Japan fordert korrekte Schreibweise japanischer Namen - und wird weitgehend ignoriert

Johannes GieslerFreier Autor
Yahoo Nachrichten Deutschland

In einem Regierungsbeschluss legt das Kabinett um Shinzo Abe, Premierminister Japans, fest: Alle Namen sollen künftig traditionell japanisch geschrieben werden. Zuerst der Nachname, dann der Vorname.

Shinzo Abe oder Abe Shinzo, wie die offizielle japanische Schreibweise mittlerweile lautet, wollte bislang trotz der Coronavirus-Pandemie an den Olympischen Sommerspielen in seinem Land festhalten. Jetzt hat er sich aber zu einer Verschiebung durchgerungen. (Bild: Yoshitaka Sugawara/Kyodo News/AP/dpa)
Shinzo Abe oder Abe Shinzo, wie die offizielle japanische Schreibweise mittlerweile lautet, wollte bislang trotz der Coronavirus-Pandemie an den Olympischen Sommerspielen in seinem Land festhalten. Jetzt hat er sich aber zu einer Verschiebung durchgerungen. (Bild: Yoshitaka Sugawara/Kyodo News/AP/dpa)

Der Regierungschef Japans, Shinzo Abe, heißt jetzt Abe Shinzo. Das ist die traditionelle Schreibweise: zuerst der Familienname, dann der Rufname. Diese Tradition wurde laut CNN für eine internationale Öffnung des Landes während der Meiji-Periode, die begann im Jahr 1868, geändert und die Schreibweise japanischer Namen an den Westen angepasst: Rufname vor Familienname, eben wie bei uns als Vor- und Nachname. Seit rund 20 Jahren versucht Japan aber bereits, diese Änderung zurückzuändern.

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Im September vergangenen Jahres fand ein großer Vorstoß dazu statt. Da hat das Kabinett um Shinzo Abe, beziehungsweise Abe Shinzo, beschlossen, dass künftig in allen offiziellen und in Fremdsprachen verfassten Dokumenten die Reihenfolge von Vorname und Nachname geändert werden soll.

Japaner sind an die westliche Schreibweise gewöhnt

Der japanische Erziehungsminister Masahiko Shibayama nannte laut Zeit damals als Begründung: “In einer globalisierten Welt ist es zunehmend wichtig geworden, sich der Vielfalt von Sprachen, die Menschen besitzen, bewusst zu werden.”

Im gleichen Atemzug wurden auch internationale Medien gebeten, in Berichten über Japan zur traditionellen Schreibweise der Namen zurückzukehren – die japanische Regierung verfährt in ihren eigenen Dokumenten so seit dem 1. Januar 2020. Doch noch immer tun sich nicht nur ausländische Medien schwer mit der Änderung, auch japanische Frauen und Männer haben sich an die westliche Schreibweise gewöhnt.

Japan nimmt sich selbst “auf die Schippe”

Tatsächlich ging Japan mit seiner Anpassung an den Westen vor über 100 Jahren als einziges asiatisches Land diesen Schritt. Was dazu führte, dass es in heutigen internationalen Berichten über China oder etwa Südkorea normal ist, zuerst den Familiennamen zu nennen und danach den Vornamen. Der chinesische Präsident heißt in deutscher Sprache Xi Jinping, Südkoreas Präsident Moon Jae-in. Rufname nach Familienname.

Unter Kaiser Meiji wandte sich Japan dem Westen zu und wollte sich zugleich von den Nachbarländern abgrenzen (Bild: Getty Images)
Unter Kaiser Meiji wandte sich Japan dem Westen zu und wollte sich zugleich von den Nachbarländern abgrenzen (Bild: Getty Images)

Japan nehme sich mit der aktuellen Rückbesinnung auf die traditionelle Schreibweise der Namen selbst “auf die Schippe”, sagt Jeff Kingston, der zu asiatischen Kulturen an der Tempel-Universität in Tokio forscht, im Gespräch mit CNN. Früher habe sich Japan auf diese Weise von seinen Nachbarländern distanzieren wollen, um nicht mit ihnen verwechselt zu werden. Heute hingegen wolle das Land vom Westen gleich behandelt werden.

Abe Shinzo bleibt zumeist Shinzo Abe

Bis heute gibt es keine merkliche Anpassung außerhalb Japans. Die Presseagentur Associated Press schreibt: “Wir haben weder eine Anfrage dazu bekommen, noch gibt es derzeit Pläne, den lange bestehenden und akzeptierten Stil zu ändern.” Auch der britische Guardian schreibt Ähnliches: “Wir folgen weiterhin der Regel Vorname vor Nachname. Wie bei allen Schreibweisen werden wir auch diese im Laufe der Zeit beobachten und regelmäßig überprüfen.”

Die Presseagentur Reuters weiß um die Bitte von offizieller japanischer Seite: “Nach wie vor ist in Japan aber im privaten Sektor und in der Wirtschaft die uns etablierte Schreibweise verbreiteter und unseren internationalen Lesern und Leserinnen vertrauter.”

Auch in Deutschland bleibt die westliche und gewohnte Schreibweise bestehen: Auf Wikipedia, genauso wie auf der Webseite der japanischen Botschaft in Berlin und den großen Leitmedien des Landes, heißt der japanische Premierminister noch und wohl auch noch eine ganze Weile: Shinzo Abe.

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