NFL: Aaron Rodgers - nur noch ein besserer Game Manager?

Die Green Bay Packers stehen erstmals seit 2016 wieder in den Playoffs. Als Nummer-2-Seed der NFC greifen sie erst in der Divisional Round gegen die Seattle Seahawks (Montag, ab 0.40 Uhr live auf DAZN ) ein. Superstar-Quarterback Aaron Rodgers allerdings trug zum bisherigen Erfolg bedeutend weniger bei als zu erwarten war.
Die Green Bay Packers stehen erstmals seit 2016 wieder in den Playoffs. Als Nummer-2-Seed der NFC greifen sie erst in der Divisional Round gegen die Seattle Seahawks (Montag, ab 0.40 Uhr live auf DAZN ) ein. Superstar-Quarterback Aaron Rodgers allerdings trug zum bisherigen Erfolg bedeutend weniger bei als zu erwarten war.

Die Green Bay Packers stehen erstmals seit 2016 wieder in den Playoffs. Als Nummer-2-Seed der NFC greifen sie erst in der Divisional Round gegen die Seattle Seahawks (Montag, ab 0.40 Uhr ) ein. Superstar-Quarterback Aaron Rodgers allerdings trug zum bisherigen Erfolg bedeutend weniger bei als zu erwarten war.

Es mutet schon etwas komisch an, dass alles über die Packers-Defense, Russell Wilson, Aaron Jones und vielleicht noch Marshawn Lynch redet, wenn vom anstehenden Divisional Game zwischen den Green Bay Packers und Seattle Seahawks die Rede ist. Ein Name rückt dabei scheinbar vermehrt in den Hintergrund: Aaron Rodgers. Seines Zeichens der Star-Quarterback der Packers.

Doch warum ist dem so? Sollte Rodgers nicht in einem Atemzug mit Wilson genannt werden? Sind nicht beide Elite-QBs und die Hauptgründe dafür, dass dieses Spiel am Sonntag im Lambeau Field steigt?

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Ein Blick auf die Offensiv-Effizienz in dieser Liga verrät, dass die Packers die achtbeste Offense nach DVOA (6,5 Prozent) stellen. Das Passspiel belegt allerdings nur Rang 11 (17,1 Prozent), während im Laufspiel (8,3 Prozent) sogar Rang 4 erreicht wurde.

Was sagt das aber über Rodgers aus? Zumindest mal, dass er wohl nicht mehr so wichtig wie einst für den Erfolg seines Teams zu sein scheint. Weitere Belege dafür sind Football-Outsider-Rating-Statistiken wie DYAR (796) und DVOA (9,1 Prozent - Erklärungen für beide Stats gibt's hier), wo Rodgers nur die Ränge 8 respektive 12 der Liga belegt. Seine Adjusted Net Yards pro Passversuch (ANY/A) reichen für Rang 11 (6,71).

Gravierend allerdings wird es in Sachen Total QBR von ESPN, wo Rodgers in dieser Saison nur noch Rang 20 (50,8) belegt.

Aaron Rodgers: Statistiken 2019

Kategorie

Wert

Liga-Rang

Total QBR

50,8

20

DYAR

796

8

DVOA

9,1 Prozent

12

ANY/A

6,71

11

Alles Wichtige zu Analytics und Advanced Stats im Football lest Ihr hier!

All diese Zahlen liefern Indizien dafür, dass Rodgers nicht mehr das Niveau vergangener Zeiten haben könnte. Gleiches zeigt sich im Übrigen auch, wenn man sich seine EPA/A (Expected Points Added pro Play) über seine gesamte Karriere anschaut. Trivial formuliert: Seit EPA von nflscrapR aufgezeichnet wird, also seit 2009, legte Rodgers bis 2014 stets ein extrem hohes Niveau an den Tag. Speziell in den Jahren 2011 und auch nochmal 2014 übertraf er dabei das 90. Perzentil, war also besser als 90 Prozent aller Quarterbacks der Liga. 2011 sogar deutlich, was ihm letztlich den MVP Award - wie auch 2014 - einbrachte.

