NFL: Draft-Grades: Steals, Quarterbacks, große Fragezeichen

Der Draft ist vorbei, die Kader der 32 Teams für die kommende Saison nehmen zunehmend Gestalt an. SPOX blickt auf die Draft-Klasse eines jeden Teams - und erklärt, wer warum überzeugt hat: Die Draft-Grades 2017!

Der Draft ist vorbei, die Kader der 32 Teams für die kommende Saison nehmen zunehmend Gestalt an. SPOX blickt auf die Draft-Klasse eines jeden Teams - und erklärt, wer warum überzeugt hat: Die Draft-Grades 2017!

Seite 1: Von Arizona bis Cleveland

(Anmerkung: Die 32 Teams sind in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet)

Arizona Cardinals
Erster Pick: Haason Reddick, LB, Temple
Zweiter Pick: Budda Baker, S, Washington

Sehr guter Draft in Arizona - mit einem Schönheitsfleck: Die Tatsache, dass die Cardinals erneut keinen Quarterback geholt und scheinbar kein Interesse an einem Trade nach oben gezeigt haben, ist zumindest überraschend. Ansonsten aber eine richtig starke Draft-Klasse: Reddick (Edge-Rusher/ILB) und Baker (Safety/Slot-Corner) zuzuschauen macht nicht nur Spaß, sie geben den Cardinals enorme Explosivität und Flexibilität. Beide dürften früh und häufig mit Bucannon und Mathieu gleichzeitig auf dem Platz stehen, und es Offenses extrem schwer machen, die Defense vor dem Snap zu lesen. Guard Dorian Johnson (4. Runde) ist ein Steal und sollte früh spielen, Tackle Will Holden (5. Runde) kann rechts und links auflaufen. Dazu gab es mit Chad Williams (3. Runde) einen physischen Receiver mit enormem Upside, dessen Draft-Aktie seit einigen Wochen massiv stieg, sowie mit T.J. Logan (5. Runde) womöglich endlich einen vernünftigen Returner.

SPOX-Note: 1-

Atlanta Falcons

Erster Pick: Takkarist McKinley, Edge, UCLA
Zweiter Pick: Duke Riley, LB, LSU

Pass-Rusher und Guard waren die größten Needs in einem insgesamt äußerst starken Kader, beide adressierte Atlanta innerhalb der ersten drei Picks: McKinley, der die Bühne in der ersten Runde emotional stürmte, hatte letzte Saison 16 Sacks, ist wahnsinnig explosiv und grundsolide gegen den Run. Guard Sean Harlow (4. Runde) sollte zumindest im Run Game sofort weiterhelfen. Der Riley-Pick in der dritten Runde überraschte etwas, einfach weil Atlanta mit Deion Jones und De'Vondre Campbell bereits zwei junge, athletische Linebacker hat. Dazu kam aber ein möglicher Steal: Cornerback Damontae Kazee in der fünften Runde. Keine "Wow-Picks", aber rundum wenig zu meckern.

SPOX-Note: 2

Baltimore Ravens

Erster Pick: Marlon Humphrey, CB, Alabama
Zweiter Pick: Tyus Bowser, Edge, Houston

Vielleicht am überraschendsten war bei den Ravens die Fokussierung auf die Defense - die ersten vier Picks gingen allesamt in diese Seite des Balls, offensive Skill-Player gab es überhaupt nicht. Humphrey sollte als Nummer-2-Corner sofort spielen, ist vor allem in Zone Coverage zuhause. Hatte aber merkliche Probleme mit langen Pässen, was seine Statistiken nach unten zieht - womöglich auch ein Speed-Problem. Danach wurde die Pass-Rush-Baustelle adressiert: Bowser ist noch roh, aber wahnsinnig athletisch mit den berüchtigten "Edge-Bender"-Qualitäten. 22,5 Sacks gelangen ihm im College, glänzte bei der Combine. DT Chris Wormley (3. Runde) bringt als Interior-Rusher enorme Power und Explosivität mit und OLB Tim Williams sollte zumindest als reiner Pass-Rusher ab Week 1 helfen. Der erste Offense-Pick könnte ein Steal sein: Nico Siragusa (4. Runde) ist schon jetzt ein sehr kompletter Guard.

