NFL: Bucs, Barkley, Rodgers und Cam: Die Gewinner und Verlierer der Offseason

SPOX

Der Draft ist vorbei, die Free Agency abgesehen von einigen großen Namen im Kern ebenfalls - was bleibt? SPOX-Redakteur Adrian Franke nennt seine Gewinner und Verlierer der bisherigen Offseason.

Seite 1: Bucs, Baker, Bengals - die Gewinner

NFL Offseason: Gewinner

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Tampa Bay Buccaneers

Zumindest eine glanzvollere Offseason als das, was die Bucs dieses Jahr hingelegt haben, kann man kaum haben. Tom Brady und Rob Gronkowski verpflichtet, den Starting-Tackle, den man dringend brauchte mit dem Athletik-Freak-Prospect Tristan Wirfs im Draft gefunden, die Defense-Stars Shaquil Barrett, Pierre-Paul und Suh gehalten - und obendrauf noch in (Slot-)Receiver Tyler Johnson in Runde 5 womöglich einen der Steals dieses Drafts gelandet.

Der Kritikpunkt ist offensichtlich: Alles ist auf das kurzfristige Titelfenster ausgelegt. Brady wird nicht mehr lange spielen, Gronk kommt für einen finalen Run mit Brady aus dem Ruhestand zurück und auch Head Coach Bruce Arians ist im Spätherbst seiner Coaching-Karriere. Und es gilt auch zu berücksichtigen, dass Arians und Brady in einer schwierigen Offseason auf eine Wellenlänge kommen müssen.

Aber Tampa Bay hat sich mit dieser Offseason in jedem Fall auf den Liga-Radar gespielt und riesige Erwartungen geschürt. Die Bucs haben fünf Primetime-Spiele und das Duell zwischen Brady und Brees dürfte schon jetzt das Woche-1-Spiel sein, auf das mit die meisten neutralen Beobachter hinfiebern.

Wird das alles auch so funktionieren, wie es jetzt glitzert? Darüber kann man über die kommenden vier Monate hervorragend diskutieren. Klar ist aber, dass die Buccaneers mit höchster Aggressivität ein Titelfenster aufgestoßen haben, das es andernfalls unter Arians vermutlich nicht mehr gegeben hätte. Tampa Bay ist mit Blick auf die kommende Saison das spannendste Team und hatte in jedem Fall eine spektakuläre Offseason.

Cincinnati Bengals

"Spektakulär" ist vermutlich nicht das richtige Wort für die Bengals-Offseason, oder für die Bengals-Franchise generell. Womöglich aber ist die diesjährige Offseason der Beginn des Versuchs, das zu ändern.

Mit Joe Burrow hat Cincinnati nicht nur einen hochtalentierten Quarterback bekommen - Burrow ist auch ein Spieler mit einer gewissen Aura, mit Ausstrahlung, mit Schneid. Natürlich muss sich das auch in sportliche Erfolge übertragen, andernfalls sind all die anderen Aspekte letztlich für die Bengals wertlos. Aber für eine notorisch konservative Franchise ist Burrow die beste Chance seit sehr langer Zeit, um sich ein neues Image zuzulegen.

Schlägt Burrow ein, wird Cincinnati ein attraktives Ziel für Free Agents und auch für TV-Sender - und dass Cincinnati bereits vor dem Draft in der Free Agency ungewöhnlich aktiv war und sich defensiv deutlich verbesserte, dürfte der Fan-Base zusätzliche Hoffnung geben. Die Bengals haben im Idealfall allen voran mit Burrow und Tee Higgins die Tür zur Zukunft der Franchise aufgestoßen.

Kyler Murray, Quarterback - Arizona Cardinals

Murray kam letztes Jahr als Nummer-1-Pick in das schwächste Team der Liga sowie vor allem eine historisch schlechte Offense - und dennoch waren die Cardinals durch die Verbindung zu Kliff Kingsbury so etwas wie Murrays beste Chance, um in der NFL mittel- und langfristig erfolgreich zu sein. Diese Chance aber ging immer damit einher, dass Arizona dann auch um seinen jungen Quarterback herum etwas aufbauen würde. Und genau das haben die Cards in dieser Offseason gemacht.

