NFL: Rams im Umbruch, Seahawks wackeln: Die NFC West im Kader-Check

SPOX

Mit dem Draft und dem größten Teil der Free Agency im Rückspiegel wird das Bild der 32 Teams klarer: Wie könnten die offensiven und defensiven Startformationen aussehen? Und wo sind dort potenzielle Stärken und Schwächen? SPOX blickt in der Offseason-Starter-Serie auf alle acht Divisions. Heute: Die NFC West.

Seite 1: Die Arizona Cardinals

Für manche sind sie das Hype-Team Nummer eins, andere warnen davor, sich nicht zu sehr blenden zu lassen - und die Wahrheit liegt wie so häufig vermutlich irgendwo in der Mitte: Die Arizona Cardinals sind in jedem Fall eines der spannenderen Teams vor der kommenden Saison, und das liegt vor allem an der Offense.

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Zwar flossen in dieser Offseason mit weitem Abstand deutlich mehr Ressourcen in die Defense, doch alles wurde überschattet von dem Trade für DeAndre Hopkins. Kann er der Katalysator sein, um Kyler Murrays Entwicklung im zweiten Jahr nach vorne zu katapultieren? Kann er womöglich sogar der Schlüssel sein, um Kingsburys Wunsch-Offense doch aufs Feld zu übertragen? Oder wird das Thema der Cardinals-Saison 2020 letztlich doch eher "Übergangsjahr" lauten?

Arizona Cardinals: Starter-Projection Offense

Position

Spieler

Position

Spieler

Quarterback:

Kyler Murray

Left Tackle:

D.J. Humphries

Running Back:

Kenyan Drake

Left Guard:

Justin Pugh

Wide Receiver:

DeAndre Hopkins

Center:

Mason Cole

Wide Receiver:

Christian Kirk

Right Guard:

J.R. Sweezy

Slot-Receiver:

Larry Fitzgerald

Right Tackle:

Marcus Gilbert

Tight End:

Maxx Williams

Arizona Cardinals: Starter-Projection Defense

Position

Spieler

Position

Spieler

Edge:

Devon Kennard

Cornerback:

Patrick Peterson

Defensive Tackle:

Jordan Phillips

Cornerback:

Robert Alford

Defensive Tackle:

Corey Peters

Slot-Cornerback:

Byron Murphy

Edge:

Chandler Jones

Safety:

Budda Baker

Linebacker:

Jordan Hicks

Safety:

Jalen Thompson

Linebacker:

Isaiah Simmons

Cardinals-Kader: Stärken, Schwächen und Beobachtungen

  • Eine der spannendsten Fragen zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres rund um die Cardinals lautete: Wie viel der Air Raid Offense bringt Kliff Kingsbury wirklich mit in die NFL? Zunächst lautete die Antwort: eine ganze Menge. Arizona begann die Saison mit sehr vielen 4-Receiver-Sets, der Ball sollte viel geworfen und das Feld in die Breite gezogen werden.

  • 59 Prozent der Cardinals-Snaps über die ersten vier Spiele fanden in 10-Personnel (ein Running Back, kein Tight End, vier Wide Receiver) statt - ab dann gab es einen klaren Einschnitt. Über den Rest der Saison führten die Cardinals die Liga zwar noch immer klar was die Nutzung von 10-Personnel angeht an, doch die Quote ab Woche 5 lag nur noch bei 21 Prozent. Im Gegenzug wurden dafür 11- (1 RB, 1 TE, 3 WR) und 12- (1 RB, 2 TE, 2 WR)Personnel-Gruppen deutlich prominenter eingesetzt, die beiden Standard-Personnel-Groupings in der NFL.

  • Arizona änderte in dieser Phase der Saison auch seinen offensiven Stil, das Run Game übernahm eine wichtigere Rolle, Kingsbury kreierte mehr Mismatches durch unterschiedliche Personnel Groupings und verließ sich auf Tight Ends als Blocker. Um eine Prognose für die kommende Saison zu treffen, bleibt man dabei mit einer Frage zurück: Glaubt Kingsbury, dass sein ursprünglicher Ansatz nicht funktioniert? Oder glaubt er, dass er nicht die Waffen hatte, um auf diese Art und Weise zu spielen?