SPOX-Note: 2+

Buffalo Bills

Erster Pick: Tre'Davious White, CB, LSU
Zweiter Pick: Zay Jones, WR, East Carolina

Einen zusätzlichen Erstrunden-Pick im kommenden Jahr abgestaubt - und trotzdem noch Value in der ersten Runde mitgenommen: White sollte mindestens im Slot sofort eine immense Verstärkung darstellen, ein aggressiver, instinktiver Spieler. Ich hatte die Bills mit einem physischen Receiver in der ersten Runde auf dem Zettel, den hat sich Buffalo in der zweiten Runde geholt: Jones war im College ein Target-Monster underneath, sehr stark am Catch Point. Sollte eine sehr gute Ergänzung zu Sammy Watkins darstellen. Guard Dion Dawkins (2. Runde) passt mit seiner Physis jedenfalls gut in Buffalos Run-Blocking-Scheme, dazu kommt eine Wildcard: Nathan Peterman (5. Runde) ist zumindest ein guter Backup-Quarterback, auch wenn er physisch klare Limitierungen hat. Der hier häufig zitierte Kirk-Cousins-Vergleich passt durchaus, Peterman liest die Defense, bewegt sich gut in der Pocket, einfach solide. Die mangelnde Armstärke aber führt häufiger zu riskanten Würfen, dazu kommen noch sichtbare Ungenauigkeiten. Was Stärken und Schwächen angeht verglichen mit Tyrod Taylor und Cardale Jones ein ganz anderer Quarterback.

SPOX-Note: 2

Carolina Panthers

Erster Pick: Christian McCaffrey, RB, Stanford
Zweiter Pick: Curtis Samuel, RB/WR, Ohio State

Das bei den Cardinals angesprochene Phänomen trifft auch auf Carolina zu: Weg von Spielern mit starren Positionen, hin zu Flexibilität, allerdings sprechen wir bei den Panthers dabei von der Offense. Nachdem Carolina jetzt für mehrere Jahre primär auf große, physische Receiver gesetzt hat, um Cam Newton Spieler mit großem Catch-Radius zu geben, stehen McCaffrey und Samuel für ein Umdenken: Vielseitige, agile, explosive Spieler, die Newton aus dem Slot heraus den schnellen Pass und Yards nach dem Catch ermöglichen - und McCaffrey ist ganz nebenbei noch ein richtig guter Running Back. Beide gemeinsam auf dem Platz sollten auch die alljährlichen Probleme in der O-Line etwas kaschieren. Dabei dürfte auch Guard Taylor Moton (2. Runde) eine größere Rolle spielen, Pro Football Focus hat ihn bei nur zwei zugelassenen QB-Hits und sechs Hurries über 443 Snaps letzte Saison. Edge-Rusher Daeshon Hall (3. Runde) und Cornerback Corn Elder (5.) machen die Rotation stärker und passen ins Scheme.

SPOX-Note: 2+

Chicago Bears

Erster Pick: Mitchell Trubisky, QB, North Carolina
Zweiter Pick: Adam Shaheen, TE, Ashland

Aufgrund des spektakulären Trades, um Mitchell Trubisky zu holen, ist es schwierig, den Bears-Draft vernünftig einzuschätzen. Prinzipiell habe ich kein Problem damit, wenn Teams für ihren Wunsch-Quarterback etwas riskieren - aber in Kombination mit der Verpflichtung von Mike Glennon einfach eine merkwürdige Entscheidung. Vor allem jedoch wurde es anschließend nicht wirklich besser, denn Tight End Adam Shaheen (2. Runde) ist eine komplette Wildcard: Potential ist da, insgesamt aber schlicht extrem roh, während Safety Eddie Jackson (4. Runde) den Großteil der vergangenen Saison verpasst hat. Gut möglich, dass die Bears mindestens von ihren beiden Top-Picks in diesem Draft in der kommenden Saison nichts haben.

SPOX-Note: 4

Cincinnati Bengals

Erster Pick: John Ross, WR, Washington
Zweiter Pick: Joe Mixon, RB, Oklahoma

Talent schlägt Bedenken - so könnte man den Bengals-Draft kurz und knapp zusammenfassen. Das war gleich mehrfach der Fall: Bei Ross - mein persönlicher Nummer-1-Receiver im Vorfeld - sind es nach mehreren College-Verletzungen Bedenken medizinischer Natur. Bleibt er fit, hat Cincy eine tolle Waffe gegenüber von A.J. Green. Mixons Geschichte dürfte inzwischen jeder kennen, er muss beweisen, dass er sich, nachdem er vor einigen Jahren eine Frau zu Boden geschlagen hat, tatsächlich geändert hat. Sportlich könnte er in zwei Jahren der beste Back dieser Klasse sein. Carl Lawson (4. Runde) hatte ich trotz Inkonstanz höher gesehen, auch hier kommen aber Verletzungsprobleme dazu. Dafür gelang mit dem hochproduktiven Pass-Rusher Jordan Willis (3. Runde) ein möglicher Steal. Schwer greifbare Draft-Klasse, in jedem Fall aber mit enormem Potential - aber eben auch mit hohem Risiko.

