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Schock-Aussage von Neururer: “Ich lag vier Tage im Koma”

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In der Öffentlichkeit wird Peter Neururer mittlerweile als Trainerlegende tituliert. Über 600 Mal hat der Trainer aus dem Ruhrpott an der Seitenlinie gestanden, für 17 Vereine, überwiegend Traditionsklubs, gearbeitet und sich dabei den Ruf des Feuerwehrmannes erworben.

Neururer ist mittlerweile Kult, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt und angesichts der aktuellen Entwicklung stets den Finger in die Wunde legt. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Im Gespräch mit Autor und Business-Coach Mounir Zitouni erzählt Neururer, was Trainern aktuell besonders fehlt, er spricht über seine Arbeit als Coach im Camp der arbeitslosen Profifußballer, berichtet, wie ihn Horst Hrubesch in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einst zum Profitrainer bei RW Essen machte und wie es ihm nach seinem schweren Herzinfarkt 2013 ergangen ist.

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Wenn Peter Neururer auf die Trainer schaut, bemängelt er vor allem deren öffentliches Auftreten.

„Ich sehe mittlerweile Pressekonferenzen oder Statements von jungen Kollegen, da wird mir zu plakativ geredet, da wird mit Fachtermini herumgeschmissen, da macht man sich sehr, sehr wichtig. Da verlieren einige oftmals den Bezug zur fußballerischen Basis. Ich wünsche mir, dass die Trainer authentisch bleiben und vor allem wieder Bodenhaftung bekommen… Es gibt den einen oder anderen Trainer, der eine Rolle spielt. Man muss doch als Trainer überlegen, welche Wirkung habe ich auf wen? Wenn, dann will ich Wirkung auf meine Mannschaft haben und nicht Wirkung auf den Betrachter“, kritisiert der 67-Jährige.

Neururer: Bin sicherlich kein „Erfolgstrainer“

Wenn Neururer auf seine eigene Karriere schaut, stellt er fest: „Mich würde man sicherlich nicht als Erfolgstrainer bezeichnen, auch wenn ich immer mal wieder Erfolg hatte. Aber entscheidend für jedes System, für jedes taktische Verhalten ist die Qualität der einzelnen Spieler. Ich habe 619 Pflichtspiele als Trainer gemacht. Davon waren keine 10 Spiele dabei, die meiner Philosophie entsprachen.“

Grundsätzlich, so bewertet es Neururer, werde „der Einflussbereich des Trainers überschätzt“. Gerade am Spielrand. „Die Einflussnahme ist in der Woche gegeben, in der Halbzeitpause und durch Einwechslungen. Aber ob der Trainer wie Pep Guardiola hoch- und runterläuft oder wie früher Ernst Happel nur auf der Bank sitzt und eine raucht, das hat im laufenden Spiel überhaupt keinen Einfluss auf die Mannschaft. Das ist Schauspielerei bei einigen Trainern“, so der Sport1-Experte.

Was sein Image angeht, damit kann der Mann aus Marl gut leben. „Christoph Kramer sagte mal über mich: ‚Scheißegal, was der für ein Typ ist, der hat mich so lang stark geredet, der hat von Weltklasse gesprochen bis ich mich plötzlich genauso gefühlt habe und letztlich so gespielt habe.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Die Motivationskünste sind auch im aktuellen Camp der arbeitslosen Profifußballer bei der Vereinigung der Vertragsfußballer (VDV) gefragt. „Die Spieler im Arbeitslosencamp sind alle top-motiviert. Die haben alle nur ein Ziel: Ich will wieder zurück. In erster Linie müssen sie Fitness zeigen, in zweiter Linie müssen sie begreifen, ich bin hier nicht in einem Verein, ich bin für mich unterwegs.“

Wie unterstützt er sie konkret? „Ich führe Gespräche und frage, warum bist du hier, das hat einen Grund. Und ich frage, wo wollt ihr hin und ich biete meine Hilfe an. Die Quote sieht so aus, dass mehr als 80 Prozent der Teilnehmer im Arbeitslosencamp wieder einen Verein finden“, zeigt sich Neururer mit seiner Arbeit als Coach zufrieden.

Hrubesch fungierte als Sprungbrett

Doch wie fand der namenlose Drittligakicker überhaupt den Weg in die Bundesliga? „Mein Weg ist nicht der, den man sich als Bundesligatrainer erträumt hat. Ich war chancenlos“, stellt Neururer heute fest. Entscheidend war eine Begegnung mit Horst Hrubesch. (ÜBERSICHT: Die fixen Transfers aller Bundesliga-Klubs)

„Bei einem Lehrgang habe ich durch Zufall Horst Hrubesch kennengelernt. Horst kannte mich nicht, aber wir verstanden uns sofort gut. Er sagte dann zu mir, wenn ich Profitrainer werde, hole ich dich als Co-Trainer. Dann habe ich zwei Jahre lang nichts mehr gehört. An einem Sonntagabend klingelt bei mir das Telefon“, erzählt Neururer.

Und weiter: „Horst Hrubesch war dran. Ich sagte, schön, dass du anrufst, was gibt es? Er sagte, wenn du Lust hast, kannst du morgen bei RW Essen als mein Co-Trainer anfangen. Am nächsten Morgen um 9 Uhr sollte ich an der Hafenstraße sein. Ich war aber im Schuldienst, hatte Tennis-Schulen gehabt, usw. Meine Frau schaute mich an, nickte und sagte, wenn du es meinst, dann mach es. Ich sagte zu Horst, okay, ich bin morgen früh da. Dann habe ich meinen Schuldirektor angerufen und gesagt, übrigens, ich komme morgen nicht mehr“, erinnert sich Neururer, der 2013 durch einen Herzinfarkt beinahe gestorben wäre.

„Ich gehöre zu den wenigen Menschen beurteilen zu können, was es heißt, tot zu sein. Ich lag vier Tage im Koma. Meine Gesundheit zu verlieren, dann gerettet zu werden, hat mein Bewusstsein dahingehend verändert, dass ich mich nicht mehr darüber aufrege, was ich selbst nicht beeinflussen kann. In gewissen Dingen bin ich gelassener geworden. Die meisten Legenden sind tot, aber ich lebe noch glücklicherweise“, sagt der 67-Jährige.

Mounir Zitouni (51) war von 2005 bis 2018 Redakteur beim kicker und arbeitet seitdem als Businesscoach, betreut Sportler, Trainer und Führungskräfte in punkto Auftreten, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Der ehemalige Profifußballer (OFC, SV Wehen, FSV Frankfurt, Esperance Tunis) hat zuletzt die Autobiographie von Dieter Müller verfasst und veröffentlicht regelmäßig eine Kolumne auf www.sport1.de.

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