Olympia-Medaillenspiegel: Hinkt Deutschland hinterher?

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Medaillenspiegel: Hinkt Deutschland hinterher?
Medaillenspiegel: Hinkt Deutschland hinterher?

Das lange Warten hat endlich ein Ende: Am vierten Tag der Olympischen Spiele in Tokio holte Slalom-Kanutin Ricarda Funk die erste Goldmedaille für das deutsche Team.

Wenig später waren es dann die Dressur-Reiterinnen um Olympia-Legende Isabell Werth, die noch nachlegten und gleich das zweite deutsche Gold einsammelten.

Davor schon hatte es an den ersten drei Tagen insgesamt drei Bronzemedaillen gegeben.

Und dennoch gab der Blick auf den Medaillenspiegel erst am vierten Tag Anlass zur Freude. Denn für Deutschland, das bei den zurückliegenden Sommerspielen seit der Wiedervereinigung immer mindestens Platz sechs geholt hatte, war die Platzierung an den ersten drei Tagen doch noch recht gewöhnungsbedürftig.

Deutschland zunächst hinter Thailand und Ecuador

Noch hinter Nationen wie Thailand, dem Kosovo und Ecuador lag Schwarz-Rot-Gold um Position 40 herum platziert.

Ein Grund zur Sorge war aber auch dieser Anblick nicht gewesen, zumindest wenn man die Start-Bilanz mit den letzten Spielen in Rio vergleicht. Denn in Brasilien vor fünf Jahren konnten die deutschen Athleten erst am vierten Tag überhaupt ihre erste Medaille feiern – im Vielseitigkeitsreiten.

Nun also steht Deutschland zur gleichen Zeit schon mit zwei Gold- und drei Bronzemedaillen da und belegt im Medaillenspiegel Platz zehn.

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Das ist zwar immer noch nicht das, was bei den vergangenen Spielen am Ende herauskam. Aber die deutschen Sportlerinnen und Sportler haben ja auch noch eine Menge Zeit.

126 Entscheidungen bereits gefallen

Bislang sind an den ersten vier von 16 Wettkampftagen 126 der insgesamt 339 Gold-Medaillen vergeben worden. Zwei davon hat Deutschland geholt.

Rechnet man die Ausbeute linear auf die verbleibenden zwölf Tage hoch, käme man sowohl bei den Gold-Medaillen als auch bei der Gesamtausbeute an Edelmetall zwar lange nicht an den Schnitt der vergangenen vier Spiele heran (14 Goldmedaillen, 44 Medaillen insgesamt).

Aber: Deutschlands Athleten sind schon seit vielen Jahren bekannt dafür, erst im Laufe von Olympischen Spielen zu Goldhamstern zu werden.

Zumal: Auch in Tokio stehen noch viele Wettbewerbe an, bei denen die Deutschen zu den Favoriten zählen: Rudern, Kanu, Springreiten, einzelne Leichtathletik-Disziplinen und Teamsportarten wie Hockey und Handball zählen ebenso dazu wie neuerdings auch wieder einige Schwimmstrecken.

Deutschland: 1976 in Montreal zuletzt unter 40 Medaillen

Und selbst wenn es am Ende erstmals seit 1976 in Montreal weniger als 40 Medaillen (damals nur für die alte Bundesrepublik) werden sollten, wäre das keineswegs ein unerwarteter Tiefschlag.

Zur Erinnerung: Schon vor Beginn der Spiele schloss der Deutsche Olympische Sportbund einen signifikanten Medaillenrückgang in Tokio nicht aus.

„Die internationalen Prognosen weisen eher auf ein schwächeres Abschneiden als in Rio hin“, hatte Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport des DOSB und Chef de Mission in Tokio, im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt.

Olympia 2021: Bis zu zehn Medaillen weniger erwartet

Demnach erwarte Sport-Deutschland acht bis zehn Medaillen weniger als 2016.

Die Prognosen, von denen Schimmelpfennig sprach, wurden vom amerikanischen Daten- und Analysedienst Gracenote ermittelt.

Der errechnete auf Basis von Ergebnissen früherer Olympischer Spiele, Weltmeisterschaften und Weltcups die wahrscheinlichsten Gewinner von Gold, Silber und Bronze.

Der daraus resultierende virtuelle Medaillenspiegel sieht Deutschland am Ende bei 35 Medaillen (13 Gold, 9 Silber, 13 Bronze).

Diese Ausbeute liegt nach den ersten Tagen auf jeden Fall noch im Bereich des Machbaren.

Im Video: Slalom-Kanutin Ricarda Funk holt erstes Olympia-Gold für Deutschland

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