  • Sollte Letzteres der Wahrheit entsprechen, dürften in der kommenden Saison wieder deutlich mehr 4-Receiver-Sets zu beobachten sein. Mit Hopkins werden die Karten neu gemischt - Christian Kirk muss nicht mehr gegen Nummer-1-Cornerbacks antreten, sondern bekommt die Nummer 2. Im Slot werden für Fitzgerald mehr Räume geschaffen und dahinter könnte ein Spieler wie Andy Isabella oder Hakeem Butler davon profitieren, dass Defenses Arizonas neuen Nummer-1-Receiver mit einer ganz anderen Aufmerksamkeit behandeln müssen.

  • Murray war letztes Jahr bereits einer der besten Deep Passer der Liga, das sollte Hopkins zugute kommen. Gleichzeitig könnte Hopkins' Präsenz dabei helfen, dass die Cardinals in der Mid-Range mehr Räume erhalten und Murray weniger enge Fenster treffen muss.

  • In der Offensive Line bleiben drei Starter-Positionen unverändert: Left Tackle, Left Guard und Right Guard. Auf Center entschieden sich die Cardinals dagegen, A.Q. Shipley zurück zu holen. Ein Risiko, denn während Mason Cole im Vorjahr als Swing-Guard einige solide Auftritte hatte, überzeugte er 2018 in seiner Rookie-Saison als Starting-Center so gar nicht. Gilbert auf der rechten Seite war bereits im Vorjahr als Starter vorgesehen, verletzte sich aber kurz vor Saisonstart und verpasste die komplette Spielzeit. Mit Drittrunden-Pick Josh Jones dahinter wäre Arizona für eine solche Situation jetzt deutlich besser aufgestellt.

  • Die Defensive Line war im Vorjahr ein ernsthaftes Problem für die Cardinals. Arizona hatte hier nicht die notwendige Tiefe, um eine effiziente Rotation aufzuziehen, und hatte hier sowohl gegen den Run als auch im Pass-Rush außerhalb von Chandler Jones konstante Probleme. Das sah man auch in Phoenix so - ein klarer Fokus der Offseason lag auf dieser Positionsgruppe.

  • Jordan Phillips wurde aus Buffalo geholt, er hat 2016 bereits unter Vance Joseph in Miami gespielt und soll jetzt für mehr Interior-Pressure sorgen. Die beiden Viertrunden-Picks Leki Fotu und Rashard Lawrence dürften ebenfalls früh in die Rotation kommen, insbesondere Fotu bringt eine enorme Physis mit und sollte zumindest gegen den Run früh helfen können. Zudem verpasste Vorjahres-Drittrunden-Pick Zach Allen den Großteil seiner Rookie-Saison, auch er könnte schrittweise eine größere Rolle erhalten.

  • Spannend ist defensiv insbesondere der zweite Linebacker-Spot im Sub-Package. Jordan Hicks ist zumindest vorerst gesetzt, Ex-Falcon De'Vondre Campbell hatte intern eine hohe Free-Agency-Priorität und soll hoch im Kurs stehen. Gleichzeitig aber fiel den Cardinals im Draft der extrem flexible Isaiah Simmons in den Schoß, der auf der Linebacker-Position nach und nach herangeführt werden soll.

  • Die Cardinals könnten hier rotieren, womöglich gibt es aber auch mehr Snaps mit drei Linebackern statt fünf Defensive Backs. Bereits letztes Jahr spielten die Cardinals mehr Base-Defense als fast jedes andere Team, die neuen Gegebenheiten könnten das noch nach oben schrauben. Der zusätzliche Linebacker könnte dann für Alford rein kommen und Murphy als Nummer 2 nach außen rücken.

  • Denn klar ist auch: Cornerback ist eine potenzielle Problemzone. Peterson brauchte nach abgesessener Sperre mehrere Wochen, um wieder zu seiner Form zu finden - kann er daran 2020 anknüpfen? Alford verpasste die gesamte Vorsaison verletzt und ist eine Wildcard, Byron Murphy war, nachdem er plötzlich als Nummer-1-Corner spielen musste, bisweilen überfordert. Und dahinter haben die Cards keine nennenswerte Tiefe.

Seite 2: Die Los Angeles Rams

Übergangsjahr oder bevorstehender Umbruch? Ein verstrichenes Titelfenster, das aggressiv anvisiert wurde, und jetzt erst wieder geöffnet werden muss? Oder sind die Rams 2020 schon wieder ein Team mit ernsthaftem Playoff-Potenzial?

