Chaos pur! Beach-Legende schlägt Alarm

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Chaos pur! Beach-Legende schlägt Alarm
Chaos pur! Beach-Legende schlägt Alarm

Julius Brink und Jonas Reckermann: Olympiasieger 2012. Laura Ludwig und Kira Walkenhorst: Olympiasiegerinnen 2016.

Wer an Beachvolleyball in Deutschland denkt, denkt in der Regel zuallererst an diese und andere Held(inn)engeschichten, verbindet Positives mit der Sportart, die in diesem Monat mit einer Heim-EM am Münchener Königsplatz eine weitere Feierstunde erleben könnte.

Bei denjenigen, die sich etwas genauer mit der Situation beschäftigen, sieht das Bild anders aus. Sehr anders. Und zu denjenigen, die darunter leiden, zählt auch Julius Brink.

„Mir tut immer wieder weh, darauf angesprochen zu werden, was denn beim Beachvolleyball in Deutschland falsch läuft“, sagt der Gold-Held von London im Gespräch mit SPORT1.

Den heute 40-Jährigen betrübt, wie viele Versäumnisse, innere Grabenkämpfe der falschen Art und folgenschwere Verwerfungen die Szene in den vergangenen geprägt haben. Die Dauerunruhe hat jüngst noch einmal einen neuen Höhepunkt erlebt - mit einer Schlüsselfigur hinter Brinks und Reckermanns Gold-Coup in einer unfreiwilligen Hauptrolle.

Erfolgscoach Wagner droht mit Rücktritt

Mitte Juli erlebte das deutsche Beachvolleyball sein jüngstes großes Beben: Niclas Hildebrand, für die Beach-Sparte zuständiger Sportdirektor beim Volleyball-Verband DVV, wurde trotz eines unbefristeten Vertrages freigestellt.

„Die Basis für eine gemeinschaftliche Zusammenarbeit war nicht mehr gegeben“, begründete die frisch installierte DVV-Sportvorständin Julia Frauendorf in der Süddeutschen Zeitung knapp wie unkonkret, ein Streit um Kompetenzen soll vorausgegangen sein.

Was die Erschütterungen dann noch größer machte: Jürgen Wagner, der Gold-Coach von Brink/Reckermann sowie auch Ludwig/Walkenhorst, drohte wegen Hildebrands Rauswurf ebenfalls hinzuwerfen. Wagner arbeitet als „Head of Beachvolleyball“ am Stützpunkt in Hamburg und ist für die deutschen Beach-Cracks eine noch größere Identifikationsfigur.

Auch bei Brink sorgt Hildebrands Aus für Kopfschütteln. „Ich war überrascht“, sagt er SPORT1: „Es erschließt sich mir nicht, wieso man wegen so etwas in einer so schwierigen Zeit, einen Sportdirektor von seinen Aufgaben entbindet.“

Wildcard sorgt für Zoff

Das „so etwas“, das Brink meint: Der Konflikt zwischen Hildebrand und Frauendorf soll sich an der Frage entzündet haben, welches Frauen-Duo eine Wildcard für das wichtige internationale Turnier in Hamburg (10. bis 14. August) erhalten sollte.

Hildebrand wollte sie vergeben an Kira Walkenhorst und ihre Noch-Partnerin, die vom klassischen Volleyball in den Sand gewechselte Star-Spielerin Louisa Lippmann, mit der sie Mitte August die EM in München spielt. In der Zukunft wird Lippmann dann mit Laura Ludwig an den Start gehen.

Frauendorf setzte sich für das Turnier in Hamburg für das Nachwuchs-Duo Leonie Klinke und Lena Ottens ein, zusammen mit Spielervertreterin Victoria Bieneck wurde der Sportdirektor überstimmt. Von der Entscheidung zeigte sich auch der Hamburger Turnierchef Frank Mackerodt entsetzt - und äußerte sein Bedauern in einem so bemerkenswerten wie vielsagenden öffentlichen Facebook-Post an Kira Walkenhorst.

