Noch mehr Fußball: Nations League als Schreckgespenst am Horizont

Die Nationalmannschaften beklagen hohe Belastung - jetzt kommt auch noch die Nations League. Vereine und Verbände schieben einander die Schuld zu.

Oliver Bierhoff versteht den Nutzen nicht, laut Karl-Heinz Rummenigge "braucht die keiner". Doch entgegen aller Kritik wird im kommenden Jahr ein weiterer UEFA-Wettbewerb eingeführt, der die Diskussion über Belastung und Übersättigung auf die Spitze treibt. Die Nations League der Europäischen Fußball-Union soll ab September 2018 grundsätzlich die Freundschaftsspiele ersetzen - und (noch) höhere Umsätze garantieren.

"Man hat am Ende das Gefühl, die UEFA muss nochmal Geld erwirtschaften und macht deshalb den Wettbewerb", sagte Nationalmannschaftsmanager Bierhoff der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Europameister von 1996 warnte generell: "Irgendwann knallt es dann mal."

An der Nations League nehmen alle 55 UEFA-Nationen teil, eingeteilt nach dem Koeffizienten in vier Ligen mit jeweils vier Dreier- oder Vierer-Gruppen. Um den Modus zu erklären, braucht auch der Europaverband mehrere Powerpoint-Folien. Das Entscheidende: Am Ende gibt es ein Final-Four mit den vier besten Teams aus der "ersten" Liga. Zudem werden über Play-offs vier Tickets für die EURO 2020 vergeben. 

"Der neue Wettbewerb wird auch dazu beitragen, die Qualität und das Renommee des Nationalmannschaftsfußballs zu steigern", beschreibt die UEFA etwas sperrig das Projekt, das einst vom inzwischen gesperrten Ex-Präsidenten Michel Platini ins Leben gerufen worden war. Schließlich könnten nun (Stand jetzt) Nationen wie Belgien, die Schweiz oder Kroatien ihren ersten "bedeutenden" Titel gewinnen. Zweifel daran sind erlaubt.

Zuschauerzahlen gehen zurück

Die vergangenen Länderspiele der deutschen Weltmeister waren nicht mehr ausverkauft, den Confed Cup des Weltverbandes FIFA - der Stellenwert scheint mit dem der Nations League vergleichbar - will der Deutsche Fußball-Bund am liebsten abschaffen. "Man sollte das Rad nicht überdrehen und es nicht ausreizen. Das geht auf Dauer nicht. Man muss aufpassen und gucken, dass man nicht völlig überzieht", sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Bayern Münchens Vorstandschef Rummenigge äußerte am Dienstag in Athen in seiner Funktion als Vorsitzender der einflussreichen europäischen Klubvereinigung ECA: "Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem unsere Spieler zu oft auf dem Platz stehen. Wir müssen die Belastung reduzieren. Es muss mehr um den Fußball, und weniger um das Finanzielle und Politische gehen."

Wo der Fußball dafür ansetzen muss, darüber streiten sich die Verantwortlichen. Während die Verbände (FIFA und UEFA) ihre Turniere in den Himmel loben, kritisieren die Vereinsvertreter die immer neuen Ideen. "Fakt ist, dass zusätzliche Spieltermine vor allem aus Entscheidungen von UEFA und FIFA resultieren. Lösungsansätze zur Reduzierung von Belastungen sollten daher auch zu allererst dort ansetzen", sagte Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga.

Immerhin ist ein weiteres Schreckensgespenst (vorerst) vom Tisch. Weil die UEFA mehr Geld für die Spitzenklubs in der Champions League locker macht, sprechen die großen Vereine nicht mehr von einer eigenen Superliga - also einem Wettbewerb ohne die "Kleinen" aus Europa. "Es muss für jeden Verein den Traum geben, sich für die Champions League qualifizieren zu können", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin zuletzt. Er meinte: Eine Superliga braucht auch keiner.

"Es gibt keine Diskussion über eine Superliga, das kann ich bestätigten", sagte Rummenigge: "Wir sind glücklich, unter dem Dach der Europäischen Fußball-Union zu bleiben und mit ihnen zusammenzuarbeiten."

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