Klar ist, dass L.A. 2020 ein deutlich verändertes Gesicht präsentieren wird, insbesondere defensiv. Die halbe Starting-Defense aus dem Vorjahr ist weg, zusätzlich zu Defensive Coordinator Wade Phillips. Offensiv trennte man sich von Todd Gurley und auch die jahrelange McVay-Offense-Grundaufstellung könnte sich verändern.

Quo Vadis, L.A. Rams?

Los Angeles Rams: Starter-Projection Offense

Position

Spieler

Position

Spieler

Quarterback:

Jared Goff

Left Tackle:

Andrew Whitworth

Running Back:

Cam Akers

Left Guard:

Austin Corbett

Wide Receiver:

Cooper Kupp

Center:

Austin Blythe

Wide Receiver:

Robert Woods

Right Guard:

David Edwards

Tight End:

Tyler Higbee

Right Tackle:

Rob Havenstein

Tight End:

Gerald Everett

Los Angeles Rams: Starter-Projection Defense

Position

Spieler

Position

Spieler

Edge:

Samson Ebukam

Cornerback:

Jalen Ramsey

Defensive Tackle:

A'Shawn Robinson

Cornerback:

Troy Hill

Defensive Tackle:

Aaron Donald

Slot-Cornerback:

Terrell Burgess

Defensive Tackle:

Michael Brockers

Safety:

Taylor Rapp

Edge:

Leonard Floyd

Safety:

John Johnson

Linebacker:

Micah Kiser

Rams-Kader: Stärken, Schwächen und Beobachtungen

  • Ein unübersehbares Mittel des offensiven Umbruchs in Los Angeles unter Sean McVay war die strikte Einführung von 11-Personnel. Sowohl 2017 (81 Prozent ihrer Offense-Snaps), als auch 2018 (89 Prozent) führten die Rams die Liga teilweise deutlich was den Einsatz der 3-Receiver-Sets angeht an. Das änderte sich im vergangenen Jahr merklich: Ab Woche 9 - also zur Saisonmitte - hatten die Rams die dritthöchste 12-Personnel-Quote (1 RB, 2 TE, 2 WR) in der NFL - nur die Vikings und Eagles spielten prozentual noch mehr mit einem Running Back und zwei Tight Ends gleichzeitig auf dem Feld.

  • McVay schraubt an seiner Offense, und die Entscheidung, Brandin Cooks per Trade an die Houston Texans abzugeben, untermauert diesen Trend. Zwar haben die Rams mit Van Jefferson einen Nummer-3-Receiver gefunden, dennoch entschied man sich hier in puncto Qualität bewusst für ein Downgrade. Gleichzeitig verfügt L.A. über ein gutes Tight-End-Duo, Everett und Higbee sahen schon in der vergangenen Saison beide je über 50 Targets und dieser Wert sollte 2020 noch hochgehen.

  • Die Rams könnten so in puncto Play Action auch vielseitiger werden - und alles, was die Offensive Line entlastet, ist in L.A. herzlich willkommen. Goff hatte im Vorjahr gerade in der ersten Saisonhälfte merkliche Probleme und auch wenn Whitworth gehalten werden konnte: Diese Positionsgruppe ist das größte Fragezeichen für die Rams und insbesondere für diese Offense - mit Goffs Schwachstellen und McVays Priorisierung des Run Games - könnte die O-Line der größte Stolperstein auch 2020 werden.

  • In der Interior Line rutschte Austin Blythe im Laufe der vergangenen Saison vom Right-Guard-Spot auf die Center-Position und verdrängte dort Brian Allen, der große Probleme gerade in Pass-Protection hatte. Blythes Guard-Platz übernahm David Edwards ab Woche 10, er dürfte sich hier nochmals beweisen dürfen. Fast die größte Frage rund um die Line aber lautet: Kann Rob Havenstein seinen Leistungseinbruch in der letzten Saison vergessen lassen und wieder an seine 2018er Auftritte anknüpfen? Schafft er das nicht, könnte eine weitere Saison mit wackliger Line warten.