Der Trade für DeAndre Hopkins überschattet dabei fraglos alles. Arizona hat einen der zwei, drei besten Wide Receiver in seiner Prime bekommen und wird damit die ganze Dynamik in schematischer Sicht aber auch im Receiving-Corps generell verändern. Das könnte etwa auch Andy Isabella das Leben erleichtern, und mit Hakeem Butler bekommt Murray einen der spannendsten Receiver des Vorjahres-Drafts, der seine gesamte Rookie-Saison verletzt verpasst hat, dazu.

Aber es war nicht nur Hopkins. Die Cardinals hielten Marcus Gilbert, der die Vorsaison ebenfalls verletzt verpasste - und drafteten in der dritten Runde mit Josh Jones eine Alternative für beide Tackle-Spots sowie einen perspektivischen Starter. Murray hatte im Laufe der Saison deutlich sichtbare individuelle Fortschritte gezeigt, jetzt bekommt er eine Elite-Waffe und stabilere Protection.

Unerwähnt sollte im Murray-Zusammenhang auch nicht bleiben, dass Arizona enorm in die Defense investiert hat. Nachdem sich Murray nach einem holprigen Start in die NFL-Karriere stabilisiert hatte, war ein Teil des Problems, dass die Cardinals-Offense regelmäßig Rückständen hinterher lief - ein potenziell starker Defense-Draft sowie drei via Free Agency verpflichtete Starter sollten helfen, diese Problematik etwas einzudämmen.

Brian Flores, Head Coach - Miami Dolphins

Bei einigen Teams auch in dieser Offseason ist glasklar die Handschrift des Head Coaches zu erkennen - die Dolphins, die unter Flores im Vorjahr zweifellos positiv überraschten, wären so ein Team. Nachdem Miami Xavien Howard zum bestbezahlten Cornerback der Liga gemacht hatte, holten sie den besten Corner der Free Agency in Byron Jones und investierten zusätzlich einen ihrer drei Erstrunden-Picks in Noah Igbinoghene, einen weiteren Corner.

Die Idee ist überdeutlich erkennbar: Brian Flores stammt aus der Belichick-Schule, er will seine Defense über die Coverage aufbauen. Die Cornerbacks sind das Rückgrat der Defense und sollen die schematischen Freiheiten geben, um dann auch über Flexibilität Pass-Rush zu kreieren.

Die diesjährige Offseason war unbestreitbar der Beginn des Wegs dorthin, und dass Flores zusätzlich in Kyle Van Noy einen "seiner" Spiele aus New England für eine sehr spezifische Rolle innerhalb der Defense bekommen hat, unterstreicht diese These.

Die Dolphins-Offense wird Zeit brauchen, egal, wie früh Tua Tagovailoa womöglich das Zepter von Ryan Fitzpatrick übernimmt. Und so ist dann auch der Umbruch generell noch längst nicht abgeschlossen. Aber was die Defense angeht, darf man von Miami 2020 einen deutlich sichtbaren und messbaren Schritt nach vorne erwarten.

Baker Mayfield, Quarterback - Cleveland Browns

Für Baker Mayfield ist 2020 ein kritisches Jahr. Nach einer sehr vielversprechenden Rookie-Saison folgte 2019 ein deutlicher Rückschritt - fraglos auch bedingt durch eine üble Coaching-Situation. Aber es waren auch individuelle Probleme bei Mayfield, die auffielen. Zu häufig verließ er vorschnell die Pocket, las Defenses falsch, und seine Accuracy - eigentlich sein größter Trumpf - wackelte bedenklich.

All das mag auch eine Folge der Umstände gewesen sein, doch Mayfield muss jetzt verhindern, dass daraus ein Trend wird. Und für die kommende Saison gibt es keine Ausreden.

Die Browns haben den besten Tackle auf dem Free-Agent-Markt - Ex-Titan Jack Conklin - verpflichtet und im Draft mit Jedrick Wills in der ersten Runde nochmal sehr ordentlich nachgelegt. Die Browns-O-Line sollte deutlich besser sein und aus der 12-Personnel- sowie Play-Action-lastigen Offense unter dem neuen Head Coach Kevin Stefanski dürfte Mayfield deutlich mehr einfache Completions bekommen.

Somit ist er im ersten Schritt ein Gewinner. Eine klar verbesserte Offensive Line, ein Head Coach mit einem Quarterback-freundlichen System, eine neue Waffe dafür in Austin Hooper sowie immer noch ein exzellentes Receiver-Duo. Aber Mayfield vielleicht mehr als jeder andere Spieler ist auch unter Zugzwang, die verbesserten Umstände schnellstmöglich in Zählbares umzumünzen.

