Wie sich die neue große Rivalität der NBA zuspitzt

Stefan Schnürle
Sport1

Die NBA lebt von großen Rivalitäten und noch heute denken viele nur zu gerne an die legendären Duelle zwischen den Los Angeles Lakers und den Boston Celtics zurück.

In jüngerer Vergangenheit gab es in den Finals jahrelang den Kampf zwischen den Über-Warriors um Stephen Curry und den Cleveland Cavaliers um den herausragenden Spieler seiner Generation, LeBron James.

Doch seit dem Wechsel von James zu den Lakers ist es damit vorbei. Zwar ist die Franchise inzwischen wiedererstarkt, doch ein Aufleben der Rivalität zwischen Warriors und James gibt es zumindest vorerst nicht, da Golden State die Playoffs verpassen wird.

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Auch deshalb sucht die NBA händeringend eine neue Rivalität, die die Fans in ihren Bann zieht - und könnte diese bereits gefunden haben. Denn neben den Milwaukee Bucks sind die Lakers sowie die Los Angeles Clippers die großen Titelfavoriten. 

"Diese Rivalität ist nun das große Ding, nachdem die Warriors nicht mehr die Warriors sind. Lakers gegen Clippers ist nun das populäre Matchup in der NBA", sagt Ex-Lakers-Spieler und Radio-Kommentator Mychal Thompson.

Lakers in Los Angeles die Nummer 1

Die LA-Rivalität gibt es zwar schon länger, doch ein Duell auf Augenhöhe war es fast nie. So waren die Lakers-Fans in der Stadt der Stars und Millionäre stets klar in der Überzahl - bei Legenden wie Magic Johnson sowie dem kürzlich verstorbenen Kobe Bryant kein Wunder. 

Seit ihrem Umzug 1960 von Minnesota nach Los Angeles holten die Lakers elf Titel, während die größten Erfolge der Clippers zwei Divisionstitel sind. Nun sind beide erstmals gleichzeitig Titelkandidaten - und speziell die Clippers zeigen sich ungewohnt angriffslustig.

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So konnten Fans sowohl im Intro-Video vor Saisonbeginn als auch auf T-Shirts den Spruch "Grit over Glam" lesen - ein klarer Seitenhieb gegen die glamourösen Lakers mit ihren vielen Promi-Fans.

Lakers holen Davis - aber nicht Leonard

Das neue Selbstbewusstsein der Clippers ist dem Sommer geschuldet. Dort gingen zunächst die Lakers All-In. Um James mit Anthony Davis einen zweiten Superstar an die Seite stellen, wurden eine Vielzahl junger Talente sowie mehrere Erstrundenpicks abgegeben.

Doch kurz darauf konterte das "Schatten-Team" und holte keinen Geringeren als Finals-MVP Kawhi Leonard aus Toronto sowie Paul George, der bei OKC in der vergangenen Saison lange ein MVP-Kandidat war. 

Auch die Clippers opferten für ihre Verstärkungen zahlreiche zukünftige Picks. Angeblich auch, weil Clippers-Besitzer Steve Ballmer die Lakers nicht weitere Banner im Staples Center aufhängen sehen wollte. Diese hatten sich ebenfalls um beide Spieler bemüht.


Clippers gewinnen Duelle dank Leonard

Wie sehr die Lakers-Anhänger es Leonard übel nahmen, dass er sich für den "kleinen Bruder" entschieden hatte, konnten alle NBA-Fans zum Saisonauftakt bestaunen. Dort wurde Leonard anfangs bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen.

Leonard brachte die Fans aber schnell zum Schweigen, indem er so gut wie jeden Wurf traf und die Clippers zum Sieg führte - und das, obwohl George noch verletzungsbedingt fehlte. Auch das zweite Duell bei den Christmas Games ging an die Clippers.

"Es ist gut für das Basketball-Spiel. Es ist gut für die Fans. Jedes Mal, wenn ein Team eines großen Basketball-Marktes gut spielt, ist es gut für die Liga", freut sich Lakers-Forward Kyle Kuzma über den neuen Rivalen.

In der Tabelle haben seine Lakers aktuell die Nase vorn. Dies liegt aber wohl auch darin begründet, dass die Clippers immer wieder einen ihrer Superstars schonen oder Leonard aus medizinischen Gründen Pausen einlegen muss. 

Clippers machen Rennen um Morris

Rund um die Trade-Deadline kam es jüngst erneut zum Duell zwischen Lakers und Clippers. Beide Teams waren laut US-Medienberichten heiß auf Knicks-Forward Marcus Morris, der mit seinen Defensiv- und Scoring-Qualitäten den Unterschied machen kann.

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Da die Lakers sich weigerten, mit Kuzma ihr letztes wertvolles Asset abseits ihrer Superstars in den Deal zu packen, erhielten die Clippers den Zuschlag. Diese gaben dafür neben Maurice Harkless weitere Picks ab.

Nicht wenige vermuten, dass die Franchise sich nicht nur verstärken, sondern vor allem auch die Lakers ausstechen wollte. Denn diese hätten Morris für die Playoffs sehr gut - und womöglich sogar noch mehr als die Clippers - gebrauchen können.

Lakers und Clippers heiß auf Point Guard?

Die Lakers gingen bis zur Trade-Deadline leer aus und müssen jetzt das letzte Saisonduell abseits des Parketts gewinnen. Objekt der Begierde war der vor der Saison zurückgetretene Darren Collison. Als nicht ball-dominanter Point Guard mit gutem Wurf hätte er perfekt zu LeBron James gepasst und wäre ein Upgrade gegenüber Rajon Rondo, Avery Bradley oder Fanliebling Alex Caruso gewesen.

Allerdings möchte Collison aktuell nicht in die NBA zurück. So könnte Reggie Jackson wieder in den Fokus rücken - falls ihn die Detroit Pistons nach dem Trade von Andre Drummond aus seinem auslaufenden Vertrag herauskaufen. Die Clippers sind auf dieser Position mit Patrick Beverley, Lou Williams und Landry Shamet ohnehin besser besetzt.

Doch das Team um Kawhi Leonard sieht nur ungern tatenlos zu, wenn die Lakers um ihr womöglich letztes fehlendes Puzzleteil kämpfen.

Jackson hatte nie in seiner Karriere eine bessere Dreierquote. Die Lakers suchen händeringend - doch es wäre nicht das erste Mal in den vergangenen zwölf Monaten, dass die Clippers zum Spielverderber werden.

Nur eines ist sicher: Der Kampf um Hollywoods Krone wird schärfer geführt denn je.

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