SPOX-Note: 2

John Ross im Porträt: Snoop Dogg und der schnellste Mann der NFL

Cleveland Browns

Erster Pick: Myles Garrett, Edge, Texas A&M
Zweiter Pick: Jabrill Peppers, S, Michigan

Wie schon letztes Jahr eine Vielzahl an Picks, wie schon letztes Jahr via Trade noch mehr Picks daraus gemacht. Insgesamt gefällt mir die Klasse: Kein Quatsch an eins, sondern mit Myles Garrett der beste Spieler, der zudem einen Need abdeckt. Peppers sehe ich besser als manche andere, sofern er in der NFL die richtige Rolle bekommt. Tight End David Njoku (1. Runde) erinnert an Jordan Reed und ist unglaublich stark nach dem Catch, muss im Blocking besser werden. Außerdem gefällt, dass Cleveland auf einen QB gewartet und dann DeShone Kizer Mitte der zweiten Runde bekommen hat. Kizer wird eine Weile brauchen, bis er seine fraglos vorhandenen Qualitäten auch konstant abrufen kann - als Projekt-QB für Hue Jackson aber spannend, sofern er nicht sofort ins kalte Wasser geworfen wird. D-Liner Larry Ogunjobi könnte, neben Garrett, Peppers und Njoku, ein vierter sofortiger Starter aus dieser Klasse sein. Unglaubliche Power, die er schlau einsetzt. Kritik muss es für den Pick von Caleb Brantley (6. Runde) geben: Ein talentierter D-Liner, der vor nicht einmal drei Wochen aber eine Frau geschlagen haben soll. Die Browns haben jedoch immerhin bereits angekündigt, dass sie Brantley gegebenenfalls direkt entlassen, falls die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen.

SPOX-Note: 1-

Seite 2: Von Dallas bis Kansas City

Dallas Cowboys

Erster Pick: Taco Charlton, Edge, Michigan
Zweiter Pick: Chidobe Awuzie, CB, Colorado

Defensive Backs und Pass-Rusher waren die großen Needs in Dallas - prompt gab es mit den ersten sechs Picks drei Cornerbacks, einen Safety und natürlich Edge-Rusher Taco Charlton. Der sollte Dallas endlich wieder eine Pass-Rush-Präsenz geben, die Offenses gezielt beachten müssen. Awuzie passt super in Dallas' Defense und wird direkt starten, ein sehr guter Corner mit Blitzing-Qualitäten. Safety Xavier Woods (6. Runde) kann als tiefer Safety, aber auch in der Nähe der Line of Scrimmage eingesetzt werden. Ein anderer persönlicher Favorit: Receiver Ryan Switzer (4. Runde). Sehr gute Cuts, schnell vom Snap weg, bei Underneath-Pässen immer wieder frei. Äußerst produktiver Slot-Receiver, wo er auch in der NFL spielen dürfte.

SPOX-Note: 2+

Denver Broncos

Erster Pick: Garett Bolles, OT, Utah
Zweiter Pick: DeMarcus Walker, Edge, FSU

Dass Denver einen O-Liner draften würde, war ungefähr so sicher, wie dass die Patriots Picks traden. Mit Bolles kommt zwar ein sehr guter Run-Blocker, Pass-Protection ist allerdings definitiv noch ausbaufähig. Dennoch sollte er die Line direkt besser machen. Walker ist ein technisch solider, athletisch limitierter Spieler, über dessen Rolle ich mir in Denver noch unsicher bin. Receiver Carlos Henderson (3. Runde) habe ich persönlich später gesehen, auch wenn er als Returner zusätzlichen Wert bringt. Plus-Punkte gibt es definitiv für Tight End Jake Butt (5. Runde) und Quarterback Chad Kelly, dem ich, rein vom Tape her, einiges zutraue. Vorausgesetzt natürlich, er lässt die Ausraster abseits des Platzes hinter sich.

SPOX-Note: 3+

Detroit Lions

Erster Pick: Jarrad Davis, LB, Florida
Zweiter Pick: Teez Tabor, CB, Florida

Den erhofften Pass-Rusher gab es nicht, den anderen großen Need hat Detroit dafür direkt adressiert: Davis macht die Lions-Defense sofort besser, mit seiner Geschwindigkeit hat er eine enorme Reichweite und kann sowohl als Blitzer, als auch in Coverage eingesetzt werden. Bei Tabor gibt es Fragen angesichts seiner schlechten Sprint-Zeiten, auf Tape aber ein sehr physischer Cornerback, der seltener geschlagen wird, als andere, die vor ihm gedraftet wurden. Nach diesem soliden Auftakt aber regieren Fragezeichen: Linebacker Jalen Reeves-Maybin (4. Runde) hat schlechte Tackling- und Coverage-Werte, Receiver Kenny Golladay in der dritten Runde scheint sehr früh. Besser gefällt da Quarterback Brad Kaaya in der sechsten Runde. Kaaya ist ein Pocket-Passer, der Defenses lesen und durch seine Reads gehen kann.