„Liebe Kira Walkenhorst, wir in Hamburg, die Beachvolleyball-Zuschauer und die Medien hätten sich sehr gefreut, wenn Du die Wildcard mit Deiner Partnerin erhalten hättest“, schrieb Mackerodt: „Es wäre sicherlich für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation geworden - vor allem für Beachvolleyball.“

Auch Brink versteht die Entscheidung gegen Walkenhorst und Lippmann nicht: „Da man die Idee verfolgt, die beiden, auch mit einer olympischen Perspektive, bestmöglich zu unterstützen, kann ich das kaum nachvollziehen und habe in der Begründung auch nichts gehört, das mit viel Sinn verbunden ist.“

Brink sieht möglichen Super-GAU für den DVV

Der Wildcard-Streit ist allem Anschein nach der Brandbeschleuniger für ein tiefer sitzendes Problem. Die junge, früher für McKinsey aktive Unternehmensberaterin Frauendorf und ihr aus der Bankbranche kommender Vorstandskollege Bernd Janssen wurden von DVV-Präsident René Hecht Ende 2021 zusammen berufen, um den unbestritten reformbedürftigen Verband mit mehr Know-how zu versehen.

Idealerweise könnten Frauendorf, Janssen und der Sportwissenschaftler und Ex-Jugendbundestrainer Hildebrand mit ihren unterschiedlichen Hintergründen nun das Beste aus mehreren Welten verbinden. Stattdessen scheinen sich speziell zwischen Frauendorf und Hildebrand in einem Machtkampf verharkt zu haben, bei dem kein Ausweg in Sicht ist.

Hecht versucht mittlerweile zu vermitteln und die Wogen zu glätten, mit noch ungewissem Ergebnis.

Brink sieht Hecht unter starkem Zugzwang, einen Doppel-Abgang von Hildebrand und seinem Ex-Coach Wagner würde er als Super-GAU „mit großen Kollateralschäden“ empfinden.

„Der Verband ist auf der Ebene mucksmäuschentot, wenn ihm jetzt noch derjenige von der Stange geht, der sehr viel Qualität und Struktur reinbringt“, sagt Brink. Hildebrand und Wagner hätten geschafft, „dort eine gewisse Struktur und Philosophie zu etablieren und das war unter den Umständen weiß Gott nicht einfach. Das ist es auch weiterhin nicht, wenn du auf Vorstandsebene solche Knüppel zwischen die Beine geschmissen bekommst.“

Beachvolleyball-Stützpunkt in Hamburg in der Kritik

Auch Laura Ludwig, die mit Wagner viele Erfolge gefeiert hat, hofft auf einen Verbleib. „Ich hoffe, dass er (Jürgen Wagner, Anm. d. Red.) sich generell nicht vom Beachvolleyball zurückzieht. Das wäre einfach traurig, weil er dem deutschen Beachvolleyball viel gegeben hat und immer noch viel geben kann“, sagte sie im ZDF.

Brink warnt außerdem: „Ich könnte mir auch vorstellen, dass viele Trainer, die große Hoffnungen hatten und von dieser Jürgen-Niklas-Konstellation angeworben wurden, das sehr kritisch betrachten.“

Völlig unumstritten ist aber auch Hildebrands Wirken in der Szene nicht. Ein Reizthema war in den vergangenen Jahren vor allem die von ihm forcierte Zentralisierung der Ressourcen am Stützpunkt in Hamburg.

Hildebrand betrachtet es als beste Chance auf neue Medaillencoups und damit auch mehr Fördergelder vom DOSB. Verantwortliche an anderen Standorten sehen den Preis als zu hoch an.