Seit 2015 allerdings ging das Niveau merklich nach unten. Das 90. Perzentil erreichte er lediglich noch zeitweilig von 2015 bis 2017, was sicherlich auch mit seinen Verletzungen zu tun hatte. 2017 ging es gar zurück aufs 75. Perzentil, was ihn essenziell immer noch in die Top 8 der Liga verortete, doch ab 2018 war selbst diese Grenze nicht mehr zu erreichen. 2019 gar bewegte sich Rodgers nur noch über dem 50. Perzentil, was aussagt, dass seine Plays nur noch knapp über Durchschnitt sind, was die Effizienz betrifft.

Ebenso interessant ist ein Blick auf seine CPOE (Completion Percentage over Expectation), ein Wert, der aussagt, wie "treffsicher" ein Quarterback mit seinen Pässen basierend auf unter anderem der Target-Tiefe, der Coverage und weiteren Umständen ist. Auch diese Erfassung von airyards.com begann 2009. Seither lag Rodgers' Wert zumeist im positiven Bereich. Speziell 2011 lag er mit 5,1 Prozent deutlich über der zu erwartenden Passquote, was essenziell daran lag, dass er äußerst präzise war, was seine Deep Balls anging. Seit drei Jahren allerdings unterbietet er durchweg seine zu erwartende Passquote. 2019 lag der Wert bei -2,7 Prozent. Nur 2015 war er noch ungenauer (-4,2 Prozent).

Laut Ben Baldwin von The Athletic, der sich intensiv mit Rodgers' aktueller Leistungsfähigkeit befasst hat, ist die Ursache aber zumindest nicht das Aufkommen plötzlich schlechter "Mechanics". Seine Wurfbewegung hat sich demnach seit 2011, als die Packers den Super Bowl gewannen, nicht wirklich verändert. Sie war schon immer etwas unkonventionell, aber effektiv. Nun jedoch hat er an Effektivität eingebüßt. Mögliche Ursache? Wohl sein Alter - Rodgers ist mittlerweile 36 Jahre alt und schon daher wäre es nichts Außergewöhnliches, dass nicht mehr alles so gut funktioniert wie in seiner Höchstphase.

Green Bay Packers: Aaron Jones spielt sich in den Vordergrund

Dennoch reichte es für die Packers zu einer 13-3-Bilanz, was immerhin für den neuen Head Coach Matt LaFleur spricht, der sein Ziel erreicht hat, die Offense nach seinen Vorstellungen umzubauen. Er trat an mit dem klaren Hinweis darauf, dass das Run Game für ihn die zentrale Komponente sei und alles darauf aufbauen solle. Das Run Game um Aaron Jones lieferte entsprechend.

Jones zählte zu den effizientesten Running Backs der Liga und belegte Platz 4 der Liga nach DYAR (209) sowie Platz 7 nach DVOA (12,2 Prozent). Zudem führte er zusammen mit Derrick Henry die Liga mit 16 Rushing Touchdowns an und ist zudem wenigstens brauchbar im Passspiel (49 REC, 474, 3 TD).

Rodgers wiederum ist auch noch durchaus brauchbar im Passspiel, auch wenn die Zahlen ihn nicht mehr in der Elite einordnen. Es ist vielmehr so, dass Rodgers sich allmählich zu einem besseren Game Manager entwickelt. Ein Indiz dafür: Er macht weiter keine schwerwiegenden Fehler - er warf nur vier Interceptions (26 Touchdowns). Und: Pässe über die Mitte bringt er immer noch souverän und deutlich über Ligaschnitt an. Ebenso Screens nach links und Checkdowns über die Mitte.

Zudem ist er immer noch sehr gefährlich mit Deep Balls auf die rechte Seite. Pässe nach links allerdings sind so etwas wie seine Achillesferse geworden. Kurze Pässe (1-9 Air Yards) bringt er leicht überdurchschnittlich an, die über mittlere Distanzen (11-20 Air Yards) jedoch deutlich unter Durchschnitt. Und Deep Balls (20+ Air Yards) wirft er wieder knapp über Durchschnitt.

Wer es also schafft, die Mitte dicht zu machen, hat schon einen gewissen Vorteil gegen Rodgers, denn in diesem Bereich ist er mittlerweile mit Abstand am gefährlichsten - auch wenn er die Mitte des Feldes im Vergleich deutlich seltener bedient als andere Quarterbacks. Pässe nach außen dagegen sind für ihn keine ganz sicheren Angelegenheiten mehr.

