NFL: Deshalb sind die eigenen Rookies für die Vikings in diesem Jahr besonders wichtig

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Die Minnesota Vikings gingen mit gleich mehreren klaren Baustellen in den Draft, wollen in der kommenden Saison aber dennoch erneut angreifen. Dieses Vorhaben kann gelingen, ist aber in besonderem Maße mit einer großen Unbekannten verknüpft: Der eigenen Rookie-Klasse.

In der jüngeren Vergangenheit zählten die Minnesota Vikings zu den erfolgreicheren Teams der NFL. Die Franchise schloss keine der vergangenen fünf Spielzeiten mit einer negativen Bilanz ab, in den vergangenen drei Jahren erreichten die Vikings zudem dreimal die Playoffs und gewannen dabei zwei Spiele. Im Vorjahr zog Minnesota, wenn auch etwas überraschend, in die Divisional Round ein.

Mit Kirk Cousins verfügt das Team über einen guten Quarterback, Wide Receiver Adam Thielen und Running Back Dalvin Cook zählen zu den besten Spielern auf ihrer Position. Auch defensiv stehen mit Danielle Hunter, Eric Kendricks und Harrison Smith gleich mehrere individuell herausragende Spieler unter Vertrag. Dass der Fokus der Vikings auf dem hier und jetzt - und nicht auf Erfolg in der Zukunft - liegt, dürfte daher niemanden überraschen.

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Erst kürzlich verlängerten die Vikings den Vertrag von Cousins, sodass dieser mindestens zwei weitere Saisons für die Franchise auflaufen wird. Im vergangenen Sommer band man auch den erfahrenen Tight End Kyle Rudolph länger an die Franchise, auch er dürfte mindestens noch zwei weitere Jahre für die Vikings spielen.

NFL: Minnesota Vikings vor dem Draft mit großen Baustellen

Für ein Team mit dieser Qualität und diesen Ansprüchen ging Minnesota allerdings mit überraschend vielen und überraschend großen Baustellen in den Draft. Die Cornerback-Position, über viele Jahre eine der Stärken des Teams, entwickelte sich im Vorjahr zu einer echten Schwachstelle.

Nach den Abgängen von Xavier Rhodes (Entlassung), Trae Waynes (Vertragsende) und Mackensie Alexander (Vertragsende) steht mit Ausnahme von Marcus Sayles, der noch nie einen Snap in der NFL gespielt hat, kein Cornerback, der älter als 23 Jahre ist, im Kader. Zur Einordnung: Zahlreiche Spieler der diesjährigen Rookie-Klasse sind älter.

Auch die Offensive Line könnte, trotz einiger Verbesserungen in der Vorsaison, definitiv weitere Verstärkungen gebrauchen - wie eigentlich in jeder Offseason der vergangenen Jahre.

Durch schwerwiegende Abgänge verwandelten sich darüber hinaus sogar einige der eigentlichen Stärken des Teams in diesem Frühjahr in Problemzonen: Wide Receiver Stefon Diggs, der mehrfach öffentlich mit einem Abgang kokettiert hatte, wurde nach Buffalo getradet und hinterließ somit eine riesige Lücke im Receiving Corps. Pass-Rusher Everson Griffen ließ man zudem aufgrund seines hohen Cap Hits gehen, auch für ihn stand kein adäquater Ersatz im Kader.

NFL: Minnesota Vikings addressieren ihre Schwachstellen

Angesichts dieser offensichtlichen Problemzonen, kam es wenig überraschend , dass Vikings-GM Rick Spielman die eigenen Schwachstellen im Kader aggressiv anging. Minnesota addressierte seine größten Baustellen, ohne allerdings Spieler zu früh auszuwählen und somit für Reaches zu sorgen. Der Franchise gelang es, gleich drei Draft Picks für das kommende Jahr einzustreichen, in fast allen Bewertungen des Drafts erhielten die Vikings eine der besten Noten.

Dass die eigenen Team-Needs bei der Auswahl der Spieler eine große Rolle gespielt haben, lässt sich allerdings unmöglich übersehen. Die Cornerback-Position adressierte Minnesota mit einem Erstrunden- und einem Drittrundenpick, ein Wide Receiver wurde in der ersten Runde ausgewählt, ein Offensive Tackle in der zweiten Runde, die Defensive Line wurde schließlich gleich doppelt in Runde vier angegangen.

Die ersten sechs Picks des Teams wurden somit allesamt in eher schwach besetzte Positionsgruppen investiert.

NFL: Können die Rookies in Minnesota sofort helfen?

Dementsprechend schnell sollen diese Spieler nun allerdings auch helfen können. "Ich habe ein gutes Gefühl bei ihnen", so Vikings-Coach Mike Zimmer über seine beiden neuen Cornerbacks Jeff Gladney und Cameron Dantzler. "Gladney ist tough, Dantzler ist ein großer Typ, der einige einzigartige Fähigkeiten hat. Sie werden die Möglichkeit haben, direkt zu spielen. Wir werden sie darum kämpfen lassen und herausfinden, wer am schnellsten lernen kann."

