Der "neue" Zion: Das steht beim Comeback für ihn auf dem Spiel

Jonas Nohe
Sport1

Als SPORT1 im Februar 2017 über einen 16 Jahre jungen High-School-Basketballer aus South Carolina berichtete, der mit seinen Dunkings die User in den sozialen Netzwerken zum Durchdrehen brachte, rief das gemischte Reaktionen hervor.

Die einen waren schlichtweg fasziniert, wie dieser Zion Williamson durch die Lüfte segelte, um es dann ordentlich krachen zu lassen.

Viele aber waren skeptisch: Er sei ja einfach nur viel größer und kräftiger als seine Gegenspieler. Und ernsthaft verteidigt werde im High-School-Basketball ohnehin nicht.

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Manch einer verglich Williamson auch mit dem bei Real Madrid zunächst gescheiterten Martin Odegaard - oder gleich mit der eigenen Fußballkarriere, in der man "in der Jugend auch alles und jeden vernichtet" habe und deswegen trotzdem kein Profi geworden sei.

Williamson glänzt in der NBA-Preseason

Knapp drei Jahre später steht fest: Zion Williamson ist Basketball-Profi geworden - und weit mehr als das. Er war bei den Duke Blue Devils für eines der besten Basketball-Colleges der USA der dominanteste Spieler des Landes und wurde im NBA-Draft 2019 an erster Stelle von den New Orleans Pelicans ausgewählt.

In der Preseason kam er in vier Einsätzen bei durchschnittlich 27 Minuten Einsatzzeit auf 23,3 Punkte, 6,5 Rebounds, 2,3 Assists und 1,5 Steals pro Spiel - und traf dabei herausragende 71,4 Prozent seiner Würfe aus dem Feld.


Und trotzdem: Wenn der 19-Jährige in der Nacht auf Donnerstag gegen die San Antonio Spurs (NBA: Pelicans - Spurs ab 3.30 Uhr im LIVETICKER) sein Debüt in der Regular Season der NBA gibt, sind die Zweifel immer noch da.

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Inzwischen drehen sie sich hauptsächlich um eine Frage: Ist Williamsons Körper dafür gemacht, über Jahre hinweg Basketball in der NBA zu spielen?

Gewicht wirft Fragen auf

Die Frage ist nicht neu, schließlich brachte Williamson schon zu High-School-Zeiten bei einer Größe von knapp zwei Metern ein Gewicht von über 100 Kilogramm auf die Waage. Inzwischen sollen es rund 127 Kilogramm sein, womit er hinter dem 2,21 Meter großen Boban Marjanovic der zweitschwerste Spieler der Liga wäre.

Dass Williamson nun den Beginn seiner Rookie-Saison wegen einer Meniskus-Operation verpasste, sich die Ausfallzeit obendrein von den ursprünglich veranschlagten sechs bis acht Wochen auf über drei Monate verlängerte, war da natürlich Wasser auf die Mühlen aller Skeptiker.


Schon im Sommer waren immer wieder Gerüchte laut geworden, Williamson habe zugenommen, sein Fitnesszustand sei alles andere als NBA-reif. Spekulationen, die Pelicans-Vizepräsident David Griffin immer wieder ins Reich der Fabeln verwies.

Pelicans-Boss: Williamson ein "Freak of Nature"

Bei seinem Medizincheck sei Williamson "länger auf dem Laufband gewesen, als die Leute beim Belastungstest je zuvor bei jemandem gebraucht hatten, um die Herzfrequenz in die Höhe zu treiben".

Das Supertalent baue schlichtweg in Rekordzeit Muskeln auf. Als die Pelicans in der Offseason eine Woche lang Schwergewichtstraining gemacht hätten, habe Williamson allein in dieser Zeit knapp vier Kilogramm Muskelmasse hinzugewonnen.

Williamson sei ein "Freak of Nature", betont Griffin: "Er ist nicht normal." Was dennoch die Frage aufwirft: Ist dieser Körper wirklich dafür gemacht, Basketball zu spielen?


"Wenn du dich nicht gut bewegst, dann ist es mir egal, ob du 135 oder 80 Kilo wiegst. Dann wirst du ein Problem bekommen", erklärte ein NBA-Athletiktrainer kürzlich bei ESPN mit Blick auf den Fall Williamson: "Es kommt auf gute Bewegungen an. Die Mechanismen müssen richtig umgesetzt werden."

Und genau das haben die Pelicans in den vergangenen drei Monaten mit Williamson geübt.

Coaches verändern Williamsons Laufstil

Wie das Kraftpaket Ende Dezember verriet, haben die Coaches während seiner Reha leichte Veränderungen an der Art und Weise vorgenommen, wie er geht, läuft und rennt.

Dabei soll es nach ESPN-Informationen unter anderem darum gehen, dass Williamson seine Fußballen nicht mehr so stark belastet, sondern mehr Kraft in Richtung Zehen verschiebt. Auch die Schrittlänge sowie die Position der Füße, Fußgelenke und Knie bei der Landung nach seinen gewaltigen Sprüngen wurden offenbar genau unter die Lupe genommen.


"Es gab viele Momente, in denen ich einfach nur gegen eine Wand schlagen oder Stühle durch die Gegend treten wollte. Es war frustrierend“, beschrieb Williamson am Dienstag die vergangenen Wochen: "Deinen Körper nicht so bewegen zu können, wie du das möchtest, keine athletischen Bewegungen zu machen, das ist hart."

Vielleicht haben ihm die drei Monate Ausfallzeit aber zugleich ermöglicht, durch die intensive Arbeit an seinen Bewegungsabläufen ein frühes Karriereende zu verhindern.

NBA-Debüt gegen die San Antonio Spurs

Die ersten Eindrücke vom "neuen" Zion Williamson gibt es nun im Heimspiel gegen die Spurs - was zugleich bedeutet, dass aus dem Tabellenzwölften der Western Conference auf einen Schlag das Zentrum des NBA-Universums wird.

"Es wird an jedem einzelnen Abend ausverkauft sein. Jeden Abend, an dem die Leute Zion spielen sehen können, wird die Halle ausverkauft sein", prophezeite Teamkollege Brandon Ingram.

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Für den Anfang werden sich die Pelicans-Fans und Williamson selbst wahrscheinlich mit 20 bis 25 Minuten Einsatzzeit begnügen müssen. Gut möglich auch, dass der NBA-Neuling zumindest in Back-to-Back-Spielen des Öfteren komplett geschont wird.

Führt Zion die Pelicans noch in die Playoffs?

Und doch sind die Hoffnungen groß, dass New Orleans trotz zwischenzeitlich 13 Niederlagen in Folge und einer aktuellen Bilanz von 17-27 noch in die Playoffs einziehen könnte. Die Statistikexperten von FiveThirtyEight beziffern die Chancen dafür auf immerhin 61 Prozent - und damit fast drei Mal höher als bei allen direkten Konkurrenten. (Alle Tabellen der NBA im Überblick)


"Wir erwarten nicht, dass er auf einem weißen Pferd geritten kommt und unsere Franchise rettet", betonte Pelicans-Coach Alvin Gentry vor dem Comeback seines Juwels.

Die Erwartungshaltung in den US-Medien ist aber schon vor Williamsons erster NBA-Minute eine ganz andere. "Die Zion-Williamson-Show ist endlich angekommen", jubilierte ESPN, The Athletic verkündete: "Es ist Zeit zu tanzen."

Am besten so leichtfüßig, dass allen Zweifeln endgültig ein Ende bereitet wird.

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