NFL: Top-Prospects im Draft 2017 - die Offense

In der kommenden Woche ist es endlich so weit: Der Draft steigt in Philadelphia! Doch welche Prospects gehen dabei besonders früh weg? SPOX blickt auf die Top-Spieler im kommenden Draft - los geht es mit der Offense.

In der kommenden Woche ist es endlich so weit: Der Draft steigt in Philadelphia! Doch welche Prospects gehen dabei besonders früh weg? SPOX blickt auf die Top-Spieler im kommenden Draft - los geht es mit der Offense.

Seite 1: Die Quarterback-Fragezeichen, ein spannender Running Back und der Tight End

Knapp dahinter:

Deshaun Watson, QB, Clemson
Forrest Lamp, G, Western Kentucky
Ryan Ramczyk, OT, Wisconsin
Cam Robinson, OT, Alabama

10.: Mitchell Trubisky, QB, North Carolina

Keiner der Quarterbacks in diesem Draft kommt ohne offensichtliche Defizite, was auch die Reichweite in der Einschätzung erklärt: Manche Experten sehen keinen Quarterback in der gesamten ersten Runde, andere wiederum prognostizieren, dass Cleveland mit dem allerersten Pick Trubisky wählt. Auch etwa NFL-Network-Draft-Guru Mike Mayock hat seine QB-Rangliste über die letzten Wochen mehrmals drastisch geändert. Was also zeichnet Trubisky aus? Er hat bereits eine solide Genauigkeit in der mittleren Distanz sowie einen schnellen Release und zeigt vereinzelt, dass er das ganze Feld lesen und sich in der Pocket sehr gut bewegen kann. Das Stichwort dabei ist aber "kann": Trubisky, der nur ein Starting-Jahr im College vorweisen kann, ist in allem noch sehr inkonstant. Er hat Schwierigkeiten damit, Blitzer zu erkennen, und die Offense war mit Half-Field-Reads und vielen Run-Pass-Options sehr Quarterback-freundlich. Das Potential ist erkennbar und es blitzt auch immer wieder auf - es wird an seinen NFL-Coaches liegen, das auf dem nächsten Level permanent zum Vorschein zu bringen.

9.: Patrick Mahomes, QB, Texas Tech

Der nächste Quarterback, an dem sich ebenfalls die Geister scheiden. Mahomes hat einen spektakulären Arm, der es ihm erlaubt, aus jedem Winkel nahezu jeden Wurf zu machen. Das Problem dabei: Genau darauf baut Mahomes. Das führt zu wilder Beinarbeit, die von technisch sauber bis absurd reicht. Mahomes bricht zu gerne aus dem Play und der Pocket aus, ehe sich die Routes entwickeln können - was zumindest zu einem gewissen Grad auch an seiner desolaten O-Line lag. Gleichzeitig allerdings hat er auch schon Fähigkeiten, die sich auf die NFL übertragen lassen: Mahomes geht konstant durch seine Reads, auch gegen Druck. Er liest die Defense vor dem Snap und verändert regelmäßig selbst Spielzüge an der Line of Scrimmage. Gelingt es einem NFL-Coach, Mahomes die richtige Fußarbeit und das richtige Maß zwischen Risiko und in der Struktur des Plays zu bleiben beizubringen, könnte er sich als Franchise-Quarterback entpuppen.

8.: Corey Davis, WR, Western Michigan

Sehr guter Route-Runner mit guten Händen - zwei elementare Grundvoraussetzungen für einen NFL-Receiver. Davis zeigt sehr gute Konzentration beim Catch und kann so seine Routes auch im Lauf an den Ball anpassen, was ihm nicht selten spektakulär gelingt. Davis landete in jedem der vergangenen drei Jahre in der Top-10 was Yards pro gelaufener Route angeht. Wer sich sein Tape anschaut, der sieht, dass das nicht primär an seinem Quarterback lagt. Mit dem Ball in der Hand wirkt er teilweise fast wie ein Running Back oder ein Returner: Davis findet nach dem Catch Lücken und nutzt die dann explosiv. Gleichzeitig allerdings ist er kein Top-Speedster wie etwa Ross und kein physisch dominanter Receiver beim Catch wie Williams. Sein größtes Problem jedoch: Die Drops.

7.: O.J. Howard, TE, Alabama

Größe, Physis, riesiger Catch-Radius, sehr gute (und riesige) Hände und dabei noch eine beachtliche Geschwindigkeit und Beweglichkeit - Howard bringt all das mit und könnte, für Tight Ends durchaus selten, die Top-10 knacken. Er ist das klassische Tight-End-Cover-Problem, das so viele Teams in der modernen NFL suchen. Howard kann überall aufgestellt werden, mit mehr Muskelmasse - das wohl geringste Problem für NFL-Coaches - sollte er auch ein noch besserer Blocker werden. Was nicht heißt, dass er in diesem Bereich nicht jetzt schon genutzt werden kann. Howard kann schnell einen Unterschied ausmachen und einer Offense im richtigen Scheme zu einem gewissen Grad eine andere Identität geben.

6.: Dalvin Cook, RB, Florida State

Cook ist ein spannendes Prospect: Sehr gute Vision kombiniert mit Geduld, Balance und gefährlichen Cuts führten bei ihm zu vielen langen Runs - 99 forced missed Tackles waren der Spitzenwert in der vergangenen Saison. Cook trägt Runs gerne (manchmal zu gerne und zu schnell) nach außen, bis er die Lücke findet. Gelingt ihm das, hat die Defense kaum noch eine Chance. Gleichzeitig aber zeigt Cook auch noch Defizite: Im Passing Game hat er mitunter unerklärliche Drops, zudem offenbarte er im College immer wieder Fumble-Probleme. Außerdem muss seine Pass-Protection noch deutlich besser werden, um in der NFL hier standhalten zu können.