  • Und auch im Backfield gibt es ein neues Gesicht. Akers, der im College bei Florida State hinter einer üblen Line arbeiten musste, ersetzt Todd Gurley. Ein solider All-Around-Back, aber kann er mehr sein? In jedem Fall zeigten die Rams einmal mehr eindrucksvoll, wie viel Wert sie der Running-Back-Position beimessen, indem sie Akers mit ihrem ersten Pick im diesjährigen Draft auswählten. Damit sich das Run Game im Vergleich zum Vorjahr verbessert, muss aber in erster Linie die Line besser funktionieren. Alles andere hängt davon ab.

  • Die Rams hatten 2019 nur einen Off-Ball-Linebacker, der mehr als 300 Snaps gespielt hat - Cory Littleton. Littleton spielte 1.039 Snaps, mehr als jeder andere Rams-Verteidiger; der einstige Undrafted Free Agent verließ L.A. als Free Agent Richtung Las Vegas. Doch die Rams ließen Littelton nicht nur ziehen, sie kümmerten sich auch um keinen Ersatz, was vermuten lässt, dass die Rams bevorzugt mit nur einem Off-Ball-Linebacker auf dem Feld spielen könnten.

  • Und selbst da stellt sich die Frage: Wer wird diese Rolle einnehmen? Micah Kiser soll intern ein hohes Standing haben, hat allerdings in seinen beiden NFL-Jahren nicht gespielt. Letztes Jahr hätte er neben Littleton starten sollen, verletzte sich aber in der Preseason. Bekommt er jetzt seine Chance? Alternativ wäre Ex-Ravens-Linebacker Kenny Young wohl die wahrscheinlichste Option.

  • Klar ist, dass L.A. mit Aaron Donald - der gefährlichste Pass-Rusher der NFL - und Jalen Ramsey eine höhere Base-Line hat als die meisten anderen Defenses. Doch nicht nur mit den Linebackern gibt es neben den beiden Fragezeichen. Kann der Ex-Bear Leonard Floyd eine ähnlich gute Rolle spielen wie Dante Fowler zuletzt, und so Donald im Pass-Rush entlasten? Übernimmt der flexible Terrell Burgess direkt die Starter-Rolle im Slot, oder ist für ihn eine flexiblere Rolle vorgesehen? Und kann Troy Hill an seine starke Vorsaison anknüpfen - oder setzt sich seine bislang eher inkonstante Karriere fort?

  • Die Safety-Gruppe mit Johnson, Rapp und gegebenenfalls Burgess ist in jedem Fall vielversprechend, genau wie die Defensive Line: Nachdem die Rams A'Shawn Robinson bereits als Brockers-Ersatz verpflichtet hatten, platzte Brockers' Free-Agent-Deal mit den Ravens - und die Rams holten ihn kurzerhand zurück. Das gibt L.A. unter dem Strich deutlich mehr Tiefe und Qualität in der Line.

Seite 3: Die San Francisco 49ers

Amtierender Division- und Conference-Champion - und der Großteil des Teams bleibt zusammen. Die San Francisco 49ers müssen auch 2020 zum engeren Contender-Kreis zählen, aber kann die Defense ihr enorm hohes Vorjahres-Niveau halten? Wird es sich rächen, dass die Secondary ignoriert wurde?

Offensiv muss man die Prognose mit der Entwicklung von Jimmy Garoppolo verknüpfen. Ist Garoppolo bereits am Ende seiner Entwicklung angekommen? War 2019 sogar der Höhepunkt? Und können die 49ers den Abgang von Emmanuel Sanders kompensieren?

San Francisco 49ers: Starter-Projection Offense

Position

Spieler

Position

Spieler

Quarterback:

Jimmy Garoppolo

Left Tackle:

Trent Williams

Running Back:

Raheem Mostert

Left Guard:

Laken Tomlinson

Wide Receiver:

Deebo Samuel

Center:

Weston Richburg

Wide Receiver:

Brandon Aiyuk

Right Guard:

Tom Compton

Tight End:

George Kittle

Right Tackle:

Mike McGlinchey

Fullback:

Kyle Juszczyk

San Francisco 49ers: Starter-Projection Defense

Position

Spieler

Position

Spieler

Edge:

Dee Ford

Cornerback:

Richard Sherman

Defensive Line:

Arik Armstead

Cornerback:

Emmanuel Moseley

Defensive Tackle:

Javon Kinlaw

Slot-Cornerback:

K'Waun Williams

Edge:

Nick Bosa

Safety:

Jaquiski Tartt

Linebacker:

