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Nächstes Ferrari-Desaster: "Sehe zwei Jobs in Gefahr"

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Peinlicher geht‘s für Ferrari kaum: Als im Raum hinter dem Podium eine Wiederholung des Rennens gezeigt wird, traut der Zweitplatzierte Lewis Hamilton seinen Augen nicht.

„Sind die echt mit dem harten Reifen gefahren?“, fragt der Brite in Bezug auf Charles Leclerc ungläubig in die Runde. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Die Antwort erstaunt alle Experten im Fahrerlager der Formel 1. Der Monegasse bekommt beim GP Ungarn in Budapest von seinem Team beim zweiten Boxenstopp in Führung liegend die weißen Pneus aufgeschnallt, die schon bei Kevin Magnussens Haas und den Alpine von Esteban Ocon und Fernando Alonso nicht funktionierten.

Ferrari mit nächstem Strategie-Fiasko

Es kommt, wie es kommen muss: Leclerc geht damit gnadenlos baden, ist für WM-Rivale Max Verstappen leichte Beute. Während der Weltmeister - trotz Start vom zehnten Platz und Dreher im Rennen - seinen achten Saisonsieg feiert, rücken Ferraris Titelchancen mit den Plätzen vier für Sainz und sechs für Leclerc in weite Ferne.

Dabei wollte die Scuderia nach dem Frankreich-Desaster am letzten Wochenende vor der Sommerpause zurückschlagen. Stattdessen gibt es das nächste Strategie-Fiasko. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Das Drama in zwei Akten: Als Max Verstappen in Runde 39 zum Boxenstopp kommt, zieht Ferrari mit Leclerc panikmäßig nach. Das Problem: Weil jeder Fahrer zwei verschiedene Reifenkomponenten einsetzen muss, stehen die Italiener vor einem Dilemma. Der Niederländer ist auf weichen Reifen gestartet, kann deshalb am Ende zweimal Medium aufschnallen.

Leclerc fuhr bisher nur mit den Medium-Gummis, muss also noch weiche oder harte Reifen einsetzen. Doch die Distanz bis zum Schluss ist für die weiche Mischung zu lang. Gezwungenermaßen entscheidet sich die Scuderia für hart. Und damit schlittert Leclerc vom Podium. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

„Wir hatten alles unter Kontrolle“, seufzt er. „Ich weiß nicht, warum wir auf hart umgestiegen sind. Ich wollte eigentlich so lange wie möglich auf Medium bleiben.“

Das hat er am Boxenfunk seinem Renningenieur sogar so gesagt. Leclerc: „Mit der Pace war ich happy, aber der letzte Teil des Rennens war ein Desaster. Ich bin kreuz und quer umhergerutscht. Da haben wir das Rennen verloren.“ (Bericht: Vettel furios! Worauf er sich jetzt freut)

Nach seinem Crash in Frankreich hält sich der Ferrari-Star aber mit Schuldzuweisungen zurück: „Natürlich werden wir darüber sprechen, aber das werden wir teamintern tun.“

Schumacher: „Zwei Plätze verschenkt“

Das Gespräch ist bitter nötig, denn der Kommandostand macht den ersten Fehler durch eine Verzweiflungsaktion sogar noch schlimmer: Leclerc wird in der Schlussphase erneut an die Box beordert, bekommt dann zwar endlich weiche Reifen, fällt dadurch aber auch auf Rang sechs zurück.

Sky-Experte Ralf Schumacher: „Der letzte Stopp ist nicht ganz verständlich. Dadurch haben sie nochmal zwei Plätze verschenkt.“

Der Deutsche zählt deshalb erstmals in dieser Saison Teamchef Mattia Binotto an: „Ich sehe die Jobs zweier Leute in Gefahr. Neben Daniels (Ricciardo, McLaren-Pilot; Anm. d. Red.) auch Mattias. Wenn man das Geschenk bekommt, mit Ferrari um die WM fahren zu können, und das so leichtfertig wegwirft, ist das bitter und dürfte schwierig werden.“

Binotto macht auch in den Interviews im Anschluss kein gute Figur. „Es wird noch ein paar Stunden dauern, bis wir begriffen haben, was schiefgelaufen ist“, räumt er ein und schiebt die Schuld aufs Auto. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

„Egal auf welchen Reifen, die Performance unseres Autos war nicht wie erwartet. Wenn das Auto nicht gut läuft, ist es nun mal schwierig, die richtige Pace zu haben und die Positionen auf der Strecke zu halten“, sagt er.

Selbstkritik? Fehlanzeige! Binotto redet die Pannen-Saison schön: „Wir haben zuletzt in Frankreich die richtige Strategie gehabt, in Österreich auch, also meistens liegen wir richtig. Manchmal machen wir Fehler, aber die machen die anderen auch, da wird nur nicht so genau hingeschaut.“

Luft wird dünner für Ferrari-Chef

Ex-Formel-1-Pilot Johnny Herbert kann darüber nur den Kopf schütteln: „Das Ergebnis ist peinlich, wenn du so ein schnelles Auto hast und alles gewinnen könntest. So kann es nicht weitergehen. Ferrari hat unter Druck wieder falsch reagiert“, betont der Brite und fordert: „Sie müssen sie jetzt die richtigen Leute holen, um das zu machen, was Red Bull und Mercedes machen.“

Die Luft wird dünner für Binotto. 80 Punkte Rückstand hat Leclerc in der Fahrer-WM. Bei den Konstrukteuren fehlen dem Traditionsteam aus Maranello bereits 97 Zähler.

Mit 30 Punkten Rückstand lauert auf Platz drei schon Mercedes. „Unser Team ist großartig und ich unterstütze sie, weil ich ihnen vertraue“, säuselt der Italiener angesichts des Ungarn-Desasters und der gnadenlos ehrlichen WM-Tabelle.

Bleibt die Frage: Wie lange vertraut Ferrari noch seinem Teamchef?

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