Nach Wiederbelebung: Ist die lebenslange Haft damit verbüßt?

Johannes GieslerFreier Autor
Trotz Patientenverfügungn belebten Ärzte einen zum Tode Verurteilten fünfmal. Stellt sich die Frage: Hat er damit seine Straße abgesessen? Foto: Symbolbild / gettyimages / Goodboy Picture Company
Trotz Patientenverfügungn belebten Ärzte einen zum Tode Verurteilten fünfmal. Stellt sich die Frage: Hat er damit seine Straße abgesessen? Foto: Symbolbild / gettyimages / Goodboy Picture Company

Ein Mörder sitzt seine lebenslange Haft in einem US-Gefängnis ab. Bis ein Nierenstein eine Blutvergiftung verursacht und er im Krankenhaus fünfmal wiederbelebt werden muss. Hat er damit seine Haft abgesessen?

Ein verurteilter Mörder wurde im Jahr 2015 vom Staatsgefängnis in Fort Madison, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Iowa, ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht. Ein Nierenstein hatte eine Sepsis ausgelöst, der Inhaftierte lag im Sterben. Fünfmal wurde er wiederbelebt. Mittlerweile ist er wieder wohlauf. Damit habe er aber, so argumentiert der Mann laut „CNN“ seitdem, seine lebenslange Strafe verbüßt. In einem Antrag habe er demnach geschrieben: Da er im Krankenhaus vorübergehend gestorben sei, habe er seine Strafe abgesessen und befände sich seit der Wiederbelebung illegal hinter Gittern. Er solle sofort entlassen werden.  

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Berufung: abgelehnt

Sein Fall wurde im April vergangenen Jahres vor dem zuständigen Landgericht verhandelt. Der Inhaftierte argumentiert damals: „Meine Verurteilung lautete lebenslang. Nicht lebenslang plus einen Tag.“ Das Gericht wies die Klage mit der Begründung ab, sie sei „nicht überzeugend und unbegründet“.

Der Mann legte daraufhin Berufung ein. Das Urteil wurde am vergangenen Mittwoch verkündet. Laut der regionalen Tageszeitung „Des Moines Register“ bestätigte das Berufungsgericht die erste Instanz folgendermaßen: Erst wenn ein Gerichtsmediziner den Tod des Mannes festgestellt hätte, wäre auch seine Strafe beendet. Richterin Amanda Potterfield schrieb dazu in der Urteilsbegründung: „Der Kläger ist entweder noch am Leben, dann muss er seine Haft im Gefängnis verbüßen. Oder er ist tatsächlich verstorben und der Fall hinfällig.“

Der verurteilte Mörder hatte aber noch einen zweiten Klagepunkt vorgebracht. Zwischen Inhaftierung und Krankenhausaufenthalt hatte er eine Patientenverfügung unterzeichnet: nicht wiederbeleben. Als er 2015 mit der Sepsis eingeliefert wurde, war er, Des Moines Register bezieht sich in der Berichterstattung auf die Krankenhausakten, nicht bei Bewusstsein. Die behandelnden Ärzte kontaktierten daraufhin den Bruder. Seine dokumentierte Aussage: „Wenn er Schmerzen hat, könnt ihr ihm etwas dagegen geben. Ansonsten lasst ihn gehen.“

Bürokratie lässt eine Verhandlung nicht zu

Trotzdem leitete das medizinische Personal die Wiederbelebung ein. Es legte Venenzugänge und gab Flüssigkeiten, um den Bewusstlosen zu stabilisieren. In der Folge führten die Ärzte noch eine Operation durch, um die Schäden durch den Nierenstein zu beheben. Das alles aber wollte der Inhaftierte nicht.

Laut dem „Stern“, der hierzulande zuerst berichtet hat, wies Richterin Potterfield auch diesen Klagepunkt ab. Aus einem einfachen wie bürokratischen Grund: Das Berufungsgericht kann sich in seinem Urteil nur auf die erste Instanz beziehen. Weil aber vor dem Landgericht damals die angebliche Verletzung der Patientenverfügung nicht vorgebracht worden war, kann diese in der Berufung nicht zum Gegenstand der Verhandlung werden. Ob der Inhaftierte eine weitere Klage anstrebt, ist bislang nicht bekannt. Sein Anwalt hat sich noch nicht geäußert.  

Lesen Sie auch