Seite 2: Lock, Minshew, Stidham - Gewinner Teil 2

NFL Offseason: Gewinner

Drew Lock, Quarterback - Denver Broncos

Keine Franchise hat in den vergangenen drei Monaten mehr für ihren jungen Quarterback gemacht als die Broncos. Graham Glasgow als Upgrade in der Interior Offensive Line geholt, Melvin Gordon als Upgrade im Backfield geholt, keine Ressourcen in einen Veteran-Backup zur Absicherung gesteckt - und dann kam erst der Draft.

Mit Jerry Jeudy und K.J. Hamler haben die Broncos zwei der aufregendsten Receiver dieser Klasse gedraftet; beide eint eine Qualität: Sie kreieren Big Plays, auch ohne dass der Quarterback einen perfekt platzierten Ball werfen muss. Jeudy kreiert Separation durch sein Route-Running, Hamler durch seine Explosivität gerade aus dem Slot heraus.

Das sollte Locks Entwicklung nach vorne katapultieren. Der hatte in seiner Rookie-Saison einige positive Ansätze gezeigt, aber gleichzeitig auch noch klare Defizite. Accuracy gehört dazu, aber - überraschenderweise - auch das vertikale Passspiel war längst nicht so gefährlich wie angesichts seines Arms erwartet. Jeudy und Hamler sollten für Big Plays sorgen, die Line sollte besser sein: Die Broncos haben alles gemacht, um Lock eine schnelle Entwicklung zu ermöglichen. Jetzt muss diese natürlich auch kommen.

Jarrett Stidham, Quarterback - New England Patriots

Cam Newton? Andy Dalton? Teddy Bridgewater? Derek Carr? Marcus Mariota? Jalen Hurts? Die Liste der Quarterbacks, die New England gemäß der Gerüchteküche hätte holen können, nachdem klar war, dass Tom Brady geht, ist lang. Doch letztlich - ob komplett so beabsichtigt oder nicht - blieb man in Foxboro bei seinen Aussagen; gemeint ist das konstante Lob für die positive Entwicklung von Jarrett Stidham.

Stidham kam als Projekt in die NFL. Ein Quarterback, der bei Auburn riesige Probleme hatte, sobald die Pocket unsauber wurde oder er gar improvisieren musste. Aber auch ein Quarterback, der unter guten Umständen fraglos Potenzial zeigte. Auf dieses Potenzial setzen jetzt die Patriots.

Denn Stidham hat keinen neuen Starter vor die Nase gesetzt bekommen. Stattdessen wird er hinter einer besseren Offensive Line arbeiten dürfen als Brady letztes Jahr und zeigen können, dass er als Starting-Quarterback eine Zukunft hat. Ob man es als Vertrauensvorschuss oder "aus der Not eine Tugend machen" interpretieren will: Für den Moment ist Stidham einer der Gewinner dieser Offseason, mit einer riesigen Chance 2020.

Gardner Minshew, Quarterback - Jacksonville Jaguars

Von wegen Konkurrenzkampf mit Nick Foles, und auch Ex-Gruden-Schüler Andy Dalton kam nicht nach Jacksonville. Stattdessen wurde mit Mike Glennon ein glasklarer Backup geholt, kurzum: Die Jaguars sind jetzt das Team von Gardner Minshew und er bekommt die Chance, sich als langfristige Quarterback-Lösung zu etablieren.

Das ist kein Gefallen, sondern wohlverdient: Minshew war eine der positiven Überraschungen der vergangenen Saison, ein Sechstrunden-Rookie, der direkt einschlug, als er den verletzten Foles vertreten musste. Dabei gab es fraglos Durchhänger in der zweiten Saisonhälfte, aber die positiven Punkte überwiegen. Die Antizipation als Passer, das Pocket-Verhalten, die Spielintelligenz - Minshew hat ein Gefühl für das Spiel, das schwer zu beschreiben oder auch beizubringen ist.

Idealerweise hätten die Jags, die sich ganz klar in einem Umbruch befinden, noch mehr in die Offense investiert; zumindest Laviska Shenault aber sollte in die Offense gut passen. Und mit Jay Gruden hat Minshew einen Offensive Coordinator bekommen, dessen West Coast Offense gut mit seinen Stärken als akkurater Timing-Passer funktionieren sollte.

