind.

Alle Fahrer setzten auf den Medium-Hinterreifen. Vorne vertraute der Großteil auf die harte Mischung. Lediglich Maverick Vinales (Yamaha), Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha), Stefan Bradl (Honda), Jack Miller (Pramac-Ducati) und Lorenzo Savadori (Aprilia) wählten den Medium-Vorderreifen.

Fabio Quartararo wird von der Linie gedrängt

Den besten Start erwischte Ducati-Pilot Jack Miller. Von Startplatz zwei übernahm der Australier die Führung. Doch noch in Kurve 1 musste Miller eine weite Linie wählen. Pole-Setter Franco Morbidelli übernahm kampflos die Spitzenposition und führte das Feld durch die erste Runde.

Noch in Kurve 2 wurde Fabio Quartararo bis ans Ende des Feldes zurückgeworfen, nachdem er durch einen Zwischenfall mit Yamaha-Markenkollege Maverick Vinales die Linie verlassen musste. Quartararo musste einen großen Bogen fahren und hatte eine Aufholjagd vor sich.

Morbidelli beendete die erste Runde als Führender vor Miller. KTM-Pilot Pol Espargaro lag auf der dritten Position. WM-Leader Joan mir fuhr nach der ersten Runde als Zehnter über die Ziellinie. Abgesehen von Morbidelli erlebten die Yamaha-Piloten eine katastrophale Startphase und lagen außerhalb der Top 10.

Franco Morbidelli kontrolliert das Rennen

An der Spitze konnte sich Morbidelli leicht von Miller absetzen. Pol Espargaro versuchte, den Anschluss an Miller zu halten. Dahinter öffnete sich eine kleine Lücke zur Verfolgergruppe, die von Takaaki Nakagami (LCR-Honda) angeführt wurde. Suzuki-Werkspilot Joan Mir fuhr weiterhin auf der zehnten Position. Zu Beginn der sechsten Runde stützte Johann Zarco (Avintia-Ducati) in Kurve 1.

Nach einem Fehler von Takaaki Nakagami in Kurve 1 setzte sich Tech-3-KTM-Pilot Miguel Oliveira an die Spitze der Verfolgergruppe. Nakagami geriet unter Druck von Suzuki-Pilot Alex Rins, der seine WM-Hoffnungen am Leben halten wollte.

Franco Morbidelli, Jack Miller und Pol Espargaro an der Spitze wurden nach dem ersten Drittel des Rennens von jeweils sechs Zehntelsekunden voneinander getrennt. Dahinter klaffte eine Lücke von 1,6 Sekunden zu Miguel Oliveira.

Fabio Quartararos WM-Hoffnungen platzen

Fabio Quartararo verabschiedete sich in Runde neun mit einem Sturz aus dem Rennen. Die WM-Hoffnungen des Franzosen waren damit geplatzt. Obwohl Joan Mir nur auf der neunten Position fuhr, befand er sich auf Kurs, den Titel vorzeitig sicherzustellen.

In der Verfolgergruppe übernahm Takaaki Nakagami erneut die Führung und eroberte die vierte Position zurück. Miguel Oliveira verlor eine weitere Position an Alex Rins und rutschte auf die sechste Position ab.

Franco Morbidelli hatte zur Halbzeit des Rennens einen komfortablen Vorsprung von über einer Sekunde herausgefahren. Jack Miller fuhr auf der zweiten Position, Pol Espargaro war Dritter. Etwas mehr Spannung sah man in der Verfolgergruppe.

Yamaha-Werksduo erlebt enttäuschendes Rennen

Die Positionen der Top 3 schienen bezogen zu sein. Franco Morbidelli kontrollierte seinen Vorsprung. Jack Miller fuhr mit einem Polster von knapp einer Sekunde auf Pol Espargaro auf der zweiten Position. Takaaki Nakagami konnte sich vom Rest der Verfolgergruppe frei fahren und kämpfte um den Anschluss an die Top 3.

