Neues Problem: Verstopfte Kanalisation dank Klopapier-Hamstern

Moritz PiehlerFreier Autor
Yahoo Nachrichten Deutschland
Wie an dieser Mauer in Berlin scheint mancher Klopapier ähnlich hoch zu bewerten, wie der besessene Gollum aus der "Herr der Ringe" Trilogie. (Bild: Maja Hitij/Getty Images)
Wie an dieser Mauer in Berlin scheint mancher Klopapier ähnlich hoch zu bewerten, wie der besessene Gollum aus der "Herr der Ringe" Trilogie. (Bild: Maja Hitij/Getty Images)

Hamsterkäufe belasten das Nervenkostüm von Supermarktleitern und regulären Einkäufern. Doch das Toilettenpapierhorten birgt ein weiteres echtes Problem. Die Alternativen zu Klopapier bringen die Kanalisation an den Rand der Belastbarkeit.

Die Fokussierung auf das Toilettenpapier gehört zu den merkwürdigeren Auswüchsen der Coronakrise. Schon früh begannen Menschen Pasta und Klopapier in rauen Massen zu kaufen und zu horten, offensichtlich ist die Mischung aus Kohlenhydratemangel und Körperhygiene eine tiefverwurzelte Angst der Deutschen. Und nicht nur hierzulande ist der Toilettenpapiersammler ein Problem, auch in anderen Ländern herrscht gähnende Leere in den entsprechenden Regalen. So dass sich zum Beispiel der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte gezwungen sah, vor die Kameras zu treten und diesen legendären Satz zu sprechen: “Wir haben soviel, wir können zehn Jahre kacken.“

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Und auch die deutsche Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ließ sich vor hochgestapelten Türmen aus Klopapierpackungen interviewen, um den verängstigten Hamsterkäufern etwas entgegenzusetzen. “Es gibt auch genügend Toilettenpapier,” sagte Klöckner auf die Frage nach Versorgungsengpässen. Doch es hilft alles nichts, die Menschen horten und horten, und während manche sich mittlerweile vermutlich in Burgen aus Klopapierpackungen eingemauert haben, stehen andere bei Bedarf vor den leeren Supermarktregalen, die so schnell nicht beliefert und aufgefüllt werden können. Die greifen dann zu Feuchttüchern, Küchenrollen oder Taschentüchern als Ersatz. Was eben noch so übrig ist. Und diese Ersatzmaterialien werden nun zu einem echten Problem.

Verstopfte Pumpen drohen

Denn Klopapier ist aus leicht zersetzbaren Fasern hergestellt. Das soll garantieren, dass sie sich in den Kläranlagen besser auflösen und so nicht die Rohre verstopfen. Da nun aber in Massen andere Produkte benutzt werden, stehen manche Abwassersysteme vor dem Kollaps. So berichtet zum Beispiel die Stadtwerke aus Neu-Ulm, dass die Pumpen in den Pumpwerken bereits jetzt überlastet sind. Abteilungsleiter Jochen Meissner sagte der Süddeutschen Zeitung in einem Interview, die Stadtentwässerung habe zuletzt “vermehrt Produkte wie Feucht-, Kosmetik- oder Küchentücher" in der Kanalisation und den Pumpwerken entdeckt.” Diese Stoffe könnten in dem Aufkommen aber nicht transportiert werden. Meissner befürchtet: "Es kann zu Ausfällen im gesamten System kommen." Die Stadtwerke der schwäbischen Stadt führen das Problem direkt auf die Hamsterkäufe und den damit einhergehenden Mangel an Toilettenpapier in anderen Haushalten zurück.

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Vielleicht sollten sich die Klopapierhorter noch einmal einen echten Hamsterkäfig anschauen. Hamster nämlich verzichten gänzlich auf den Gebrauch von Papier, sie geben sich mit ein wenig Stroh und Spänen zufrieden. Alternativ könnten die Konsumenten auch einfach wieder in gemäßigten Quantitäten einkaufen, denn das würde schon ausreichen.

Sehen Sie im Video: Dieser Müllmann verschenkt ein begehrtes Gut - Toilettenpapier:


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