SPOX-Note: 3

Green Bay Packers

Erster Pick: Kevin King, CB, Washington
Zweiter Pick: Josh Jones, S, NC State

Secondary und Running Back standen bei den Packers unter anderem ganz oben auf der Need-Liste - das scheinen die Verantwortlichen ähnlich gesehen zu haben: Erstmals seit 1974 hat Green Bay drei Running Backs in einem Draft geholt, wenn auch keinen vor der vierten Runde (Jamaal Williams). Die ersten beiden Picks gingen derweil in die Secondary: Kevin King in der zweiten Runde ist ein super Pick, ein physischer Cornerback mit großer Reichweite. Jones hat selbst eine Cornerback-Vergangenheit, ist gut gegen den Run sowie in Coverage und ein harter Hitter. Gute Explosivität auf kurze Distanz. Vince Biegel (4. Runde) ist ein blitzschneller Pass-Rusher, der allerdings physisch in der NFL Probleme bekommen könnte. Value gab es in der siebten Runde: Receiver Malachi Dupree ist eine gefährliche Downfield-Waffe, auch wenn er im Route-Running noch sehr roh ist.

SPOX-Note: 2+

Houston Texans

Erster Pick: Deshaun Watson, QB, Clemson
Zweiter Pick: Zach Cunningham, LB, Vanderbilt

Wie bereits erwähnt habe ich persönlich grundsätzlich kein Problem damit, wenn Teams für ihren Quarterback aggressiv hoch traden. Houston brauchte dringend einen Quarterback, Deshaun Watson ist in dieser Klasse wohl derjenige, der am ehesten früh spielen kann: Geduldig in der Pocket, technisch gut, gefährlicher Runner, viel Erfahrung. Hatte allerdings auch sehr viele One-Read-Plays und Run-Pass-Options, Genauigkeit ist inkonstant. Cunningham sollte ebenfalls früh viel spielen, schon jetzt ein sehr kompletter sowie physisch hochtalentierter Linebacker. Dazu kommt mit Carlos Watkins (4. Runde) ein guter D-Liner sowie mit D'Onta Foreman (3. Runde) ein trotz seiner Größe beachtlich agiler, explosiver Running Back. Hatte im College überhaupt keine Rolle im Passing Game, doch für den Job neben Lamar Miller eine gute Wahl.

SPOX-Note: 2

Indianapolis Colts

Erster Pick: Malik Hooker, S, Ohio State
Zweiter Pick: Quincy Wilson, CB, Florida

Dass Hooker, mit seiner Mischung aus Speed, Antizipation und guten Reads der beste Free Safety dieser Klasse, so weit in der ersten Runde fallen würde, hätte ich nie gedacht - die Colts dürfte es gefreut haben. Dazu noch Wilson, ein aggressiver Cornerback: Indy hat mit den ersten beiden Picks mal eben eine halbe Starting-Secondary geholt. Und womöglich haben die Colts auch ihren Nachfolger für Frank Gore gefunden, mir hat Marlon Mack (4. Runde) auf Tape jedenfalls gut gefallen: Sehr agil, gute Balance, dabei schnell (sechs von 15 TD-Runs 2016 waren 43 Yards oder länger) und ein verlässlicher Pass-Catcher. Pass-Rusher Tarell Basham (3. Runde) ist nicht nur explosiv, sondern hat auch eine ordentliche Portion Power.

SPOX-Note: 1-

Jacksonville Jaguars

Erster Pick: Leonard Fournette, RB, LSU
Zweiter Pick: Cam Robinson, OT, Alabama

Eine Draft-Klasse, mit der ich überhaupt nicht warm werde - obwohl ich Leonard Fournette als Nummer-1-RB dieser Klasse eingestuft hatte. Fournette, ein fantastischer Downhill-Runner, sollte Druck von Bortles nehmen und der Offense eine neue Dimension geben. Aber sonst? Robinson (2. Runde) mag athletisch alles mitbringen, ist aber technisch noch extrem inkonstant. Dede Westbrook (4. Runde) ist zwar schnell, war im College sehr produktiv (4,08 Yards pro gelaufener Route 2016) und hat einige gute Tapes, ist aber abseits des Platzes ein riesiges Fragezeichen, wurde mehrfach der häuslichen Gewalt beschuldigt. Da hilft es wenig, dass Jaguars-Geschäftsführer Dave Caldwell darauf erwiderte: "Vielen von uns wurden bereits Dinge vorgeworfen." Kopfschütteln ist angebracht, und das nicht nur, weil Receiver nicht unbedingt Jacksonvilles oberste Baustelle war. Linebacker Blair Brown (5. Runde) hat große Schwächen gegen den Pass, Dawuane Smoot (3. Runde) Probleme gegen den Run.

