Mourinhos Rückfall in alte Muster

Maximilian Lotz
Sport1

Bescheiden, demütig, höflich - José Mourinho war bei seinem Amtsantritt bei Tottenham Hotspur im November fast nicht mehr wiederzuerkennen.

In der englischen Presse wurde "The Special One" sogar zu "The Humble One". Der Bescheidene.


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Lange hat die neue Charme-Offensive des Portugiesen allerdings nicht angehalten.

Nach nur anderthalb Monaten verfällt Mourinho in altbekannte Verhaltensmuster, die ihm einst seinen berüchtigten Ruf eingebracht haben.

Mourinho: "War unhöflich zu einem Idioten"

Bestes Beispiel war seine kuriose Gelbe Karte am Neujahrstag, nachdem er dem Torwarttrainer des FC Southampton auf den Notizzettel geschaut und ein paar Nettigkeiten ausgetauscht hatte.

"Ich habe sie verdient", meinte Mourinho hinterher über seine Verwarnung: "Ich war unhöflich. Aber ich war unhöflich zu einem Idioten."

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Das klingt dann doch wieder sehr nach "The Special One".

Mourinhos spezieller Umgang mit Verletzungen

Aber nicht nur das. Zuletzt häuften sich bei den Spurs die Verletzungssorgen. Harry Kane fällt mit einem Muskelbündelriss wochenlang aus und über Tanguy Ndombélé sagte Mourinho: "Er ist immer verletzt."

Die Sun erkannte darin eine klassische Eigenschaft Mourinhos, wonach er die Tendenz habe, einigen seiner eigenen Spieler zu unterstellen, dass sie nicht bereit wären, vollen Körpereinsatz zu zeigen.

Das Boulevardblatt listete zudem noch Mourinhos Mangel an Vertrauen in die Jugend als typisches Verhaltensmuster auf.


Spurs seit Weihnachten in Ergebniskrise

Rein sportlich ist nach verheißungsvollem Start mit drei Siegen in den ersten drei Spielen ebenfalls Ernüchterung rund um die Spurs eingetreten.

Seit der 0:2-Heimniederlage gegen den FC Chelsea kurz vor Weihnachten gelang Tottenham in den folgenden vier Spielen nur noch ein Sieg, und zwar ein recht mühsames 2:1 gegen Brighton & Hove Albion am Boxing Day.

Die Aussichten auf eine Trendwende sind düster, schließlich gastiert am Samstag der ungeschlagene Spitzenreiter FC Liverpool an der New White Hart Lane.

Angesichts der Verletzungssorgen - auch Moussa Sissoko fällt wegen einer Knie-OP länger aus - hofft Mourinho noch auf den einen oder anderen Neuzugang im Januar.


Wie läuft es zwischen Levy und Mourinho?

Doch dass Klubboss Daniel Levy eher nicht für ausschweifende Shoppingtouren auf dem Transfermarkt bekannt ist, musste auch Mourinhos Vorgänger Mauricio Pochettino erfahren.

In der Vergangenheit hatte Mourinho stets viel Geld für Transfers zur Verfügung. Bei Tottenham ist das nicht so.

Auch wenn Levy kurz vor Weihnachten in einem seiner seltenen Zeitungsinterviews betonte, dass man die Strategie für die Zukunft komplett miteinander abgestimmt habe: Klar ist, dass mit Mourinho und Levy zwei "Alphamänner" aufeinandertreffen. Und es ist zu bezweifeln, dass Levy von seiner klaren Leitlinie abweicht, mit der er den Klub führt.

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Der Spurs-Boss erklärte zuletzt auch, dass Mourinhos vermeintliche Vorliebe für Defensivfußball ein Missverständnis sei.

Das war positiv gemeint, fällt Mourinho bei Tottenham aber gerade auf die Füße. Denn unter Mourinho sind die Spurs alles andere als ein Bollwerk. In den zwölf Spielen unter seiner Regie setzte es bereits 19 Gegentore, auswärts spielte sein Team nie zu null.

Zumindest in dieser Hinsicht wäre es ratsam, wenn sich Mourinho seiner alten Tugenden besinnen würde.

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