Fred Warner

Safety:

Jimmie Ward

Linebacker:

Kwon Alexander

49ers-Kader: Stärken, Schwächen und Beobachtungen

  • Gemäß Next Gen Stats warfen nur Teddy Bridgewater und Derek Carr den Ball in der vergangenen Saison im Schnitt kürzer als Jimmy Garoppolo, der über ein Yard hinter etwa Tom Brady rangierte. Gleichzeitig allerdings führte Garoppolo die Liga mit Abstand in puncto Yards nach dem Catch pro Completion an: 6,6 Yards holten seine Receiver im Schnitt nach dem Catch noch heraus, einzig Ryan Tannehill (6,2) und Patrick Mahomes (6,1) knackten ligaweit überhaupt die 6-Yard-Grenze.

  • Außerdem kamen nur bei Lamar Jackson und Jared Goff prozentual gesehen mehr Pässe pro Play Action als bei Garoppolo (31,9 Prozent), der darüber hinaus nur 6,5 Prozent seiner Pässe mindestens 20 Yards weit warf - der mit Abstand ligaweit niedrigste Wert. Kurzum: die Offense von Kyle Shanahan ist so Quarterback-freundlich, wie man es sich nur vorstellen kann. Ganz kritisch dafür ist dann wiederum, dass man die entsprechenden Waffen für eine solche Offense benötigt.

  • Mit George Kittle und Deebo Samuel, der jedoch womöglich die ersten Saisonspiele verletzungsbedingt verpassen und durch Dante Pettis oder Jalen Hurd vertreten werden könnte, hatten die Niners bereits zwei der ligaweit besten Optionen hierfür - im Draft kam eine dritte Option dazu: Brandon Aiyuk war, abgesehen von CeeDee Lamb, der gefährlichste Receiver dieses Drafts was Production nach dem Catch angeht. Mit dem Ball in der Hand spielt er wie ein Returner, ist extrem explosiv und sollte glänzend in diese Offense passen.

  • Zwar muss Aiyuk eine große Lücke schließen, immerhin gilt es, den Abgang von Emmanuel Sanders aufzufangen; und Aiyuk ist ein anderer Receiver-Typ. Aber es ist nicht schwer, zu sehen, warum er für Kyle Shanahan einer der interessantesten Receiver im diesjährigen Draft war.

  • In der Offensive Line gibt es zwei Veränderungen. Starting-Guard Mike Person wurde entlassen, er wird durch Tom Compton ersetzt. Shanahan kennt Compton noch aus Washington und Atlanta, wenngleich der 31-Jährige dort unter Shanahan kein Starter war. Letztes Jahr startete er ab Woche 11 für die Jets.

  • Die deutlich größeren Namen findet man auf der linken Seite der Line: Über mehr als zehn Jahre war Joe Staley ein Bilderbuch-Franchise-Left-Tackle - im April verkündete er sein Karriereende. Doch San Francisco verlor zwar einen der ligaweit besten Left Tackles der letzten Jahre, könnte jedoch sogar ein Upgrade als Ersatz gefunden haben. Im Rahmen des Drafts einigten sich die Niners mit den Washington Redskins auf einen Trade von Trent Williams, der in Washington unter Shanahan bereits gespielt hat, ein perfekter Scheme-Fit ist und nach all den Streitigkeiten mit den Redskins über die letzten Jahre seinen gewünschten Neustart mit einem Trainer, dem er vertraut, erhält. San Franciscos Line sollte 2020 zumindest das 2019er Level halten können.

  • Defensiv ändert sich personell fast nichts. San Francisco priorisiert weiterhin ganz klar die Defensive Line, nachdem man DeForest Buckner per Trade an die Colts abgegeben hatte, wurde der Erstrunden-Pick, den es im Gegenzug gab, direkt wieder in einen Defensive Lineman investiert: Javon Kinlaw tritt somit in große Fußstapfen und soll San Francisco im Idealfall über die kommenden Jahre noch mehr Interior-Pass-Rush geben.

  • Arik Armstead derweil wurde mit einem teuren Vertrag gehalten, es ist davon auszugehen, dass San Francisco Armstead, Ford, Kinlaw und Bosa häufig zusammen auf dem Feld sehen will. Die Niners hatten letztes Jahr eine Pressure-Quote von 28,7 Prozent, nur Pittsburgh war hier noch besser. Kann San Francisco diesen sehr hohen Wert aufrechterhalten, sollte die Defense auch weiter zur Liga-Spitze gehören.