SPOX-Note: 3-

Kansas City Chiefs

Erster Pick: Patrick Mahomes, QB, Texas Tech
Zweiter Pick: Tanoh Kpassagnon, Edge, Villanova

Das dritte Team, das mit hohem Risiko die Quarterback-Karte gewählt hat - was die Einordnung der Klasse erschwert. Mahomes war perspektivisch der Nummer-1-QB auf meinem Board, unter der Prämisse, dass er in der NFL mutmaßlich zwei Jahre brauchen wird, um Pocket-Verhalten und Beinarbeit zu lernen. Die sollte er in KC hinter Alex Smith bekommen, und Andy Reid ist nicht der schlechteste Lehrmeister. Pluspunkte gibt es für die beiden darauf folgenden Picks: Running Back Kareem Hunt (3. Runde) hat mir auf Tape sehr gut gefallen, zeigt Balance, Power und spektakuläre Cuts, gepaart mit guter Vision. Ein 3-Down-Back, der bei den Chiefs früh spielen sollte. Schon in der zweiten Runde schnappte sich KC Kpassagnon, ein physisches Monster, der mit besserer Technik in der NFL dominieren könnte.

SPOX-Note: 2-

Seite 3: Von Los Angeles bis New York

Los Angeles Chargers

Erster Pick: Mike Williams, WR, Clemson
Zweiter Pick: Forrest Lamp, G, Western Kentucky

Guard, Receiver und Safety hatte ich bei den Chargers als größte Needs ausgemacht - die ersten vier Picks: Williams, Lamp, Guard Dan Feeney und Safety Rayshawn Jenkins. In dieser Hinsicht also bereits ein Pluspunkt, genau wie der Value: Lamp in der zweiten Runde sowie Cornerback Desmond King in Runde fünf sind sehr gute Picks und auch Feeney könnte früh spielen. Williams dürfte derweil sehr gut in die Offense passen: Ein extrem physischer Jump-Ball-Receiver mit einem riesigen Catch-Radius, der eine echte Downfield-Waffe ist. Philip Rivers gefällt das.

SPOX-Note: 1-

Los Angeles Rams

Erster Pick: Gerald Everett, TE, South Alabama
Zweiter Pick: Cooper Kupp, WR, Eastern Washington

Das Ziel bei den Rams, die keinen Erstrunden-Pick hatten, war klar erkennbar: Unterstützung für Jared Goff muss her. Das sollte zumindest einigermaßen gelungen sein: Everett ist noch sehr roh, sollte als Receiver aber früh glänzen. Das gilt auch für Slot-Maschine Kupp, der vor allem gegen Zone Coverage immer wieder Lücken findet, während Josh Reynolds (4. Runde) wohl als Outside-Deep-Threat eingeplant ist. Unter dem Strich stehen mehrere Picks, dazu gehört auch Safety John Johnson, die in die Kategorie "solide" fallen - mehr aber eher nicht.

SPOX-Note: 3+

Miami Dolphins

Erster Pick: Charles Harris, Edge, Missouri
Zweiter Pick: Raekwon McMillan, LB, Ohio State

Pass-Rush, Linebacker, Guard - das waren meine drei Top-Needs bei den Dolphins, und die haben sie adressiert: Harris ist unglaublich explosiv und kann eine herausragende College-Produktion vorweisen (10 Sacks, 18 QB-Hits, 34 QB-Hurries 2016), er sollte neben Ndamukong Suh und Cam Wake früh auch in Miami glänzen. Voraussetzung allerdings: Er steigert sich noch deutlich gegen den Run. Bei McMillan fällt die Fähigkeit auf, Plays richtig zu lesen und dementsprechend die Line zu attackieren. Cornerback Cordrea Tankersley in der dritten Runde ist in meinen Augen ein Steal, Guard Isaac Asiata (5. Runde) wird sofort im Running Game helfen - und das sollte auch 2017 die Offense-Identität der Dolphins sein.

