Nie mehr PSG? Das Millionengrab Neymar

Raphael Weber
Sport1

4,16 Millionen Euro. Pro Spiel!

Es sind unfassbare Zahlen. Nicht nur in Zeiten von Corona.

So viele blätterten die PSG-Scheichs für die Dienste von Neymar hin. Bekommen hat Paris St.-Germain vom Superstar dafür viele Tore, viel Show - aber auch reichlich Drama und vor allem eines nicht: den erträumten Champions-League-Titel.

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Durch den Abbruch der Ligue 1 rückt der schon seit einiger Zeit anvisierte Abgang des Brasilianers aus der französischen Hauptstadt jetzt immer näher, die Bilanz seiner PSG-Zeit fällt ernüchternd aus: Neymar wollte in Paris Weltfußballer werden - stattdessen wurde er zum Millionengrab.

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Neymar schafft nur die Hälfte aller PSG-Spiele

222 Millionen Ablöse hat er bei seinem Wechsel vom FC Barcelona an die Seine 2017 gekostet, dazu strich er pro Saison ein kolportiertes Gehalt von 37 Millionen ein, wie die Marca berichtet - inklusive 2019/20 also 111 Millionen.

Für dieses Gesamtpaket von 333 Millionen absolvierte er gerade einmal 51 Prozent aller Pflichtspiele für PSG (80 von 155), im Schnitt 26 pro Saison.

Trotz seiner übertriebenen Theatralik, die ihm den schlechten Ruf des Schauspielers und Schwalbenkönigs eingebracht hat, ist Fakt, dass der Edeltechniker reichlich auf die Knochen bekam und daher oft verletzt ausfiel.


Im Februar 2018 brach sein Mittelfuß, seine erste Saison in Frankreich war damit beendet (30 von 56 möglichen Spielen).

Im Januar 2019 kam die nächste Fußverletzung, als Krönung folgte im Juni bei der Nationalmannschaft ein Bänderriss im Sprunggelenk (28 von 55 Spielen).

Dessen Nachwehen hemmten Neymar schon zu Beginn der aktuellen Saison, eine Oberschenkelverletzung (Oktober) und eine Rippenprellung (Februar) setzten ihn auch im dritten PSG-Jahr länger außer Gefecht. So schaffte er bis Corona nur 22 von 44 möglichen Partien.

Heiße Phase der Champions League meist ohne Neymar

Die Verletzungshistorie ist auch Teil der Wahrheit, warum es mit Neymar und PSG auf allerhöchstem Niveau nicht klappen wollte. Denn als es in der Champions League ernst wurde, saß der vermeintliche Superstar meistens draußen.

2018 verpasste er das Achtelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid (1:2 nach 1:3 im Hinspiel) mit gebrochenem Fuß, 2019 sogar beide Partien im Achtelfinale gegen Manchester United (Aus mit 1:3 nach 2:0 im Hinspiel). Einzig in dieser Saison war Neymar in der K.o.-Phase mal fit - prompt schoss er PSG kurz vor der Corona-Unterbrechung gegen Borussia Dortmund weiter (1:2 und 2:0, ein Tor pro Spiel). Aber durch den weltweiten Stillstand durch das Virus steht auch die Fortsetzung der Königsklasse in den Sternen.


Nach SPORT1-Informationen prüft die UEFA verschiedene Szenarien, um auch die französischen Teams Paris und Olympique Lyon (die ja keine Heimspiele austragen dürfen) mit einbeziehen zu können. Doch selbst wenn eine Lösung gefunden wird, ein Finalturnier mit allen Teams beispielsweise, sind Neymar und Co. dann seit Monaten aus dem Spielbetrieb, während etwa die Bundesliga noch auf einen Mai-Neustart hoffen darf.

Die PSG-Chancen auf den Henkelpott? Werden dadurch auf jeden Fall nicht größer. Im schlimmsten Fall läuft Neymar sogar nie wieder für Paris auf, sollte die Königsklasse Corona doch noch komplett zum Opfer fallen.

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Ärger und Barca-Gerüchte statt CL-Titel

2017 wollte Neymar unbedingt weg aus Barcelona, wo er eigentlich als Nachfolger von Lionel Messi aufgebaut werden sollte, ihm der Schatten des Superstars aber zu lang war. Er zog aus, um bei PSG selbst "The Man" zu sein und allein die Champions League zu gewinnen - es sollte aber nicht sein.

Dabei sind seine individuellen Zahlen herausragend. 69 Tore und 39 Vorlagen in 80 Spielen machen eine Quote von 1,35 Torbeteiligungen pro Spiel. Weit mehr als die 0,97 bei Barca (natürlich gedeckelt im magischen Dreieck mit Messi und Luis Suarez). Unterm Strich bleiben aber "nur" nationalen Titel mit PSG - drei Meisterschaften (inklusive Abbruch-Titel 2020) und lediglich ein Pokalsieg plus einmal der Ligapokal mit dem bis auf die Zähne hochgerüsteten Star-Ensemble in drei Jahren. Brauchte Paris Neymar dafür zwingend? Wohl eher nicht.


Dafür gab es mehrfach Stress um den eigenwilligen Brasilianer, der Elfer-Streit mit Co-Star Edinson Cavani und ständige Transfergerüchte um Barca sind nur zwei Beispiele. Schon im Sommer 2019 wurde eine Rückkehr von Neymar nach Spanien heiß diskutiert. Dass der Brasilianer seinen Abgang mittlerweile als Fehler sieht, den er gerne korrigieren würde, wurde mehrfach berichtet.

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Rückkehr als Nachfolger von Messi?

Während ein Transfer beim letzten Versuch aber noch platzte, könnte es nun soweit sein. Barca soll im Sommer den großen Umbruch planen, Neymar weiterhin wollen und bräuchte mittelfristig einen Nachfolger für den bald 33-jährigen Messi - ist der Corona-Abbruch der Ligue 1 nun der letzte Dominostein, um PSG davon zu überzeugen, sich von Millionengrab Neymar zu trennen?


Selbst den Geldgebern in Paris wird die Krise zusetzen, einen Gehaltsverzicht lehnen die Stars bislang nach Medienberichten ab, die Gespräche seien zum Stillstand gekommen.

Womöglich kommt man auch bei PSG nun zu der Erkenntnis, dass sich die Investition in Neymar nicht weiter lohnt.

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