Warum Nagelsmann gerade jetzt die Alarmglocke läutet

Maximilian Schwoch
Sport1

Bei Julian Nagelsmann schrillen die Alarmglocken.

Der Trainer von RB Leipzig redet nach der 0:2-Niederlage seiner Mannschaft bei Eintracht Frankfurt Klartext. "Wir sind vielleicht kurz vor dem Gipfel. Und die Frage ist halt, die wir uns stellen müssen: Wollen wir ans Gipfelkreuz oder wollen wir da parken und ein bisschen was essen, ein bisschen was trinken und dann wieder runtergehen?", erklärte Nagelsmann bei Sky.


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Die Bullen zeigten bei der Eintracht eine der schwächsten Leistungen in der laufenden Bundesliga-Saison. Auch in der Woche zuvor, beim 3:1-Sieg gegen Union Berlin, hatte der Tabellenführer der Bundesliga erst nach dem Seitenwechsel aufgedreht. Während der FC Bayern München als erster Verfolger nahezu optimal aus der Winterpause gekommen ist, kommt die Maschinerie bei den Sachsen nur schwer in Gang.

Nagelsmann kritisiert Team nicht zum ersten Mal

Die Niederlage bei der Eintracht war die erste seit dem 1:2 Ende Oktober beim SC Freiburg. Acht der neun Spiele seitdem gewann RB, erzielte dabei jeweils immer mindestens drei Treffer. Gegen Frankfurt stand zum ersten Mal in dieser Saison vorne die Null.

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Zur Erinnerung: Schon nach der Niederlage in Freiburg am 9. Spieltag als Fortsetzung eines eher mäßigen Saisonstarts hatte sich Nagelsmann kritisch über die Leistung seines Teams geäußert. "Das ist alles deutlich zu wenig", hatte Nagelsmann moniert. Die damalige Kritik fruchtete: Leipzig fegte im folgenden Spiel den FSV Mainz 05 mit 8:0 aus der heimischen Arena und startete einen Lauf, der RB bis zur Herbstmeisterschaft führte.

Ist der erneute Nagelsmann-Ausbruch also einfach nur ein Reflex, um seine Profis nach einer Niederlage wieder in die Spur zu bringen? Die Gemengelage scheint diesmal eine andere zu sein.

Das Spiel in Frankfurt an sich stimmte den Trainer gar nicht so wütend, wie es seine Aussagen nach dem Spiel vermuten ließen. "Da geht es mir gar nicht zwingend immer nur ums Spiel, da sind die Jungs total engagiert. Auch heute kann man jetzt nicht sagen, dass sie keinen Bock hatten oder nicht alles versucht haben, aber es geht um das Training", erklärte Nagelsmann.


Vielmehr habe ihm die Trainingsleistung seiner Mannschaft zuvor nicht gefallen. "Wir haben nicht so viel Trainingszeit. Und ich finde, dass wir sie manchmal deutlich zu unengagiert und zu wenig nutzen", erklärte er. Das Ziel müsse sein, die Trainingszeit sogar ein bisschen besser als Bayern, der BVB, Borussia Mönchengladbach oder der FC Schalke 04 zu nutzen. Leipzig sei aktuell nicht auf einem Niveau mit Bayern oder Dortmund.

Leipzig-Trainer moniert Trainingsleistung

Als Beispiel führte er das Training am Mittwoch an. "Am Mittwoch war die Entscheidung: 'Es ist ganz nett, was wir bis jetzt gemacht haben.' Die Entscheidung am Mittwoch war nicht: 'Ich gehe raus, brenne und will Deutscher Meister werden.'"

Die Einstellung seiner Mannschaft unter der Woche passt dem 32-Jährigen nicht. Dass einige Spiele keine 24-Stunden vor dem Frankfurt-Spiel Starfriseur Sheldon Edwards ins Teamhotel einfliegen ließen, dürfte dem Trainer ebenfalls nicht gefallen haben.

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Nagelsmann erklärte, dass er auch die letzten Prozentpunkte aus seiner jungen Mannschaft herauskitzeln will. Mutet er seiner Mannschaft nicht vielleicht sogar zu viel zu? "Er ist immer noch ein junger Trainer. Ich verstehe ihn und seinen Ehrgeiz, aber es kann sein, dass er jetzt schon ein bisschen zu viel verlangt", erklärte SPORT1-Expert Marcel Reif im CHECK 24 Doppelpass.


Jörg Schmadtke findet die Nagelsmann-Aussagen spannend, weil sie den Kern treffen. "Wenn man eine junge Mannschaft hat, dann geht es darum, ob man bereit ist, sich in allen Bereichen weiterentwickeln zu wollen. Er stellt ein kleines Fragezeichen dahin, ob alle bereit sind, alle Schritte zu gehen", sagte der Geschäftsführer Sport des VfL Wolfsburg in der gleichen Sendung.

Wichtige Wochen Leipzig

Doch in den kommenden Wochen wird es auf jeden Schritt ankommen, denn in den nächsten 14 Tagen können die Sachsen nahezu jede nationale Titelchance verspielen. Am kommenden Wochenende steht das Duell mit dem Drittplatzierten Gladbach an, am Sonntag darauf muss die Nagelsmann-Elf bei den Bayern in der Allianz Arena antreten. Dazwischen liegt das DFB-Pokal-Achtelfinale, in dem die Bullen erneut in Frankfurt spielen. (DFB-Pokal: Eintracht Frankfurt – RB Leipzig, 4. Februar 18.30 Uhr LIVE im TV und STREAM)


Im schlimmsten Fall stünden nach diesen zwei Wochen das Aus im Pokal und fünf Punkte Rückstand auf die Bayern zu Buche. Ein Horrorszenario, das Nagelsmann unbedingt verhindern will. Deshalb appelliert er an seine Spieler, sich im Training zu zerreißen. Dass er dabei den Weg der öffentlichen Kritik wählt, kann Reif nachvollziehen. 

"Bei einer jungen Mannschaft kann man so an die Öffentlichkeit gehen, wenn das einer mit einem Lewandowski macht, explodiert hier der ganze Laden", urteilte er.

Ende Oktober hat das öffentliche Wachrütteln funktioniert. Den gleichen Effekt erhofft sich Nagelsmann auch diesmal. Sonst sind Leipzigs Titelchancen womöglich schon bald dahin.

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