Saquon Barkley, Running Back - New York Giants

Gerade so knackte Barkley letztes Jahr die Marke von 1.000 Rushing-Yards; in 13 Spielen lief er 217 Mal für 1.003 Yards. Sein Schnitt was Yards pro Run angeht fiel um fast ein halbes Yard, und das obwohl er 3,23 Yards nach Kontakt pro Run verzeichnete - der siebtbeste Wert der vergangenen Saison unter Running Backs mit mindestens 150 Runs.

Auch lief er nur 11,5 Prozent seiner Runs gegen acht oder mehr Verteidiger in der Box, eigentlich ein sehr Running-Back-Freundlicher Wert. Zum Vergleich: Derrick Henry musste 35,3 Prozent seiner Runs gegen eine Stacked Box laufen und Barkley selbst war im Vorjahr (22,9 Prozent) deutlich über seinem 2019er Wert.

Ein zentrales Problem war die Offensive Line. Die Giants rangierten nach Football Outsiders auf Platz 25 im Run-Blocking, hinter Kandidaten wir Arizona, Tampa Bay oder auch den Rams. In Short-Yardage-Situationen waren die G-Men nochmal schlechter. Rookie Andrew Thomas auf Right Tackle wird gerade hier ein sofortiges Upgrade bedeuten und von Will Hernandez darf man nach einer sehr durchwachsenen Saison gerade im Run-Blocking einen Schritt nach vorne erwarten.

Dazu kommt der neue Trainerstab. Der neue Head Coach Joe Judge hat zu Wochenbeginn klargemacht, dass es im Kern die Offense von Jason Garrett sein wird. Wie genau die aussieht, wird sich zeigen, immerhin war Garrett in den vergangenen Jahren in Dallas zumeist nur in geteilter Rolle für die Offense zuständig. Gemeinhin aber gilt die Offense eher als konservativ und um das Run Game herum aufgebaut. Barkley könnte für eine ähnlich zentrale Rolle vorgesehen sein wie Ezekiel Elliott in einigen Cowboys-Teams der vergangenen Jahre.

Barkley sollte 2020 mehr Gelegenheiten bekommen und dafür besseres Blocking vor sich vorfinden.

Philip Rivers, Quarterback - Indianapolis Colts

Man muss schon ein gutes Stück zurückgehen, um ein Chargers-Team zu finden, in dem Rivers zuletzt eine Top-10-Offensive-Line hatte. Und vielleicht hatte er niemals eine Offensive Line auf dem Level, das er in der kommenden Saison in Indianapolis vor sich vorfinden wird.

Viele von Rivers' schlechten Spielen in der vergangenen Saison - und davon gab es einige - hingen direkt damit zusammen, dass er zu viel selbst kreieren wollte und permanent unter Druck stand. Über 35 Prozent seiner Dropbacks kamen gegen Pressure, nur Jameis Winston (14) warf mehr Interceptions gegen Pressure als Rivers (9).

In Indianapolis sollte sich das ändern. In einer Offense, in der er mehr Ballverteiler als Superstar-Quarterback sein kann und mehr Protection genießen wird. Kombiniert mit der Tatsache, dass Rivers mit Head Coach Frank Reich und Offensive Coordinator Nick Sirianni bereits mehrere Jahre bei den Chargers zusammengearbeitet hat, und in eine Division kommt, die deutlich eher zu gewinnen sein dürfte als die AFC West, ist klar, dass der Routinier einer der Gewinner dieser Offseason ist.

Seite 3: Trubisky, Rodgers, Cam - die Verlierer

NFL Offseason: Verlierer

Houston Texans

Das augenscheinliche Fiasko des DeAndre-Hopkins-Trades wurde ausführlich diskutiert und auch wenn die Texans mit Randall Cobb und Brandin Cooks vorübergehend Alternativen gefunden haben: Diese Offseason könnte den Texans noch eine Weile lang schwer im Magen liegen.

Hopkins abzugeben reißt ein qualitatives Loch in die Franchise, das man nur im Verbund versuchen kann zu schließen. Deshaun Watson verliert so auch seine mit weitem Abstand wichtigste Anspielstation seitdem er in die NFL gekommen ist und einen Spieler, der individuell den Unterschied ausmachen kann.

Zusätzlich mussten die Texans, nachdem sie sich mit einem extrem teuren Trade selbst in eine schwierige Position gebracht hatten, Left Tackle Laremy Tunsil sehr teuer bezahlen, der zuletzt sehr verletzungsanfällige Cooks kostete einen Zweitrunden-Pick und der teure Watson-Vertrag ist bereits am Horizont zu sehen.