SPOX-Note: 2+

Minnesota Vikings

Erster Pick: Dalvin Cook, RB, FSU
Zweiter Pick: Pat Elflein, C, Ohio State

Wie die Rams hatte auch Minnesota keinen Pick in der ersten Runde, die Value-Bewertung allerdings fällt bei den Vikings ganz anders aus. Dalvin Cook hätte auch in der ersten Runde gehen können, mir gefällt er in der zweiten besser: Probleme mit Fumbles und in Pass-Protection sowie Bedenken abseits des Platzes sollte man nicht ignorieren - genauso wenig wie allerdings seine herausragende Vision, Geduld und Explosivität. Elflein gilt nicht nur als toller Leader, gerade im 2016 so desolaten Run-Blocking wird er den Vikes sofort weiterhelfen. Weitere gute Picks: D-Liner Jaleel Johnson, der Sharrif Floyd ersetzen dürfte, sowie Tight End Bucky Hodges (6. Runde): Ein noch roher Spieler, der zunächst vor allem als großer Slot-Receiver eingesetzt werden könnte - da aber schon jede Menge Potential mitbringt.

SPOX-Note: 2+

New England Patriots

Erster Pick: Derek Rivers, Edge, Youngstown State
Zweiter Pick: Antonio Garcia, OT, Troy

Brandin Cooks, Kony Ealy, Mike Gillislee, Dwayne Allen - die rundum aggressive Offseason der Patriots muss in die Draft-Bewertung wenigstens ein Stück weit mit einfließen, hatte New England nach mehreren Trades doch nur vier Picks im Draft sowie keinen vor der dritten Runde. Der aber wurde prompt gut investiert, nämlich in den größten Need (Pass-Rush) und in einen vielversprechenden Spieler: Rivers ist ein herausragender Athlet, der schon jetzt auch gegen den Run glänzt und so früh Snaps sehen dürfte. Garcia, der nur zwei Picks nach Rivers ging, bringt sehr gute Agilität und Balance mit, Pass-Rusher Deatrich Wise (4. Runde) beachtliche College-Statistiken. Die Pats haben aus ihrem geringen Kapital ohne Frage viel gemacht.

SPOX-Note: 2+

New Orleans Saints

Erster Pick: Marshon Lattimore, CB, Ohio State
Zweiter Pick: Ryan Ramczyk, OT, Wisconsin

Zwei Dinge stechen beim Saints-Draft negativ raus: Einerseits haben sie es verpasst, in der ersten Runde ihre Wunschspieler zu holen - das gilt vor allem für Linebacker Reuben Foster am Ende der ersten Runde, der dieser Defense wahrlich geholfen hätte. Andererseits ging New Orleans in diesen Draft mit dem Ziel, die Defense zu verbessern. Stattdessen gab es einen Offensive Tackle in der ersten sowie einen teuren Trade nach oben für Running Back Alvin Kamara in der dritten Runde. Ein guter Spieler, keine Frage - neben Mark Ingram und dem gerade verpflichteten Adrian Peterson aber eher in der Kategorie "Luxus-Pick" zuhause. Die Pass-Rusher-Baustelle bleibt stattdessen ein großes Problem. Pluspunkte dagegen dafür, mit Marshon Lattimore den besten Cornerback der Klasse abgestaubt sowie mit Safety Marcus Williams (2. Runde) einen sehr guten Tackler geholt zu haben. Ramczyk macht die O-Line perspektivisch fraglos besser.

SPOX-Note: 2-

New York Giants

Erster Pick: Evan Engram, TE, Ole Miss
Zweiter Pick: Dalvin Tomlinson, DL, Alabama

Der Draft der Giants hat mich gelinde gesagt überrascht: Tight End war zwar ein Need und Engram ist als Receiver bereits eine echte Waffe sowie der berühmte "Matchup-Problem-Spieler", im Run-Blocking allerdings hat er noch deutliche Probleme. Tomlinson in der zweiten Runde war auf meinem Zettel ein Reach, dürfte als Ersatz für Johnathan Hankins eingeplant sein. Ein Linebacker oder Running Back hätte hier allerdings mehr Sinn gemacht. Das lässt sich auch auf die dritte Runde ausweiten, wo Quarterback Davis Webb kam. Guter Deep-Ball, keine Angst vor Pressure, glänzte in den Interviews - gleichzeitig aber auch kaum Reads, kaum Versuchen, Verteidiger mit den Augen zu manipulieren, viele Screens und vor dem Wurf festgelegte Pässe. Ein Projekt-Quarterback mit offenem Ausgang.

SPOX-Note: 3

New York Jets

Erster Pick: Jamal Adams, S, LSU
Zweiter Pick: Marcus Maye, S, Florida

Super Pick in der ersten Runde! Adams ist ein toller Spieler, instinktiv, unglaublich agil, ein Matchup-Spieler rund um die Line of Scrimmage. Kann Nickel-Cornerback und Safety spielen, stark auch gegen den Run. Ein No-Brainer-Pick an dieser Stelle. Danach gefiel noch Receiver Chad Hansen (4. Runde), der New York eine Deep-Threat mit großem Catch-Radius gibt. Ansonsten aber auch einige Fragezeichen: Maye dürfte primär ein Box-Safety sein, bis er sich in Coverage gesteigert hat. Und die größte Baustelle - Cornerback - adressierte New York in einem Draft mit jeder Menge Talent auf der Position erst in der sechsten Runde.

