Nick Heidfeld: Froh, in seiner Karriere kein "Arschloch" gewesen zu sein

Ruben Zimmermann
motorsport.com

Der ganz große Wurf ist Nick Heidfeld in seiner Formel-1-Karriere nie gelungen. Mit 13 Podestplätzen ist er der erfolgreichste Pilot ohne Grand-Prix-Sieg. Im Podcast 'Beyond The Grid' verrät er, dass er mit seiner Karriere deswegen nicht komplett zufrieden ist. "Ich wollte [in der Formel 1] Rennen und auch die Weltmeisterschaft gewinnen", stellt der heute 42-Jährige klar.

"Natürlich ist das schwierig, aber ich habe im Formelsport auch vor der Formel 1 jede Meisterschaft gewonnen", erinnert er und erklärt: "Das war natürlich etwas anderes, aber wenn man in die Formel 1 kommt, dann ist das das Ziel. Deswegen bin ich nicht zufrieden mit dem, was ich erreicht habe." Vor allem eine Sache würde er rückblickend anders machen.

"Ich hätte mich vielleicht mehr darauf konzentriert, meinen Teamkollegen zu schlagen", erklärt er und verrät: "Es gab Rennwochenenden, an denen ich vor meinem Teamkollegen lag. Aber das Auto war insgesamt nicht gut genug für ein Topergebnis - entweder gar keine Punkte oder nur einer oder zwei. Dann war es mir egal, ob ich schneller als mein Teamkollege war."

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"Ich wollte einfach Fortschritte machen und noch mehr Punkte holen. Dann ging ich zum Beispiel beim Set-up einen anderen Weg. Manchmal war das die falsche Richtung, und dann war ich am Ende im Qualifying und Rennen langsamer [als mein Teamkollege]. Ich wählte eine etwas extremere und riskantere Strategie, die sich nicht immer auszahlte", berichtet Heidfeld.

"Ich wollte das beste Ergebnis für mich und das Team holen - und nicht nur vor meinem Teamkollegen sein", erklärt er. "Statt Elfter hätte ich dann zum Beispiel Sechster werden können. Rückblickend war dieser Ansatz falsch, weil die Leute einen immer mit dem Teamkollegen vergleichen", weiß Heidfeld heute. Brachte ihn das womöglich um Chancen bei größeren Teams?

Zwischen 2000 und 2011 fuhr er in der Formel 1 für Prost, Sauber, Jordan, Williams, BMW und Lotus. Keine schlechten Rennställe, aber zum jeweiligen Zeitpunkt nicht die absoluten Topteams in der Königsklasse. "In anderen Situationen hätte ich etwas egoistischer und härter und unfair gegen meinen Teamkollegen sein können. Das hätte helfen können", glaubt Heidfeld.

"Aber rückblickend bin ich froh, dass ich es nicht getan habe", stellt er klar und erklärt: "Ich kann mich noch im Spiegel anschauen und bin sehr zufrieden damit, wie ich mich in den meisten Situationen verhalten habe, in denen ich auch ein Arschloch hätte sein können." Und es bleibt ohnehin Spekulation, ob seine Karriere dann überhaupt erfolgreicher verlaufen wäre.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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