Houston hat Bill O'Brien mit großen Kompetenzen ausgestattet, und es besteht eine sehr reelle Gefahr, dass die Texans eine Weile brauchen werden, um sich alleine von dieser Offseason komplett zu erholen. Und womöglich wird dieser Prozess nur mit einem radikalen Umbruch in der Team-Führungsriege funktionieren.

Mitch Trubisky, Quarterback - Chicago Bears

Die Rechnung ist simpel: Statt des von Bears-Fans erhofften Fortschritts gab es einen Rückschritt bei Trubisky. Die auch 2018 sichtbaren Probleme intensivierten sich, Trubisky schaffte nicht ansatzweise den Schritt zum Franchise-Quarterback. Und man kann gut argumentieren, dass er, wenn alles normal läuft, nie wieder ein Spiel für die Bears starten wird.

Chicago zog nicht nur die Fifth-Year-Option für Trubisky nicht, wodurch er 2020 in das letzte Jahr seines Rookie-Vertrags geht; die Bears verpflichteten auch direkt einen Nachfolger. Nick Foles ist nach wie vor ein inkonstanter Quarterback und die Tatsache, dass er nach nur einem Jahr die Jaguars wieder verlässt, unterstreicht, dass auch er nicht die Quarterback-Antwort ist, die Teams suchen.

Aber: Foles kennt den Trainerstab, hat bereits unter Head Coach Matt Nagy (in Kansas City) sowie unter Offensive Coordinator Bill Lazor (in Philadelphia, als er mit Chip Kelly seine statistisch beste NFL-Saison hatte) gearbeitet. So wird auch schnell klar, warum die Bears Foles gegenüber den Alternativen bevorzugt haben und es ist eine denkbar schlechte Ausgangslage für Trubisky. Foles muss als Favorit gesehen werden, um der Day-1-Starter in der Windy City zu sein.

New England Patriots

Tom Brady auch in dieser Phase seiner Karriere zu verlieren alleine ist ein Rückschlag, den eine Franchise erst einmal verdauen muss. Die Patriots werden offensiv eine neue Identität finden müssen, und falls Stidham nicht die langfristige Quarterback-Antwort ist - und dieses Szenario ist fraglos wahrscheinlicher, als dass man direkt den nächsten Franchise-Quarterback gefunden hat - dann stehen die Patriots vor einer Phase, die ihnen seit über 20 Jahren erspart blieb: Die große Quarterback-Suche.

Doch auch defensiv gab es wieder einmal einen Aderlass, allen voran mit Kyle Van Noy und Jamie Collins, zwei sehr wichtige Spieler innerhalb dieser Pats-Defense. Die Stars in der Secondary werden nicht jünger, und die Frage ist legitim: Wie weit kann die Defense die Patriots tragen?

Denn, und das lässt sich selbst, wenn man optimistisch an die Quarterback-Situation herangeht, festhalten: Die Offense wird vermutlich nicht besser sein als letztes Jahr. Die Wide-Receiver-Situation bleibt ein Fragezeichen und auch wenn die O-Line stabiler sein dürfte, so muss man doch davon ausgehen, das Stidham mindestens vorerst ein Downgrade zur 2019er Version von Brady darstellt. Und das würde den Druck auf die Defense nochmals erhöhen.

Aaron Rodgers, Quarterback - Green Bay Packers

Die Situation rund um Rodgers und die Packers wurde ausführlich thematisiert. Nein, Rodgers hatte im Vorfeld des Drafts keinen Receiver-Pick gefordert - aber er hat deutlich durchblicken lassen, dass er sich über einen Receiver in Runde 1 gefreut hätte. Das per se ist nicht gerade Breaking News, aber zumindest erwähnenswert; insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Packers stattdessen Rodgers' perspektivischen Nachfolger in der ersten Runde und keinen einzigen Receiver im restlichen Draft auswählten.

Zu diesem Zeitpunkt sind alle Prognosen und Interpretationen mit Blick auf die 32 Kader und Draft-Klassen genau das - Prognosen und Interpretationen. Mit Blick auf die Packers liegt der Schluss nahe, dass Coach Matt LaFleur das Team jetzt nach seinen Vorstellungen umbaut und Green Bay unter anderem deutlich Run-lastiger werden sowie unter dem Strich mit Run Game und Defense gewinnen will.

