Droht in Monaco völliges Chaos?

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Droht in Monaco völliges Chaos?
Droht in Monaco völliges Chaos?

Mick Schumacher (23) kann ein Lied davon singen. Beim Qualifying in Saudi-Arabien fuhr er etwas zu hart über den Randstein, verlor das Heck seines Haas-Ferrari und krachte brutal in die Mauer.

Ergebnis: Das Auto war ein Totalschaden, er musste Krankenhaus zum Gesundheitscheck. Dort wurden zwar keine Verletzungen festgestellt, aber das Rennen am Sonntag war für den Sohn des deutschen Rekordweltmeisters beendet.

Haas hatte nicht genügend Ersatzteile dabei, um das Auto für den GP am Sonntag wieder aufzubauen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Mick Schumacher: „Hohe Gewicht ist das Problem“

Schumacher ist sich sicher, dass der Unfall mit dem neuen Fahrzeugreglement zu tun hat, das die Formel 1 für 2022 festgelegt hat.

Etwa 20 Prozent der Aerodynamik wurden gekappt, die Wagen haben dadurch weniger Haftung vor allem in langsamen und mittelschnellen Kurven. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Soll heißen: Die Boliden der 22er Generation reagieren giftiger im Grenzbereich und sind kaum noch abzufangen, wenn sie einmal ins Rutschen kommen.

„Das hohe Gewicht ist das Problem“, so Schumacher, „da wirken extreme Kräfte, wenn die mal in die falsche Richtung gehen, sind sie kaum noch zu kontrollieren.“

Ralf Schumacher: „Macht die Autos schwerer zu beherrschen“

Hintergrund: Das Mindestgewicht der Autos wurde für dieses Jahr auf 798 Kilogramm erhöht. Das sind fast 50 Kilogramm mehr als in den Jahren zuvor.

Dazu kommen laut Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher (46) die in dieser Saison erstmals benutzten 18-Zoll-Reifen von Pirelli, welche die 13-Zoll-Pneus des italienischen Monopolisten abgelöst haben.

Schumacher zu SPORT1: „Die größeren Reifen reagieren ganz anders, scheinen ein kleineres Fenster am Limit zu haben. Das - zusammen mit dem höheren Gewicht - macht die Autos schwerer zu beherrschen. Mit der Konsequenz, dass wir mehr Ausrutscher und Unfälle sehen werden. Bei den ersten drei Rennwochenenden war das schon zu beobachten.“

In der Tat: Selbst Ausnahmekönner wie Superstar Lewis Hamilton oder Weltmeister Max Verstappen fahren häufiger jenseits der Ideallinie als zuvor.

Zwei Unfälle: Vettel gibt Fehler in Australien zu

Und der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel (34) hatte bei seinem Comeback-Wochenende in Melbourne gleich zwei Unfälle: Im Training am Samstag und im Rennen am Sonntag versenkte er seinen Aston Martin in der Mauer.

„Es waren meine Fehler, ich konnte das Auto nicht mehr einfangen“, gab der Heppenheimer zu. Zwei Unfälle an einem Wochenende - das war Vettel vorher noch nicht passiert.

Allein: Der Nebeneffekt war so von den Formel-1-Machern nicht geplant. Sie änderten die Regeln, damit der hinterherfahrende Pilot dichter aufschließen und so besser überholen kann. Die reduzierte Aerodynamik sorgt für weniger Luftverwirbelungen.

Was sie nicht ahnten: Reines Fahrtalent wird ebenso belohnt.

Surer: Darum ist Leclerc schneller als Sainz

Besonders bei Ferrari scheinen die giftigen Autos der 22-Generation den Spreu vom Weizen zu trennen. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

So analysiert Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer bei SPORT1: „In der letzten Saison war Carlos Sainz sogar etwas besser als Teamkollege Charles Leclerc. Aber der Ferrari 2021 war im Vergleich zum diesjährigen Auto einfach zu fahren. Dieses Jahr setzt sich Leclerc klar durch. Das liegt daran, dass der Ferrari am Limit schwerer zu beherrschen ist. Da setzt sich das besondere Talent Leclercs durch.“

Die Zahlen geben der These des Schweizers recht: Leclerc war im Qualifying dreimal schneller als der Spanier und dominierte auch mit zwei Siegen und einem zweiten Platz die Rennen.

Lewis Hamilton im Nachteil gegenüber Russell?

Sainz konnte mit dem Ferrari, der im Moment als bestes Auto im Feld gilt, zwar zweimal aufs Podium fahren - er schied in Melbourne aber auch wegen eines Unfalls aus.

Selbstkritisch gibt der Spanier deshalb zu: „Charles fährt seht gut und hat das Auto sehr gut verstanden, wie er sagt. Und er stellt damit großartige Dinge an.“

Surer sieht derzeit auch bei Mercedes einen Vorteil für Newcomer George Russell gegenüber Platzhirsch Lewis Hamilton: „Das liegt aber daran, dass Russell es durch seine Zeit bei Williams gewohnt ist, schwierig fahrende Autos zu bändigen, während Lewis zuletzt immer perfekte Wagen hatte. Ich bin mal gespannt, wie das Kräfteverhältnis aussehen wird, wenn sich Hamilton auf das Fahrverhalten der neuen Autos eingestellt hat.“

Dreher in Imola - Chaos in Monaco?

Fest steht: Auch beim nächsten Rennen in Imola am kommenden Wochenende wird es wieder mehr Dreher und Ausflüge ins Kiesbett geben. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Aber richtig spannend wird es erst beim Monaco-GP Ende Mai. Denn auf dem engen Stadtkurs am Mittelmeer ist die Crashgefahr sowieso erhöht. Mit den neuen Autos noch mehr.

McLaren-Pilot Daniel Ricciardo erklärt: „Nicht nur die Autos sind schwieriger zu fahren, durch die größeren Reifen ist unser Sichtfeld nach vorne etwas eingeschränkt. Monaco wird ein Ritt auf der Rasierklinge. Ich freue mich jetzt schon drauf.“

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