SPOX-Note: 3+

Seite 4: Von Oakland bis Washington

Oakland Raiders

Erster Pick: Gareon Conley, CB, Ohio State
Zweiter Pick: Obi Melifonwu, S, Connecticut

Conley ist ein sehr guter Outside-Cornerback und früher Starter - vorausgesetzt die Vergewaltigungs-Vorwürfe einer Frau unmittelbar vor dem Draft entpuppen sich tatsächlich als falsch. Ein riskanter Erstrunden-Pick. Melifonwu ist hochinteressant, ein riesiger Safety, der auch Cornerback spielen könnte. Sensationeller Athlet, absolut verlässlicher Tackler und gut gegen den Run. Muss sich in Zone Coverage allerdings noch steigern. Sonst? D-Liner Eddie Vanderdoes (3. Runde) ist ein guter Interior-Rusher und sollte früh Snaps sehen, das könnte zwangsläufig aufgrund des weiter vorhandenen Needs auch für Linebacker Marquel Lee (5. Runde) gelten. Womöglich zu früh.

SPOX-Note: 3+

Philadelphia Eagles

Erster Pick: Derek Barnett, Edge, Tennessee
Zweiter Pick: Sidney Jones, CB, Washington

Toller Draft für die Eagles! Barnett ist ein extrem guter Edge-Defender, ob gegen den Run, oder gegen den Pass. Er ist zwar nicht in der Nähe von etwa Myles Garretts Athletik, aber sein Tape zeigt, wozu er in der Lage ist: Kommt sehr eng um den Tackle herum, zusammen gerechnet 37 Sacks und QB-Hits 2016 sind der Top-Wert. Harter Tackler, extrem gute Hände. Sidney Jones wäre ohne Frage ein Top-3-Cornerback gewesen, hätte er sich nicht beim Pro Day die Achillessehne gerissen - soll aber im Laufe der Saison womöglich spielen können. Dazu kommt Rasul Douglas (3. Runde), ein grundsolider Corner, der physisch alles mitbringt und letzte Saison acht Picks hatte, sowie Receiver Mack Hollins: Deep-Threat mit 20,6 Yards pro Catch und unfassbaren 20 TDs bei nur 71 Catches. Ebenfalls in der vierten Runde kam mit Donnel Pumphrey ein Darren-Sproles-Klon, der mir sehr gut gefällt und dessen explosives, elektrisierendes Tape jedem Eagels-Fan ans Herz gelegt sei. Selbst D-Liner Elijah Qualls (6. Runde) ist ein Value-Pick.

SPOX-Note: 1

Pittsburgh Steelers

Erster Pick: T.J. Watt, Edge, Wisconsin
Zweiter Pick: JuJu Smith-Schuster, WR, USC

Ich tue mich noch etwas schwer mit dem Steelers-Draft. Watt ist ein vielseitiger Edge-Spieler, ob gegen den Run, oder den Pass - wird aber erst zeigen müssen, wie er mit NFL-Tackles klar kommt und dass die letzte Saison, seine einzige mit wirklich hoher Produktion, nicht nur eine Ausnahme war. Smith-Schuster zeigt einerseits Highlight-Catches, andererseits leichtfertige Drops und verliert trotz seiner Physis häufiger beim Catch. Gleichzeitig aber auch tolles Tape bei Pässen über die Mitte, wo seine Explosivität durchkommt. James Conner in der dritten Runde ist nicht nur eine tolle Story, sondern auch ein sehr interessanter Backup zu Le'Veon Bell sowie möglicherweise in ein bis zwei Jahren ein Steal. Cornerback Cameron Sutton (3. Runde) ist inkonstant, Quarterback Joshua Dobbs sehe ich noch auf Jahre nicht als NFL-Passer.

SPOX-Note: 2-

San Francisco 49ers

Erster Pick: Solomon Thomas, Edge, Stanford
Zweiter Pick: Reuben Foster, LB, Alabama

Bonuspunkte gibt es für den spektakulären Erstrunden-Trade mit den Bears, von dem die Niners auch 2018 noch profitieren werden. Weitere Bonuspunkte dafür, Reuben Foster am Ende der ersten Runde abgestaubt zu haben - rein sportlich der beste All-Around-Linebacker dieser Klasse, sollte er die Bedenken abseits des Platzes sowie die Schulterprobleme im Griff haben. Solomon Thomas' Tape war eines der besten, das ich gesehen habe: Explosiv, liest Plays richtig und zerstört sie immer wieder im Backfield. Die große Frage allerdings, wie die Niners ihn, Armstead und Buckner zusammen unterbringen - womöglich muss Thomas als Edge-Rusher ran. Ansonsten: Akhello Witherspoon (3. Runde) ist ein (für Receiver) sehr unangenehmer Corner, Joe Williams (4. Runde) ein gefährlicher Speed-Running-Back. Abzug gibt's für Quarterback C.J. Beathard in der dritten Runde, der außer Armstärke nicht viel mitbringt. Insgesamt aber ein super Draft von GM-Rookie John Lynch.