Seite 2: Die volle Wide-Receiver- und Running-Back-Power

5.: Mike Williams, WR, Clemson

Williams ist das physische Monster unter den diesjährigen Receivern: Enorm dominant am Catch-Point, riesiger Catch-Radius und fängt regelmäßig spektakulär umkämpfte Bälle. Aufgrund seiner Physis fällt es auch nicht allzu schwer ins Gewicht, dass er im Vergleich zu Ross und Davis weniger Platz zwischen sich und seinem Gegenspieler schafft. Williams findet auch lange Pässe downfield gut, ist kein reiner Possession-Receiver und etwa bei Slants kaum zu verteidigen. Er könnte noch gefährlicher sein, wenn er etwas explosiver in seine Cuts gehen und etwas mehr Geschwindigkeit aufbauen könnte. Doch schon so sollte Williams in der NFL früh Snaps erhalten.

4.: Christian McCaffrey, RB, Stanford

Für nicht wenige Teams dürfte McCaffrey eine Art Wunschspieler für die moderne Running-Back-Position sein: Zwar bringt er nicht die monströse Physis anderer Backs mit, dafür aber glänzt er in anderen, zunehmend wichtigen Bereichen. McCaffrey ist extrem explosiv und zeigt spektakuläre, scheinbar mühelose Cuts, ob auf Tape, oder bei der Combine. Dabei ist er geduldig hinter der Line of Scrimmage und zeigt eine sehr gute Vision, nicht selten wird man an Le'Veon Bell erinnert. Dazu passt auch McCaffreys Rolle im Passing Game: Hier kann er quasi als Wide Receiver aufgestellt werden, wo er für Linebacker ein enormes Mismatch darstellt. Das gibt Teams auch mit Blick auf das Scheme eine große Flexibilität und Matchup-Vorteile. Angesichts seiner Physis hat er bei Inside-Runs und Pass-Protection mitunter Probleme - kommt er aber zu einem Team, dass seine Fähigkeiten einzusetzen weiß, kann McCaffrey auch in der NFL eine brandgefährliche Waffe sein.

3.: John Ross, WR, Washington

Der Speedster des Drafts. Ross brach den jahrelang von Chris Johnson gehaltenen Combine-Rekord über die 40 Yards, im College aber hat er auch gezeigt, dass er nicht einfach nur schnell ist. Ross nutzt seine Explosivität und Geschwindigkeit vielmehr, um enorm schnell in seine Cuts zu kommen, was auch in der Red Zone eindrucksvoll gelingt. Dazu kommen herausragende Return-Fähigkeiten. Ein Vergleich zu Vorjahres-Draft-Speedster Will Fuller: Ross hatte 27 Prozent missed Tackles gegen sich, Fuller sieben. Umgekehrt hat Ross nur sechs Prozent der Pässe zu ihm fallen gelassen - Fuller verzeichnete eine Drop-Quote in Höhe von 13 Prozent. Gleichzeitig bringt er auch einige Limitierungen mit, aufgrund seiner Physis hat er mit Press-Coverage gelegentlich seine liebe Mühe. Teams in der NFL werden das Testen. Darüber hinaus hatte er im College einige Verletzungsprobleme. Zum ausführlichen Porträt von Ross geht es hier entlang.

2.: Joe Mixon, RB, Oklahoma

Wer den Draft bislang auch nur einigermaßen verfolgt hat, hat von Joe Mixon mutmaßlich schon gehört - und das nicht im positiven Sinne. 2014 schlug Mixon eine Kommilitonin während eines Streits in einem Fast-Food-Restaurant, der Vorfall wurde von einer Überwachungskamera aufgenommen. Mixon wurde gesperrt und soll schon jetzt für mehrere Teams komplett von der Draft-Liste gestrichen worden sein. Da die Gespräche zwischen Spieler und Teams allerdings vertraulich sind und niemand von außerhalb sagen kann, wie die Liga Mixon drei Jahre nach dem Vorfall sieht, bezieht sich seine Einordnung rein auf sportliche Aspekte. Und da ist Mixon ein Top-Talent: Der Running Back ist unglaublich dynamisch und explosiv, kann mit Physis und mit Cuts laufen. Mixon ist ein brandgefährlicher Receiver und schaltet mit dem Ball in der Hand blitzschnell in den zweiten Gang. Dabei sind seine Bewegungen stets flüssig und mit kleinen Bewegungen manipuliert er Verteidiger, sein Tape erinnert immer wieder an Le'Veon Bell und David Johnson. Mixon könnte sich ohne jede Frage als der kompletteste Running Back dieses Drafts entpuppen.

1.: Leonard Fournette, RB, LSU

Ohne Frage der beste (Downhill-)Runner im Draft. Fournettes Mischung aus Physis, Explosivität und Geschwindigkeit sind beeindruckend, und für Verteidiger nicht selten auch schmerzhaft. Dabei marschiert er regelmäßig durch Tackles, 2015 hatte er die meisten forced missed Tackles (85) und die durchschnittlich meisten Yards after Contact. Sein 2016er Tape, als er sich länger mit einer Knöchelverletzung herumschlug, ist wechselhafter und wirft vor allem eine Frage auf: Wie viele Yards kann Fournette hinter schlechtem Blocking erlaufen? Die häufiger geäußerten Bedenken im Passing Game dagegen sind zumindest mit Vorsicht zu genießen: Fournette ist solide in Pass-Protection und funktional als Receiver. Hier wird er wohl nie auf etwa McCaffreys Level kommen, ein Problem oder gar Risiko im Passing Game sollte er in der NFL jedoch ebenfalls nicht sein.

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