Packers: Kein Zwist zwischen Rodgers und LaFleur

Viel wurde gesprochen über die zuletzt schlechter gewordene Chemie zwischen Mike McCarthy und Rodgers, was letztlich dazu führte, dass sich die Packers von McCarthy trennten und mit LaFleur einen Neuanfang wagten. Rodgers stand ihm von Anfang an offen gegenüber und betonte stets, dass etwaige offensive Probleme auf seine Kappe gingen und er besser spielen müsse. Und Spannungen zwischen beiden sind zumindest mal nicht bekannt.

Rodgers selbst sieht zumindest öffentlich keinen Grund zur Panik und gibt sich gewohnt gelassen, was seine Leistung betrifft. Nach dem Sieg in Detroit in Woche 17 etwa zeigte er sich zwar selbstkritisch: "Ich hatte zu viele verpasste Würfe", und räumte ein: "Ich fühlte mich gut mit meinen Würfen. Das ist das Verrückte daran. Wir hatten nicht immer das beste Timing." Doch am Ende betonte Rodgers eben auch: "Wenn wir ein Play machen mussten, dann haben wir es auch gemacht."

Aussagen, die treffender nicht hätten sein können. Nicht nur bezogen auf besagte Partie, sondern vielmehr auf die gesamte Saison betrachtet. Offensiv war unterm Strich das Laufspiel effizienter als das Passspiel, während sich die Defense, in die heftig investiert wurde in den vergangenen paar Offseasons, immerhin durchschnittlich präsentierte (-1,1 Prozent DVOA, Platz 15), wobei gerade die Lauf-Defense (-0,8 Prozent DVOA, Platz 23) ihre Defizite aufwies.

Platz 15 immerhin repräsentierte eine deutliche Steigerung zum Vorjahr (Platz 29), wodurch die Steigerung des Gesamtniveaus des Teams auf Platz 10 (Vorjahr: 19) der Liga nach DVOA (7,7 Prozent) vor allem damit zu begründen ist.

Green Bay Packers leben vom Pass Rush

Im Hinblick auf die Partie am Sonntag gegen die Seahawks lässt dies nun auf ein enges Duell schließen, zumal Seattle nur knapp am Division-Titel im Westen und damit einem besseren Seed als 5 vorbeigeschrammt war. Seattle steht sich bekanntermaßen immer mal selbst im Weg mit einer übermäßig hohen Frequenz an Lauf-Spielzügen. Doch eventuell könnte dieser Ansatz aufgrund defensiver Tendenzen - die Packers leben von ihrem Pass-Rush um die zwei Edge Rusher Za'Darius und Preston Smith, doch gegen den Lauf sind sie anfällig - erfolgsversprechend sein.

Grundsätzlich aber sind die Seahawks (11-5) keine zwei Siege schlechter als die Packers (13-3), nach DVOA sind sie sogar mehr als 6 Prozent besser bewertet. Der Unterschied zwischen beiden Teams liegt in erster Linie an den unterschiedlich starken Divisions. Und: Während die Packers 3-2 gegen Teams mit positiver Bilanz waren, schafften die Seahawks fünf Siege (4 Niederlagen) gegen solche Gegner.

Die große Hoffnung der Packers sollte es also tatsächlich sein, dass es am Ende nicht auf ein Duell Wilson gegen Rodgers hinaus läuft, sondern vielmehr die Sekundär-Waffen den Unterschied machen. Denn dann könnte die passable Defense ihren Einfluss ausüben und Rodgers müsste nicht zwanghaft einen Shootout gewinnen, wozu er offenbar nicht mehr konstant in der Lage scheint und wozu er, das sei erwähnt, auch nicht wirklich die offensiven Waffen im Passspiel hat.

Unter dem Strich sind die Packers aber ohnehin kein Team, dass man zur Elite der Liga zählen sollte in der aktuellen Phase, schließlich sind mit den 49ers, in der NFC sowie den Ravens und Chiefs mindestens noch drei Teams im Rennen, die schlicht viel höheres Gesamtniveau an den Tag gelegt haben. Völlig losgelöst von der aktuellen Leistungsfähigkeit von Aaron Rodgers.

Mehr bei SPOX: Watson in den Playoffs: Ein verdammt großes Feuer

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