Für Rodgers bedeutet das aber keineswegs mehr Entlastung, sondern auch mehr lange Second und Third Downs und mehr schwierige Plays, die er machen muss. Green Bay hat in jedem Fall nicht - wie es etwa die Saints vorgemacht haben - alles investiert, um jetzt All-In zu gehen. Die langfristige Perspektive davon ist nochmal eine andere Frage, doch für Rodgers selbst hätte die Offseason kaum unglücklicher verlaufen können.

Cam Newton, Quarterback - Free Agent

Allein die Tatsache, dass bei Cam Newton noch kein neues Team steht, ist sinnbildlich dafür, dass es nicht die beste Offseason für den einstigen MVP ist. Verletzungsfragen sowie ein ungewöhnlich stark besetzter Quarterback-Markt erschwerten Newton die Teamsuche zusätzlich; außerdem litt wohl unter dem Strich kaum ein Spieler mit Blick auf seinen Marktwert mehr unter den Problemen mit Team-Besuchen und Medizinchecks als Cam Newton.

An diesem Punkt muss man davon ausgehen, dass er sich - genau wie Andy Dalton und Jameis Winston - mit einer Backup-Rolle zufrieden geben wird. Nach einer nicht gerade sauberen Trennung von den Panthers ist der gesundheitliche Zustand das große Fragezeichen; insbesondere nach Problemen an der Schulter und am Fuß werden Teams wissen wollen, ob Newton nochmal der gefürchtete Runner werden wird, der er einst war.

Kann er das, dann ist er potenziell mehr als nur ein durchschnittlicher Starting-Quarterback. Newton ist erst 31 Jahre alt und in einer Liga, die eigentlich konstant auf der Suche nach Quarterbacks ist, hätte diese Offseason für ihn kaum unglücklicher verlaufen können.

Der Umbruch in Carolina, die eigenen Verletzungsfragezeichen, die persönlichen Verbindungen wie etwa bei Foles und den Bears - im Vakuum betrachtet ist Newton der deutlich bessere Quarterback und hätte keinen Trade-Preis gekostet - oder eben die Tatsache, dass Spieler wie Dalton und Winston bereit waren, vorübergehend in eine Backup-Rolle zu rutschen: Eine Verkettung verschiedener Umstände.

Doch so ist Newton noch auf dem Markt, und inzwischen muss man die GMs der Teams schon kritisch hinterfragen, dass sie Newton nicht wenigstens für ein Jahr holen. Sei es als Elite-Backup oder eben auch mit der Chance, womöglich mittelfristig als Starter zu übernehmen. Was den eingebrochenen Marktwert sowie den Verlauf der ganzen Offseason angeht ist Newton in jedem Fall einer der größten Verlierer.

Dwayne Haskins, Quarterback - Washington Redskins

Ein Thema mit jungen Quarterbacks ist immer die Frage: Wie bereitwillig versucht das Team, ideale Umstände zu kreieren - einmal um die Entwicklung des Quarterbacks zu unterstützen, aber auch, um ihn bestmöglichst einschätzen zu können? Die Bills und Ravens kann man derzeit als positive Paradebeispiele in dieser Disziplin bezeichnen, die Cardinals und Browns bringen sich ebenfalls in eine gute Ausgangslage.

Die Jets dagegen waren bisher in der NFL-Karriere von Sam Darnold eher ein negatives Beispiel - und Washington befindet sich aktuell auf einem ähnlichen Pfad mit Haskins. Dass Trent Williams nicht mehr für die Redskins spielen würde, dürfte kaum noch jemanden überrascht haben; die Offensive Line ist dennoch auf dem Papier schlechter als im Vorjahr.

Das Wide Receiver Corps war letztes Jahr über weite Strecken eine One-Man-Show namens Terry McLaurin und auch hier sucht man, abgesehen von Viertrunden-Pick Antonio Gandy-Golden, Verstärkungen vergebens. Insbesondere Verstärkungen, die sofort weiterhelfen würden. Und auch das Tight End Corps sieht deutlich schlechter aus als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, während Haskins gleichzeitig im zweiten NFL-Jahr die zweite Offense lernen muss, bedingt durch den Wechsel im Trainerstab.

Haskins hat einige positive Punkte in seiner Rookie-Saison gezeigt und hat das Potenzial, um sich in einen guten Starter zu entwickeln. Die Umstände in Washington, wie sich aktuell darstellen, werden ihm dabei aber nur sehr bedingt helfen.

Mehr bei SPOX: Power Ranking nach Draft und Free Agency: Ein neuer König des Nordens?

Lesen Sie auch