Neuer Corona-Ausbruch in Peking: Was verhindert die zweite Welle?

Moritz PiehlerFreier Autor
Yahoo Nachrichten Deutschland
Im Umkreis des Xinfadi Marktes in Peking wird nun großflächig getestet, um eine weitere Ausbreitung der neuen Infektionen zu verhindern. (Bild: Lintao Zhang/Getty Images)
Im Umkreis des Xinfadi Marktes in Peking wird nun großflächig getestet, um eine weitere Ausbreitung der neuen Infektionen zu verhindern. (Bild: Lintao Zhang/Getty Images)

In Peking gibt es offenbar einen erneuten Ausbruch des Coronavirus. Was bedeutet das nun für den Rest der Welt? Kommt die zweite Welle auch wieder mit Verspätung nach Europa?

Seit dem Wochenende gibt es zahlreiche neue Infektionen, allein 79 davon in der chinesischen Hauptstadt Peking. Die Bilder erinnern erschreckend an die erste Phase der Corona-Pandemie. Wieder war ein chinesischer Großmarkt der vermutliche Ausgangsort, wieder ist der Informationsfluss nicht sehr zuverlässig. Die chinesische Regierung reagiert mit der Abriegelung ganzer Stadtviertel.

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Abschottungen in Peking: Behörden versuchen neuen Corona-Ausbruch einzudämmen

Mehr als tausend Menschen wurden bereits unter Quarantäne gestellt, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Der Markt im Bezirk Fengtai, der als Herd der neuen Infektionen ausgemacht wurde, ist ebenfalls geschlossen worden, auch ein weiterer Großmarkt wurde gesperrt. Zahlreiche Restaurants und Märkte ließen Fisch vernichten, der von dem Markt stammte. Allein am Sonntag wurden bereits 76.000 Menschen aus der Umgebung auf das Virus getestet.

Dabei hatte sich China nach offiziellen Angaben von dem ersten Ausbruch der Pandemie in Wuhan erholt und das Virus unter Kontrolle. Nun wächst die Sorge vor einer zweiten Welle. Unterdessen hat in vielen Teilen der Welt hat die erste Ausbreitung der Corona-Pandemie noch nicht einmal ihren Zenit erreicht. Besonders die USA und Lateinamerika sind noch mit der Bekämpfung der ersten Welle beschäftigt.

Zweite Welle in Deutschland eher unwahrscheinlich

Von einer zweiten Welle könne bei dem erneuten Ausbruch in China noch keine Rede sein, sagt der Epidemiologe Timo Ulrichs im Gespräch mit dem Nachrichtenportal Watson. Zunächst sei einmal wichtig, genaueres über die aktuell infizierten Patienten herauszufinden. Vor allem müsse man untersuchen, ob es Mutationen des Virus gegeben habe und erforschen, ob diese ebenso krankheitserregend sind, wie beim ursprünglichen Sars-CoV-2.

Laut der chinesischen Gesundheitsbehörden liegt eine leichte Mutation des Virus bei den neu untersuchten Fällen aus Peking vor. Dies muss aber nicht zwingend bedeuten, dass Menschen, die bereits Immunität durch eine Ansteckung mit Covid-19 haben, nun gefährdet für eine erneute Infektion mit dem mutierten Virus sind. Vermutlich handele es sich bei den jetzt festgestellten Mutationen nur um leichte Genveränderungen, die auf die Immunität keine Auswirkung haben, so Ulrich.

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Doch auch die Voraussetzungen sind diesmal andere, als noch im Februar. Der Epidemiologe von der Berliner Akkon-Hochschule hält eine zweite Welle in Europa momentan für eher unwahrscheinlich. Da sich die meisten Länder noch in einer Phase der Kontaktbeschränkungen und genauer Überwachung neuer Infektionsherde befinden, ist ein unbemerkter Ausbruch nicht mehr so leicht möglich, wie noch im Frühling.

Wie viele Virologen warnt aber auch Ulrich vor einer möglichen zweiten Welle im Herbst, wenn sich das Leben der Menschen wieder nach drinnen verlagert und die Einhaltung von Distanzregeln erschwert wird. Vor allem könne eine einkehrende Sorglosigkeit der Menschen mit den Hygienemaßnahmen für einen Anstieg der Infektionen sorgen. Deshalb plädiert er auch dafür, dass Großveranstaltungen wie Konzerte oder Fußballspiele nach wie vor vermieden werden sollten.

Besser gewappnet für Eindämmung

Das Wissen und die Maßnahmen aus der ersten Welle der Pandemie sollen helfen, eine zweite Welle zu vermeiden oder zumindest abzuschwächen. Vieles davon ist ohnehin noch in Kraft. Dazu gehört zum Beispiel die rechtzeitige Ausstattung des medizinischen Personals mit Schutzausrüstung und die Versorgung der Bevölkerung mit Masken und Desinfektionsmitteln. Andere Maßnahmen, wie die Absage von Großveranstaltungen und die Einführung von Distanzregeln haben bereits ihre Wirkung gezeigt und könnten trotz der aktuellen Lockerungen im Falle eines zweiten Ausbruchs schnell wieder hochgefahren werden.

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In China hatte sich früh gezeigt, dass eine erweiterte Untersuchung der Umgebung bei lokalen Ausbrüchen helfen kann, die Ausbreitung schnell und effektiv zu orten und einzudämmen. Das wird in Deutschland zwar auch jetzt schon so gehandhabt. Doch bei der schnelleren Nachverfolgung der Kontaktpersonen könnte nun die neue Corona-Warn-App helfen, die seit heute verfügbar zum Download ist. Über die App werden User schnell informiert, wenn sie sich in der Nähe eines mit Corona infizierten Patienten aufgehalten haben. Nach anfänglichen Bedenken wegen des Datenschutzes wird die überarbeitete Version inzwischen von Datenschützern gelobt. An dem Beispiel Südkoreas lässt sich sehen, dass die Nutzung solch einer App die Ausbreitung der Pandemie deutlich verringern kann. Erforderlich dafür ist aber eine großflächige Verbreitung der App in der Bevölkerung.

Video: So funktioniert die neue Corona-Warn-App

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