  • Das große Aber bei der Defense, und San Francisco generell: Das wird die Front vermutlich auch leisten müssen. Die Secondary nämlich wurde in der Offseason nahezu komplett ignoriert, bedeutet: Die 49ers bauen darauf, dass Richard Sherman noch eine Saison als echter Nummer-1-Corner im Tank hat, dass sich Emmanuel Moseley - der Ahkello Witherspoon hinter sich lassen sollte - als guter Nummer-2-Corner etabliert und, dass K'Waun Williams im Slot an seine solide Vorsaison anknüpft. Das allerdings ergibt in der Summe doch ein gehöriges Fragezeichen und könnte sich als ein Spiel mit dem Feuer herauskristallisieren.

  • Auffällig generell ist, wie gering der Turnaround ausfällt. Staley, Sanders und Buckner werden durch Williams, Aiyuk und Kinlaw ersetzt, und auch wenn gerade Aiyuk und Kinlaw als Rookies Fragezeichen mitbringen, sind das auf dem Papier jeweils direkt ersetzte Abgänge. Und sonst? Die namhaftesten Abgänge wären dahinter dann Kandidaten wie Matt Breida, Sheldon Day und Marquise Goodwin. Die Niners sollten auf dem Feld 2020 ein sehr ähnliches Gesicht präsentieren.

Seite 4: Die Seattle Seahawks

Sind die Seahawks zu Run-lastig? Ist der defensive Ansatz nicht veraltet? Und ist die Offensive Line nicht zu wacklig?

Diese drei Fragen beschreiben im Kern jede Seahawks-Offseason-Diskussion der letzten drei, vier Jahre und während der Erfolg - im Sinne von Playoff-Teilnahmen - zwar die Stimmen der Kritiker übertönt, bleibt doch eine große Frage über allem stehen: Sollten die Seahawks nicht noch stärker sein?

Mit einem der zwei, drei besten Quarterbacks der Liga, einem gefährlichen Receiver-Duo, starken Linebackern und einer zuletzt wieder stabilisierten Secondary? Auch letztes Jahr gewann Seattle wieder einmal überdurchschnittlich viele enge Spiele, und somit muss man - auch hier: wieder einmal - fragen: Wie lange kann man das noch wiederholen?

Seattle Seahawks: Starter-Projection Offense

Position

Spieler

Position

Spieler

Quarterback:

Russell Wilson

Left Tackle:

Duane Brown

Running Back:

Chris Carson

Left Guard:

Mike Iupati

Wide Receiver:

Tyler Lockett

Center:

B.J. Finney

Wide Receiver:

D.K. Metcalf

Right Guard:

Damien Lewis

Tight End:

Greg Olsen

Right Tackle:

Brandon Shell

Tight End:

Will Dissly

Seattle Seahawks: Starter-Projection Defense

Position

Spieler

Position

Spieler

Edge:

L.J. Collier

Linebacker:

K.J. Wright

Defensive Tackle:

Jarran Reed

Cornerback:

Shaquill Griffin

Defensive Tackle:

Poona Ford

Cornerback:

Quinton Dunbar

Edge:

Bruce Irvin

Safety:

Quandre Diggs

Linebacker:

Jordyn Brooks

Safety:

Brad McDougald

Linebacker:

Bobby Wagner

Seahawks-Kader: Stärken, Schwächen und Beobachtungen

  • Die Offensive Line hat mehrere interne Positionsduelle für die Saisonvorbereitung zu bieten. Auf Right Tackle gibt es mit Brandon Shell und Cedric Ogbuehi zwei Neuzugänge, die sich um die Nachfolge von Germain Ifedi streiten. Auf Right Guard ist D.J. Fluker weg, Vorjahres-Viertrunden-Pick Phil Haynes und der diesjährige Drittrunden-Pick Damien Lewis dürften diesen Platz unter sich ausmachen. Iupati hat über die letzten Jahre zunehmend Defizite offenbart, sollte den Left-Guard-Posten jedoch halten können. Ethan Pocic wäre hier die Alternative.

