Was NBA-Stars den Fußballern voraus haben

Eric Böhm
Sport1

Das Coronavirus bedroht weltweit Existenzen.

Dabei geht es neben der reinen Krankheit und der Eindämmung der Pandemie aber auch um finanzielles Überleben für viele Menschen, die von den zahlreichen Absagen der Großveranstaltungen betroffen sind.

Die Krisensituation ist aber auch eine Chance, Solidarität zu zeigen - nicht zuletzt in der Sportwelt. Diesbezüglich gibt die NBA aktuell ein strahlendes Bild ab, von dem vor allem auch Fußball-Stars hierzulande und in Europa lernen können und vielleicht sogar sollten.

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NBA-Stars spenden an Mitarbeiter

Diverse NBA-Stars haben bereits sechsstellige Summen versprochen, um Mitarbeitern ihrer Teams und in den Arenen zu helfen.

"Das ist größer als Basketball. Ich möchte einfach Leuten helfen, die mir, meiner Familie und Teamkollegen das Leben erleichtern", twitterte beispielsweise MVP Giannis Antetokounmpo.

Während hierzulande noch über Geisterspiele und TV-Millionen diskutiert wurde, ergriffen die NBA-Stars in den USA bereits die Initiative. Warum ist das so?


SPORT1 zieht einen Solidaritäts-Vergleich zwischen NBA und Fußball.

Natürlich muss man bedenken, dass in den Vereinigten Staaten eine ganz andere Unternehmens- und Gesellschaftskultur herrscht. Die Spendenbereitschaft ist grundsätzlich höher, außerdem gibt es dort andere Arbeitsverhältnisse - speziell in den Arenen oder Stadien.

Dort werden Arbeitskräfte nur nach geleisteten Stunden bezahlt. Gibt es keine Spiele, gibt es kein Geld. Das ist in den USA ohne ein soziales Netz wie in Deutschland extrem schwierig.

Gobert spendet halbe Million

Dazu kommt, dass es eben keine allgemeine Krankenversicherung für alle Bürger gibt. Die Aussetzung der NBA-Saison trifft die Arena-Mitarbeiter also am härtesten.

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Deshalb entschlossen sich Antetokounmpo, Kevin Love, Blake Griffin und Co. sofort jeweils Beträge um die 100.000 Dollar zu spenden. Der selbst mit Corona infizierte Franzose Rudy Gobert verteilte sogar 500.000 Dollar an verschiedene Organisationen.

Rookie-Phänomen Zion Williamson kündigte an, die Gehälter aller Mitarbeiter der Arena der New Orleans Pelicans für 30 Tage komplett zu übernehmen.

Schweigen in der Bundesliga

In der Bundesliga herrscht dagegen momentan an dieser Front Stille. Dabei wird so gerne die große gesellschaftliche und integrative Bedeutung des Fußballs betont.


Etwa 55.000 Angestellte arbeiten im Umfeld des Profifußballs - von den externen Mitarbeiten an Spieltagen ganz zu schweigen, da könnte der hochbezahlte Teil der rund 900 Profis – oder ihre Berater - in sich hineinhorchen, wahrscheinlich ist, dass die Rufe nach einem Solidarbeitrag bald kommen werden.

"Aus der Sportwelt erreichen uns solche Meldungen, dass reiche Sportler sehr viel Geld spenden oder Unterstützung zusagen. Das ist aus meiner Sicht, nur weil sie viel Geld haben, keine Selbstverständlichkeit", sagt Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke in der FAZ. Einen Gehaltsverzicht, um Mitarbeitern zu helfen, dürfe man von Bundesliga-Profis aber nicht automatisch erwarten.

Lukas Klostermann von RB Leipzig fragte zumindest seine Follower bei Instagram nach Corona-Charitys.

NBA mit Vorreiterrolle

Die NBA nimmt eine Vorreiterrolle ein, kann es sich allerdings auch leisten. Es ist die Sportliga mit den mit Abstand meisten Millionären.


Aktuell gibt es 63 Spieler mit einem Durchschnittsgehalt von über 20 Millionen Dollar, insgesamt 137 Profis bekommen ein zweistelliges Millionengehalt. Damian Lillard hat als Topverdiener im Schnitt 49 Millionen pro Jahr. Bei diesen Zahlen stinken nicht nur Bundesliga- und Premier-League-Stars ab, auch die weltweit erfolgreichste Sportliga, die NFL, kann da nicht mithalten.

In der NFL gibt es gerade einmal fünf Nicht-Quarterbacks mit mindestens 20 Millionen pro Jahr, zudem ist im Football nicht der komplette Vertrag garantiert. Spielmacher Russell Wilson ist der Topverdiener - von seinem 140-Millionen-Deal über vier Jahre ist ihn nur die Hälfte sicher.

NFL-Stars mit weniger Geld

In der NFL spielen etwa 60 Prozent der Profis für das Minimum oder kaum mehr in der Größenordnung von 500.000 Dollar pro Saison. Da würden sechsstellige Spendenbeträge sehr weh tun.

Der Vorstoß der NBA-Stars ist ein großartiges Signal, denn sie könnten sich ja ähnlich wie Europas Fußballprofis in ihrem Elfenbeinturm von der Krise abschotten.

Stattdessen nehmen sie ihre soziale Verantwortung als Vorbilder eindrucksvoll wahr. Mavericks-Eigentümer Mark Cuban hat angekündigt, die Mitarbeiter so zu bezahlen, als würden die Spiele stattfinden.

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Cuban weist auf Probleme hin

Cuban wies aber auch auf die Schwierigkeiten der Teams als Unternehmen hin: "Da geht es um Gehälter, und Steuern. Muss man als Eigner dann Steuern zahlen, wenn die Spiele gar nicht stattfinden, zahlt man doppelt, wenn im Juni wieder gespielt wird? Mir persönlich ist das egal, aber den Luxus hat ja nicht jedes Team."

Es gibt auch Eigentümer, die Profiteams in verschiedenen Sportarten haben und somit auch deutlich mehr Kosten. Zudem sind Arbeitskräfte, die Getränke und Snacks verkaufen meist nicht bei Team oder Arena beschäftigt, sondern bei einem externen Unternehmen.

Um sie sorgte sich beispielsweise Brooklyns Guard Spencer Dinwiddie, woraufhin Nets-Eigentümer Joe Tsai einen Plan ankündigte.

Hummels und Co.: Beispiel an der NBA nehmen?

Die Eigner, Spieler und Coaches der Golden State Warriors haben einen Hilfsfonds über eine Million Dollar für die Mitarbeiter eingerichtet.

Eine proaktive Initiative nach Vorbild der NBA-Stars würde den Hummels', Lewandowskis oder Cans hierzulande gut zu Gesicht stehen.

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