Bitters Erbe? Der neue Shootingstar des deutschen Handballs

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Bitters Erbe? Der neue Shootingstar des deutschen Handballs
Bitters Erbe? Der neue Shootingstar des deutschen Handballs

Die Handball-Bundesliga hat einen neuen Shootingstar!

Till Klimpke mischt im Tor der HSG Wetzlar die Liga auf und bringt seine Gegner zur Verzweiflung. Am Sonntag fuhren die Hessen auch dank des erst 23 Jahre alten Keepers einen historischen Erfolg ein. Ein 38:16 stand am Ende gegen die TSV Hannover-Burgdorf auf der Anzeigetafel - der höchste Sieg der Vereinsgeschichte. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der HBL)

Klimpke hatte daran mit 48 Prozent gehaltener Bälle erheblichen Anteil. Mit 49 Paraden ist der Gießener aktuell der beste Torhüter der HBL.

Im Interview mit SPORT1 spricht er über den Kantersieg, seine Entwicklung, Ziele in der Nationalmannschaft und Johannes Bitter.

Das sagt Klimpke zum Sieg gegen die Recken

SPORT1: Herr Klimpke, am vergangenen Sonntag gewannen Sie mit der HSG Wetzlar 38:16 gegen die Recken - höchster Bundesligasieg in der Vereinsgeschichte. Was war das für ein Gefühl?

Till Klimpke: Etwas unwirklich! Ich hatte während des Spiels gar nicht das Gefühl, dass wir so hoch führen. Aber wir haben einfach richtig gut gespielt. Wir waren im Flow, vorne wie hinten und es lief einfach alles perfekt. Fast am Maximum, meiner Meinung nach. Das zeigt, welches Potential wir haben. Das müssen wir jetzt noch öfter in dieser Saison abrufen.

SPORT1: Mit 15 Paraden und 48 Prozent gehaltener Bälle waren Sie ein entscheidender Faktor. Wie fühlt man sich als Torhüter, wenn man aus einem Spiel als Sieger hervorgeht und nur 16 Tore kassiert hat?

Klimpke: Das ist schon klasse. Das ich „nur“ auf 15 Paraden komme, liegt auch daran, dass wir hervorragend Abwehr gespielt und viele Bälle schon vor dem Abschluss erobert haben. Oft hat man mehr als 40 Würfe aufs eigene Tor. Diesmal waren es nur 31. Da haben sich meine Vorderleute ein dickes Kompliment verdient.

SPORT1: Sie wurden diese Woche auch in die HBL-Mannschaft des Spieltags gewählt. Das war insgesamt schon das zweite Mal diese Saison. Was hat das für eine Bedeutung? Verfolgen Sie das überhaupt?

Klimpke: Klar nehme ich das wahr, aber es hat für mich jetzt keine große Bedeutung. Natürlich ist es schön, wenn man ein gutes Spiel macht, aber nur dann, wenn wir als Mannschaft auch etwas Zählbares mitnehmen. Nach dem Abpfiff kommt aber schnell der Punkt, wo man schon ans nächste Spiel denkt und wieder seine beste Leistung abrufen möchte.

Klimpke gelingt bei Wetzlar enorme Entwicklung

SPORT1: Statistisch gesehen sind Sie mit 49 Paraden aktuell der beste Torhüter in der HBL. Können Sie das überhaupt fassen?

Klimpke: Das ist mein persönliches Ziel. Ich freue mich, dass er derzeit so gut für uns und somit auch mich läuft. Aber es ist auch nur eine Momentaufnahme. Es sind gerade einmal vier Spiele absolviert und die Saison ist lang. Da muss man fokussiert, demütig und hungrig bleiben, auch um diesen Platz zu verteidigen.

SPORT1: Sie haben auch eine enorme Entwicklung durchgemacht. Im Vergleich zur Vorsaison haben Sie sich bislang in allen Statistiken verbessert. Wie erklären Sie sich Ihre Entwicklung?

