Der Nacktjubler hört auf

Der Nacktjubler hört auf
Der Nacktjubler hört auf

Er prügelte live im TV auf einen Konkurrenten ein, schubste Maskottchen umher und verlor als „Nacktjubler“ einen großen Titel - wegen all seiner Eskapaden erlangte Mahiedine Mekhissi traurige Berühmtheit.

Nun hat der Hindernisläufer aus Frankreich, der bei großen Meisterschaften zehn Medaillen holte, seine Karriere beendet.

„Ich höre auf, weil die Lust nicht mehr da ist. Es macht mir keinen Spaß mehr, zum Training zu gehen“, sagte Mekhissi der L‘Equipe: „Ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit war, aufzuhören.“

Nacktjubel bei EM in Zürich sorgte für Aufsehen

Sportlich war Mekhissi über Jahre der Schrecken der dominierenden Kenianer. Er holte drei Olympiamedaillen, war zweimal WM-Dritter, gewann fünf EM-Titel - doch Freunde in der Szene hatte der 37-Jährige kaum. In Erinnerung bleibt Mekhissi vor allem für seinen „Nacktjubel“ bei der EM 2014 in Zürich.

Mit klarem Vorsprung rannte er damals als Erster ins Ziel, wurde jedoch nachträglich disqualifiziert, weil er sich bereits auf der Zielgeraden sein Trikot vom Leib gerissen hatte. Er nahm das Trikot in den Mund, übersprang so das letzte Hindernis und überquerte mit nacktem Oberkörper die Ziellinie. Kopfschütteln bei den Kollegen. Drei Tage später holte Mekhissi Gold über 1500 m.

Mekhissi schubste Mädchen um

Drei Jahre zuvor gerieten Mekhissi und sein Landsmann Mehdi Baala beim Diamond-League-Meeting in Monaco aneinander. Aus einer hitzigen Debatte wurde ein veritabler Faustkampf, der live in Dutzende Länder übertragen wurde. Für beide Streithähne gab es je zehn Monate Sperre, 1500 Euro Geldstrafe und 50 Stunden Sozialarbeit.

Mekhissi legte sich vor allem auch mit Maskottchen an. „Appy“ wollte ihm bei der EM 2012 nach dem Sieg im Ziel eine Geschenk-Tüte überreichen. Der Franzose schlug dem freundlichen Gratulanten den Beutel aus den Händen und stieß „Appy“ mit beiden Händen um.

Dass im Kostüm ein 14-jähriges Mädchen steckte, machte die Aktion nicht sympathischer - zumal der Übeltäter auf eine Entschuldigung verzichtete. Zwei Jahre zuvor hatte Mekhissi „Barni“, das Maskottchen der EM 2010 in Barcelona, erst auf die Knie gezwungen und dann zu Boden geschubst. Nun ist er Geschichte.