„Für den Nachwuchs war das eine Katastrophe“, kritisierte in der Süddeutschen Zeitung jüngst Jörg Ahmann, mit Axel Hager 2000 in Sydney Gewinner der historischen ersten Beach-Medaille bei Olympia (Bronze) und nun Stützpunkt-Coach in Stuttgart. Es gebe „zu wenige Trainer und Vereine, die den Nachwuchs adäquat ausbilden“.

Walkenhorst mit harten Vorwürfen gegen Hildebrand

Ein weiterer prominenter Kritiker Hildebrands: Alexander Walkenhorst, Kiras älterer Bruder, Deutscher Meister 2021 und in diesem Jahr als Start-up-Unternehmer zwischenzeitlicher Retter der vom Untergang bedrohten deutschen Beachvolleyball-Turnierserie.

Von dem ausgebooteten Sportdirektor hält Alex Walkenhorst nichts bis gar nichts. „Der hat in alle Richtungen gelogen“, schimpfte der seit Samstag 34-Jährige in der SZ: „Es gibt zwei, drei Vertraute, die ihm hinterherhecheln, alle anderen sind froh. Dieser Typ war qualitativ nicht gut genug, um Sportdirektor zu sein.“

Walkenhorst präsentiert sich seit Jahren als Klartextredner, der den für ihn verkrusteten Verband aufrütteln, modernisieren für eine junge Zielgruppe attraktiver machen will. Aus Sicht seiner Anhänger mit Fug und Recht, aus Sicht seiner Kritiker richtet er mit er seiner polemisch-polarisierenden Art mehr Schaden als Nutzen an.

In den vergangenen Jahren sorgte Walkenhorst mehrfach für Wirbel, man denke an die Irritationen um ein vermeintliches Penisbild, das er beim Livestream eines Frauenspiels auf den Screen zeichnete. Im Juni ging Spielervertreter Jonas Reinhardt Walkenhorst an, weil die Frauen bei der Serie kaum Center-Court- und damit Stream-Präsenz bekamen.

Brink lobt Walkenhorst

Brink ist trotz aller Irritationen froh, dass es Walkenhorst gibt: „Das was er in seiner Rolle als Unternehmer entwickelt, stellt eine starke Bereicherung für den Beachvolleyball dar“, sagt er SPORT1.

Er müsse „nicht jede seiner Aussagen gutheißen“, Walkenhorsts Verdienste durch die Aufrechterhaltung der durch „Missmanagement“ heruntergewirtschafteten deutschen Serie überwögen jedoch klar.

Er sei Walkenhorst dafür „sehr dankbar“, sagt Brink – und niemand brauche sich zu wundern, dass dieses Gefühl vor allem auch in der Spielerschaft vorherrsche.

Brink lehnt Engagement beim DVV ab

Brink selbst würde dem deutschen Beachvolleyball prinzipiell auch gern mehr helfen, im DVV, wie Präsident Hecht ihn gestaltet hat, sieht er jedoch keinen Platz für sich.

„Ich bringe mich, entgegen der Meinung unseres Präsidenten, gerne ein“, sagt Brink: „Ich bin in der Athleten-Kommission des Weltverbandes, bin dort sehr stark eingebunden und rede mit. Ich habe mich auch in Deutschland jahrelang in gewissen Kommissionen und Leitungsstellen bewegt. Ich sehe aber in der Strukturierung, auch wie sie gerade neu aufgestellt wurden, ist, derzeit keine Position für mich.“ Einer Strukturierung, mit der sich die Sportart aus Brinks Sicht „nicht in die richtige Richtung bewegt“.

Brink bedauert die Situation, denn eigentlich sieht er unverändert großes Potenzial: „Wir haben ein Produkt, dass du den Menschen nicht erst noch erklären musst. Wir haben nicht nur bei Olympia, sondern auch bei der WM immer wieder gezeigt, dass wir in der Lage sind, Massen zu begeistern, siehe Hamburg 2019. Das ist einfach schade, dass wir diesen sportlichen Erfolg nicht nutzen.“

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