Alex Rins fuhr auf der fünften Position und hatte mit Miguel Oliveira und Brad Binder zwei KTMs hinter sich. Joan Mir fuhr auf der achten Position und befand sich damit auf Kurs zum WM-Titel. Enttäuschend verlief das Rennen für die Yamaha-Piloten mit der 2020er-Version der M1. Maverick Vinales und Valentino Rossi drehten außerhalb der Top 10 ihre Runden.

Jack Miller und Takaaki Nakagami ziehen das Tempo an

Mit der schnellsten Runde des Rennens setzte Jack Miller in Runde 17 ein Ausrufezeichen und verringerte damit den Rückstand auf Franco Morbidelli. Die Top 2 rückten näher zusammen. Und auch um Platz drei wurde es noch einmal spannend. Takaaki Nakagami kämpfte sich mit konstant schnellen Runden an Pol Espargaro heran und lag neun Runden vor Rennende in Schlagdistanz.

Takaaki Nakagami attackierte Pol Espargaro in der 19. Runde in der letzten Kurve. Der Japaner stürzte beim Lösen der Vorderradbremse und warf damit ein mögliches Podium weg. Pol Espargaro hatte Glück, dass er rechtzeitig ausweichen konnte.

Franco Morbidelli gerät unter Druck von Jack Miller

Franco Morbidelli geriet weiterhin unter Druck von Jack Miller, der in der Schlussphase hart attackierte. Sechs Runden vor Rennende betrug Millers Rückstand nur noch eine halbe Sekunde. Knapp drei Sekunden dahinter fuhr Pol Espargaro auf der dritten Position. Alex Rins war Vierter, Joan Mir fuhr auf der siebten Position.

Miller kam bis auf 0,2 Sekunden an Morbidelli heran, doch der Führende hatte eine Antwort parat und vergrößerte den Vorsprung erneut auf eine halbe Sekunde. Morbidellis Boxencrew zeigte aber weiterhin nur 0,2 Sekunden Vorsprung an, um den Italiener weiter anzutreiben.

Thriller in der letzten Runde

Miller kam zwei Runden vor Rennende noch einmal bis auf 0,2 Sekunden an Morbidelli heran. Zu Beginn der letzten Runde zog Miller auf der Geraden an Morbidelli vorbei, kam in Kurve 1 aber von der Linie ab. Morbidelli konterte in Kurve 2. In Kurve 4 und 5 wechselten die beiden Streithähne erneut die Positionen.

Morbidelli rettete die Führung bis über den Zielstrich. Miller scheiterte um 0,093 Sekunden am Sieg und wurde Zweiter. Platz drei ging an KTM-Pilot Pol Espargaro, der drei Sekunden hinter dem Führungsduo über die Linie fuhr.

Platz sieben reicht Joan Mir zum WM-Titel

Alex Rins' vierter Platz reichte nicht aus, um die WM-Hoffnungen am Leben zu halten. Teamkollege Joan Mir holte sich mit einem unauffälligen siebten Platz den WM-Titel. Mir kam 8,703 Sekunden nach Sieger Franco Morbidelli ins Ziel.

Die KTM-Piloten Brad Binder und Miguel Oliveira belegten beim zweiten Valencia-Rennen die Positionen fünf und sechs. Ducati-Werkspilot Andrea Dovizioso wurde Achter. Aleix Espargaro (Aprilia) und Maverick Vinales (Yamaha) komplettierten die Top 10.

Francesco Bagnaia (Pramac-Ducati), Valentino Rossi (Yamaha), Cal Crutchlow (LCR-Honda), Stefan Bradl (Honda) und Danilo Petrucci (Ducati) komplettierten die finalen Positionen in den Punkterängen. Alex Marquez (Honda), Tito Rabat (Avintia-Ducati) und Lorenzo Savadori (Aprilia) gingen leer aus.

Das Saisonfinale der MotoGP findet am kommenden Wochenende in Portimao (Portugal) statt.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.