SPOX-Note: 1-

Seattle Seahawks

Erster Pick: Malik McDowell, DL, Michigan State
Zweiter Pick: Ethan Pocic, C, LSU

Seattles Late-Rounder haben mich teilweise etwas überrascht, genau wie die Entscheidungen gegen manche verfügbaren Spieler in der zweiten und dritten Runde. Unter dem Strich hätte die Note auch noch mehr Richtung 3 gehen können, McDowell aber ist für mich definitiv ein Pluspunkt: Im College teilweise ein Monster gegen den Run und den Pass - Betonung allerdings leider auf "teilweise". Bekommen es die Seahawks hin, diese Leistungen konstant aus ihm raus zu kitzeln, könnte sich McDowell als Steal entpuppen. Nazair Jones (3. Runde) wird gegen den Run früh helfen, Cornerback Shaquill Griffin (3. Runde) ein Upside-Pick. Potentiell ein toller, physischer Press-Corner mit einem unbestreitbaren Gespür für den Ball, muss aber ebenfalls deutlich konstanter werden (ließ sechs Touchdowns in Coverage zu).

SPOX-Note: 2-

Tampa Bay Buccaneers

Erster Pick: O.J. Howard, TE, Alabama
Zweiter Pick: Justin Evans, S, Texas A&M

Einer der wohl größten Steals in der ersten Runde gehörte den Bucs: Nicht wenige hatten O.J. Howard als Top-10-Pick eingestuft, aufgrund des Quarterback- und Receiver-Runs fiel Howard aber immer weiter. In Tampa könnte er früh einen Unterschied ausmachen: Enorme Physis, riesiger Catch-Radius, beachtliche Geschwindigkeit und Beweglichkeit - Howard ist ein All-Around-TE, der schon solide blocken und in der NFL ein Mismatch-Spieler werden kann. Mit Chris Godwin kam in der dritten Runde eine weitere Waffe: Ein Deep-Threat mit 14 Catches, 504 Yards und sieben Touchdowns bei Pässen von wenigstens 20 Yards. Tampa könnte 2017 eine spektakuläre Passing-Offense aufs Parkett bringen. Ansonsten: Evans ist ein Safety mit Reichweite und tollen Cover-Fähigkeiten, der vielseitige Running Back Jeremy McNichols in der fünften Runde ein weiterer Steal.

SPOX-Note: 1

Tennessee Titans

Erster Pick: Corey Davis, WR, Western Michigan
Zweiter Pick: Adoree' Jackson, CB, USC

Davis mit dem fünften Pick war sehr hoch, auch wenn der vielleicht beste Route-Runner dieser Klasse in Tennessee den größten Need erfüllt. Jackson hat von 2015 auf 2016 einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Kein sonderlich physischer Corner, könnte aber früh im Slot aushelfen. Sollte er outside eingeplant sein, wird er noch Zeit brauchen. Bei Receiver Taywan Taylor (3. Runde) wiederholt sich das Davis-Muster, ein guter Route-Runner, der mit dem Ball in der Hand brandgefährlich ist. Ansonsten positiv: Linebacker Jayon Brown (5. Runde), der in Coverage und als Pass-Rusher glänzt - wichtige Eigenschaften für Linebacker in der heutigen NFL.

SPOX-Note: 2-

Washington Redskins

Erster Pick: Jonathan Allen, DL, Alabama
Zweiter Pick: Ryan Anderson, LB, Alabama

Zum Abschluss noch eine wirklich gute Draft-Klasse: Allen fiel aufgrund seiner Schulter-Probleme, sollten diese, wie Washingtons Ärzte prognostizieren, standhalten, ist es der Steal der ersten Runde. Anderson kam dann etwas früher, als erwartet, der Linebacker ist trotzdem ein sehr guter Spieler. Und sonst so? Running Back Samaje Perine (4. Runde) gibt Washington einen physischen Power-Back, Cornerback Fabian Moreau (3. Runde) passt gut in Washingtons Scheme und Tight End Jeremy Sprinkle (5. Runde) ist eine nette Receiving-Option hinter Jordan Reed und Vernon Davis. Potentieller Steal: Center/Guard Chase Roullier (6. Runde).

SPOX-Note: 1-

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