Der Moment, der die NBA erschütterte

SPORT1
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Der Moment, der die NBA erschütterte
Der Moment, der die NBA erschütterte

Der Mensch verdrängt ja gern - umso mehr, wenn denn alles so läuft, wie es soll:

Und so gibt es momentan recht wenig zu kritisieren an der auf vollen Touren laufenden NBA-Saison - in weiten Teilen kann beim Spielbetrieb der besten Basketball-Liga der Welt sogar fast schon von Normalität gesprochen werden, Corona hin, Pandemie her.

Zwar gibt es einige Spielabsagen wegen positiver Tests, trotzdem ging sogar das All-Star Game am vergangenen Wochenende über die Bühne - und manche Teams dürfen obendrein wieder vor Fans spielen. (SERVICE: Der Spielplan der NBA-Saison 2020/21)

Vor genau einem Jahr war das noch undenkbar - die NBA-Welt war geschockt und stand von heute auf morgen komplett still. Mehr als vier Monate war die komplette Liga im vergangenen Jahr wegen des Virus' lahmgelegt. Auslöser war eine der wohl geschichtsträchtigsten Pressekonferenzen in der NBA-Geschichte.

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Gobert leistet sich Corona-Eklat

Die Rede ist von Rudy Goberts unrühmlichem Auftritt im Anschluss an eine Medienrunde am 9. März 2020. (SERVICE: Die Tabellen der NBA)

Rückblende: Der Center der Utah Jazz berührt an diesem Tag demonstrativ alle Mikrofone und Aufnahmegeräte der Journalisten, um auf die aus seiner Sicht übertriebene Vorsicht im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus hinzuweisen.

Später verraten Mitspieler den US-Medien, dass der französische All-Star ein ähnliches Verhalten auch in der Mannschaftskabine an den Tag gelegt hat. So verteilt Gobert trotz aller Warnungen weiter Handshakes und High-Fives an seine Mitspieler.

Daher kommt es auch nicht von ungefähr, dass nur wenig später Utahs Shooting Guard Donovan Mitchell infiziert ist. Gobert selbst hat es da bereits erwischt - als erster an COVID-19 erkrankter Profi und öffentlicher Buhmann geht er in die Geschichte ein, das PK-Video ist zu diesem Zeitpunkt schon längst ein viraler Hit.

NBA-Saison wegen Corona vier Monate unterbrochen

Am 11. März wird wegen Goberts Corona-Infektion kurz vor Tip-off das Spiel zwischen Utah und OKC abgesagt - es ist der Moment, in dem in der NBA der Spielbetrieb in sich zusammenbricht.

Es folgt eine Zwangspause, die zunächst mindestens 30 Tage andauern soll. "Als wir den Spielbetrieb einstellten, dachte ich an eine 30-tägige Pause, und dass wir dann eine Reihe von Maßnahmen und Protokollen haben würden, damit wir weitermachen können", erinnert sich NBA-Boss Adam Silver heute bei ESPN: "So wenig wusste ich damals am 11. März."

Am Ende sollte sich die Zwangspause über vier Monate sogar bis Ende Juli erstrecken.

Ein solches Fiasko hätte womöglich auch eine anderweitige Infektionskette ausgelöst - der Name Gobert stand durch dessen Eklat aber Pate für Schuldzuweisungen und Anklage.

Gobert entschuldigt sich emotional

Immerhin: Nachdem der 28-Jährige von seinem positiven Test-Ergebnis erfährt, wird ihm Tragweite seines Fehlverhaltens bewusst, entschuldigt er sich emotional und öffentlich.

"Ich habe so viele Emotionen durchlebt, seit ich von meiner Diagnose erfahren habe... meistens Angst, Besorgnis und Verlegenheit", schreibt der NBA-Star damals: "Die erste und wichtigste Sache ist, dass ich mich öffentlich bei den Menschen entschuldigen möchte, die ich möglicherweise gefährdet habe. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, dass ich überhaupt infiziert war. Ich war unvorsichtig, was nicht zu entschuldigen ist."

Gobert ruft seine Fans auch dazu auf, es besser zu machen. "Ich hoffe, meine Geschichte dient als Warnung und veranlasst alle, dies ernst zu nehmen", erklärt er und verspricht: "Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um mit meiner Erfahrung andere aufzuklären und die Verbreitung dieses Virus zu verhindern."

Eine Lehre fürs Leben dürfte ihm sein Eklat in jedem Fall gewesen sein, auch wenn wir heute wissen, dass die Verbreitung des Virus nicht aufgehalten werden konnte.

Dennoch, so sieht es NBA-Boss Silver, gab es durch Gobert und den folgenden Kollaps der Liga eine wichtige Signalwirkung, auch für die Menschen in den USA.

"Die Spiele abzusagen hat jeden aufgerüttelt", sagt er heute rückblickend: "Leute sagen immer noch zu mir: 'Ich habe es nicht ernst genommen, bis ich gehört habe, dass ihr die Saison abbrecht. Wenn die nicht weiterspielen, muss dieses Ding wirklich ein Problem sein.'"