Kommentar: Auf Moukoko wartet sein größter Gegner

Tobias Holtkamp
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BVB-Supertalent Youssoufa Moukoko steht vor seiner Bundesliga-Premiere. Doch die größte Herausforderung wartet nicht auf dem Platz, sagt SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.

Youssoufa Moukoko kann bald für die Profis von Borussia Dortmund spielen. (Bild: Getty Images)
Youssoufa Moukoko kann bald für die Profis von Borussia Dortmund spielen. (Bild: Getty Images)

Am Freitag feiert Youssoufa Moukoko seinen 16. Geburtstag. Ab dann darf er laut extra angepasster DFL-Statuten in der Bundesliga spielen.

Doch genau ab diesem Tag wartet auch sein größter Gegner auf ihn - die höchste Erwartungshaltung der Bundesliga-Geschichte.

Noch nie hat ein Spieler, erst recht kein jugendlicher, auf seinem Weg zum ersten Profi-Einsatz so viele Superlative im Bezug auf sein Talent und seine Fähigkeiten verarbeiten müssen.

Von Weltmeistern wie Bundestrainer Joachim Löw bis zu BVB-Kollegen wie Erling Haaland oder internationalen Superstars - alle schwärmen vom außergewöhnlichen Können des in Kamerun geborenen Mittelstürmers, der als 13-Jähriger in der Dortmunder U17 debütierte und seitdem in 81 Pflichtspielen 137 Tore erzielte.

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In Beiträgen über Moukoko überschlagen sich Jugendtrainer, Wegbegleiter, Gegenspieler mit Lobeshymnen. Der bisher jüngste Bundesligaspieler aller Zeiten, Nuri Sahin, gibt im aktuellen Kicker ein großes Interview - ausschließlich über Moukoko (Überschrift: "Die U19 ist zu einfach für ihn").

Bei allem sagenhaften Talent, aller Jahrhundertqualität, die Moukoko nach Einschätzung vieler Beobachter mitbringt - die größte Prüfung wartet jetzt auf ihn. Neben erfahrenen Top-Verteidigern wie Jérôme Boateng, Dayot Upamecano oder Martin Hinteregger, die dem Hochgelobten sicher ein paar Unterschiede zum Nachwuchsbereich aufzeigen wollen und werden, warten maximale Herausforderungen im Kopf.

Psychische Komponente wird entscheidend bei Moukoko

Die psychische Komponente, die der beispiellose Aufstieg samt Fokus der gesamten Fußballfamilie, von Millionen Fans und Zuschauern bis zu den größten Berateragenturen und Scouting-Verantwortlichen aller internationalen Fußball-Unternehmen, mit sich bringt, ist das vielleicht entscheidende Puzzlestück im möglichen Moukoko-Märchen.

Urteile im gnadenlosen Geschäft, wo auch Moukoko im Grunde wie eine Aktie gesehen wird, werden sehr schnell gefällt, oft zu schnell. So rasch man von Machern und Mitrednern in eine Schublade gesteckt wird, zum Beispiel "Hat es nicht geschafft", so schwer ist der Weg dort wieder hinaus. Und so sehr muss man, fernab jeder sportlichen Qualität, dann dafür auch gemacht sein.

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Nuri Sahin, mittlerweile 32 und in der Türkei bei Antalyaspor unter Vertrag, sagt im Kicker: "Bisher scheint bei Youssoufa nur die Sonne, Regentage hatte er bisher nicht. Aber sie werden kommen."

Man kann nur hoffen, dass das Supertalent dann einen guten Schirm hat. Die richtigen Leute, die ihm helfen. Die mit dem dann 16-Jährigen nicht kommende Millionenverträge diskutieren, sondern ihn beharrlich auf seine Prüfungen vorbereiten. Damit er tatsächlich zum Meister wird - überall auf der Welt.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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