Klimpke: Ich habe mich schon in der Vorbereitung gut gefühlt. Durch die Vorgaben des neuen Trainers (Ben Matschke; Anm. d. Red.) spielen wir eine neue Abwehr, mit zwei neuen Mittelblockspielern, die erst im Sommer zu uns gewechselt sind. Ich habe dieses Jahr auch mehr Verantwortung, weil wir zwei sehr junge Torhüter sind. Da muss ich Leistung bringen, um das Team zu unterstützen.

SPORT1: Sie spielen schon seit Ihrer Jugend in Wetzlar. Was hat das für eine Bedeutung, wenn man es mit dem eigenen Verein so weit geschafft hat und jetzt in der stärksten Handball-Liga der Welt zwischen den Pfosten steht?

Klimpke: Das hat eine enorme Bedeutung. Ich spiele seit den Minis in Wetzlar, komme aus dem Ort und wohne eine Minute von der Trainingshalle entfernt. Das ist eine große Ehre, sich vom Zuschauer oder „Träumer“ in der Jugend zum Stammspieler entwickelt zu haben.

Klimpke will Bitters „Stelle angreifen“

SPORT1: Sind Sie dementsprechend auch Identifikationsfigur im Verein und für die Fans?

Klimpke: Das hoffe ich (lacht). Ich kenne alle Jugendspieler, von klein bis groß, sowie viele Familien dahinter. Deshalb kann ich es mir vorstellen, aber weiß es natürlich nicht.

SPORT1: Ihr Vertrag bei Wetzlar läuft noch bis 2025. Gibt es schon Pläne für danach? Oder irgendwelche großen Klubs, für die Sie gerne mal spielen würden?

Klimpke: Nein, deshalb habe ich den Vertrag auch langfristig unterschrieben, damit ich mir darüber noch keine Gedanken machen muss. Das ist noch in weiterer Ferne und ich kann mich auf die Zeit bei der HSG Wetzlar konzentrieren, um hier meine Leistung zu bringen, um dann irgendwann vielleicht mal zu einem Spitzenklub zu wechseln. Priorität hat aber das Hier und Jetzt!

SPORT1: Bei der WM in Ägypten gehörten Sie schon zu Alfred Gislasons erweitertem Kader. Wie sehen die Ziele derzeit bezüglich Nationalmannschaft aus? Was für einen Stellenwert hat die Nationalmannschaft?

Klimpke: Ich habe jetzt eine relativ große Chance, nachdem Jogi (Bitter; Anm. d. Red.) seinen Rücktritt erklärt hat. Die will ich auch nutzen. Ich versuche, diese frei gewordene Position im Tor anzugreifen und mich früher oder später in der Nationalmannschaft zu etablieren. Das ist mein großes Ziel. Das hat steht für mich deutlich mehr im Fokus als ein neuer Verein in der Zukunft.

Klimpke über Gislason: „Verhält sich neutral“

SPORT1: Trudeln nach Leistungen wie gegen Lemgo oder Hannover auch vom Bundestrainer Glückwünsche ein?

Klimpke: Nein, die kamen nicht. Da verhält er sich immer neutral.

SPORT1: Am Donnerstag spielen Sie mit Wetzlar in Hamburg. Die Hamburger haben sich bislang als starker Aufsteiger präsentiert. Was erwarten Sie für ein Spiel?

Klimpke: Auf jeden Fall ein sehr schweres. Sie spielen bisher eine sehr gute Saison, einen einfachen und aggressiven Handball, der effektiv ist. Wir haben uns gut eingestellt und werden unser Bestmöglichstes geben, um zwei Punkte mitzunehmen.

SPORT1: Auf der anderen Seite steht dann Jogi Bitter im Tor, der schon einige Jahre mehr Erfahrung auf dem Buckel hat als Sie. Ist er ein Vorbild?

Klimpke: Ja, auf jeden Fall. Er war schon immer ein Vorbild. Weniger von der Technik, da sind wir unterschiedlich. Aber von seiner Persönlichkeit. Er ist mit eine der größten Identifikationsfiguren im deutschen Handball. Da versuche ich mir auf persönlicher Ebene schon viel abzuschauen.

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