Sowohl Gladney als auch Dantzler enttäuschten bei der Combine und haben noch so manches Fragezeichen bezüglich ihrer Physis, doch beide könnten Mike Hughes, Holton Hill, Kris Boyd und Co. früh Konkurrenz um die Starterplätze auf der Cornerback-Position machen.

Wide Receiver Justin Jefferson war 2019 auf dem College produktiver als jeder andere Receiver des Landes und gewann mit LSU den nationalen Titel, dementsprechend wenig Eingewöhnungszeit sollte er brauchen. Jefferson kam im Vorjahr fast ausschließlich im Slot zum Einsatz, kann aber ebenso außen aufgestellt werden.

Für die Vikings, die gerne aus 12- (zwei Tight Ends) und 21-Personell (ein Fullback und ein Running Back) agieren, könnte Jefferson somit sogar die bessere Ergänzung zu Adam Thielen, der viel im Slot aufgestellt wird, als ein echter X-Receiver wie Tee Higgins oder Denzel Mims sein. Es ist eine Kombination, die Minnesota offensiv mehr Flexibilität und Variabilität verleihen könnte.

Auch die Viertrundenpicks, Edge Defender D.J. Wonnum und Defensive Tackle James Lynch, könnten schon früh wichtige Snaps spielen. "Ich habe ein gutes Gefühl mit diesen Jungs", so Zimmer, der zudem betont: "Ein noch besseres Gefühl habe ich mit unseren Coaches. Sie werden diese Jungs von Beginn an bereit machen."

NFL: Rookies nur selten eine große Verstärkung

Doch die Pläne der Vikings sind riskant. Tatsächlich brauchen Rookies in der NFL oft eine lange Anlaufzeit, von Beginn an eine echte Verstärkung können nur die wenigsten sein - das gilt selbst für Erstrundenpicks.

Laut Pro Football Focus stellte in den vergangenen fünf Jahren gerade mal ein Viertel aller Erstrundenpicks gleich in ihrer Rookie-Saison eine echte Verstärkung (Definition: mindestens 500 Snaps und eine Note von mindestens 70) für ihr Team dar. In den Runden zwei und drei sank der Anteil dieser Spieler sogar auf gerade mal etwas mehr als zehn Prozent.

Auch bei einem genaueren Blick auf die einzelnen Positionen ergibt sich für die Vikings kein wirklich erfreulicheres Bild: 60 Prozent aller Wide Receiver, die in der ersten Runde ausgewählt werden (wie Jefferson), stellen in ihrer ersten Saison eine zumindest solide Verstärkung (Definition: mindestens 300 Snaps und eine Note von mindestens 60) dar, nur 20 Prozent erfüllen das höhere Kriterium. Bei Cornerbacks (wie Gladney) sind die Zahlen immerhin etwas besser: 74 Prozent spielen in ihrer Rookie-Saison solide, 37 Prozent überdurchschnittlich.

Bei Cornerbacks, die an Tag zwei gedraftet werden (wie Dantzler), fallen diese Werte nochmal deutlich niedriger aus: Nur 38 Prozent sind sofort solide Verstärkungen, gerade mal sechs Prozent kamen auf mindestens 500 Snaps und eine Note von mindestens 70. Bei Offensive Tackles (wie Ezra Cleveland) betragen diese Werte 32 Prozent und 12 Prozent.

Kurz gesagt: Es ist gut möglich, dass ein, zwei oder sogar drei der Rookies gleich von Beginn an eine wichtige Rolle für die Vikings einnehmen, darauf, dass sie gleich von Beginn an eine echte Verstärkung sein können, sollte man sich allerdings nicht verlassen.

NFL: NFC-North-Titel für die Vikings nicht außer Reichweite

Doch trotz der zahlreichen Unbekannten und Fragezeichen im Team erscheint der Division-Sieg in der kommenden Saison für Minnesota keineswegs außer Reichweite: Die Green Bay Packers stehen nach einem der fragwürdigsten Drafts der vergangenen Jahre kaum verbessert da, statistische Werte wie beispielsweise DVOA prognostizieren für das Team zudem ohnehin einen schwächere Bilanz als noch 2019.

Die Chicago Bears haben ihr Quarterback-Problem derweil immer noch nicht völlig zufriedenstellend lösen können, auch Nick Foles ist über eine gesamte Saison wohl allenfalls ein unterdurchschnittlicher Starter. Und die Detroit Lions sind nach nur drei Siegen in der Vorsaison vorerst noch kein Kandidat für die Division-Krone.

Die Serie von Saisons ohne eine negative Bilanz muss für die Vikings somit auch 2020 nicht reißen, Minnesota hat durchaus das Potenzial, um auch in der kommenden Saison einmal mehr erfolgreich zu sein. Noch erscheint so manche Schwäche im Kader aber durchaus gravierend. Die Vikings werden somit starke Leistungen ihrer Rookies brauchen - zumindest von einigen. Darauf scheinen sie angewiesen. Noch stärker als der Rest der NFL.

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