  • Klar ist: Seattle hatte auch 2019 eine der schwächeren Offensive Lines, gerade in Pass-Protection. Platz 30 in dieser Kategorie bei PFF, Platz 24 nach Football Outsiders' Adjusted Sack Rate. Um Wilson in offensichtlichen Passing-Situationen - die durch den Run-lastigen Ansatz bei Early Downs noch häufiger vorkommen - zu entlasten, benötigt Seattle eigentlich überdurchschnittliche Pass-Protection. Ex-Steeler Finney auf Center könnte ein Upgrade bedeuten, die Hoffnung ist, dass Rookie Damien Lewis D.J. Fluker zumindest schnell gleichwertig ersetzen kann. Brandon Shell als Ersatz für Germain Ifedi könnte auch eher ein Move ohne größere Veränderung nach unten oder oben sein.

  • In jedem Fall werden mehrere neue Starter in der Line auf dem Feld stehen, was im Zusammenhang mit der komplizierten Corona-Offseason in der Saison noch mehr Zeit kosten könnte. Stabilität dagegen gibt es im Receiver-Corps, mit Lockett und Metcalf sind die beiden Top-Optionen klar. Dahinter könnte Ex-Patriot Phillip Dorsett David Moore den dritten Spot streitig machen.

  • Ohnehin aber kann man davon ausgehen, dass Seattle deutlich mehr mit zwei Tight Ends und zwei Receivern statt mit drei Receivern spielen wird. Letztes Jahr waren die Seahawks noch ganz klar primär ein 11-Personnel-Team; die Verpflichtung von Olsen in Kombination mit der Rückkehr nach Verletzung von Dissly und Viertrunden-Pick Colby Parkinson lässt erahnen, dass Seattle mehr aus 2-TE-Sets arbeiten will.

  • Das Passspiel dominiert die NFL und selbst die Teams, die sich über das Run Game definieren oder die Basis ihrer Offense im Run Game sehen sind in aller Regel deutlich effizienter, wenn sie den Ball werfen. Das hat auch dazu geführt, dass über die letzten Jahre 11-Personnel (ein Running Back, ein Tight End, ein Wide Receiver) als die Basis-Formation im ligaweiten Durchschnitt etabliert wurde: 60 Prozent der Offense-Snaps 2019 fanden in 11-Personnel statt. Daran haben sich auch Defenses angepasst, laut PFF spielten Defenses 2019 im Schnitt nur 27 Prozent ihrer Snaps in der Base-Defense, also mit vier statt fünf Defensive Backs. Die große Ausnahme? Die Seahawks.

  • Seattle bestritt knapp 69 Prozent seiner Defense-Snaps in Base-Personnel, mit drei Linebackern auf dem Feld. Keine andere Defense lag hier bei mehr als 38 Prozent. Das dürfte zumindest teilweise auch daran gelegen haben, dass eine wirklich gute Slot-Corner-Option fehlte - doch Coach Pete Carroll machte selbst auch klar, dass er seine drei Linebacker gerne zusammen auf dem Feld hat. Angesichts der Tatsache, dass Seattle seinen Erstrunden-Pick in Jordyn Brooks investierte, dürfte sich daran auch nichts ändern.

  • Die positive Nachricht: Die Coverage-Unit sollte dennoch besser funktionieren. Mit dem Trade für Quinton Dunbar könnte Seattle ein echter Steal gelungen sein, Dunbar hatte im Vorjahr eine exzellente Saison in Washington. In Kombination mit der wieder nach oben zeigenden Formkurve von Griffin sowie der erhöhten Stabilität nach der Verpflichtung von Quandre Diggs scheint die Secondary auf dem richtigen Weg zu sein.

  • Die negative Nachricht: Die Secondary wird mehr als das sein müssen, viel mehr sogar - denn der Pass-Rush ist ein riesiges Fragezeichen. Eine Rückkehr von Jadeveon Clowney ist zunehmend unwahrscheinlich, Collier war in seiner Rookie-Saison überhaupt kein Faktor und Ziggy Ansah ließ man ziehen, um ihn mit Bruce Irvin zu ersetzen. Dazu haben die Seahawks mit Quinton Jefferson unter dem Radar einen der spannenderen jungen Interior-Pass-Rusher verloren. Das dürfte - sofern Clowney nicht doch zurückkommt - eine der individuell schwächeren Pass-Rush-Gruppen der NFL werden, was den Druck auf die Secondary und auf die eigene Offense noch erhöht.

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