"Sauerei" und "Riesenschaden"! Diese Spiele ließen Bayern wüten

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"Sauerei" und "Riesenschaden"! Diese Spiele ließen Bayern wüten
"Sauerei" und "Riesenschaden"! Diese Spiele ließen Bayern wüten

Zu den prickelndsten Derbys des deutschen Fußballs gehört das der Hansestädter: Hamburger SV gegen Werder Bremen war Jahrzehnte lang ein Klassiker der Bundesliga.

An diesem Samstag treffen sich die Ex-Meister erstmals in der 2. Liga und wieder schaut ganz Fußball-Deutschland auf dieses gefühlte Bundesligaspiel. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga)

Denn die Nachbarn schenkten sich in 155 Pflichtspielen nichts, dafür gibt es Dutzende Belege - leider auch neben dem Platz.

Trauriger Höhepunkt war im Oktober 1982 der erste tote Fan bei Ausschreitungen der Bundesliga, der 16-jährige Bremer Adrian Maleika starb an den Folgen eines Steinwurfs von HSV-Hools.

Doch zweimal gerieten die Klubs in den kaum glaublichen Verdacht zu schummeln, behaupteten jedenfalls die Bayern. Denn die waren jeweils die Dummen.

29. Mai 1993: Werder Bremen – Hamburger SV 5:0

In der Saison 1992/93 hatten die Münchner Bayern einiges wiedergutzumachen. Im Vorjahr wären sie fast abgestiegen, der Rekordmeister spielte nicht mal im UEFA-Pokal und konnte sich auf die Bundesliga konzentrieren. Das immerhin machte die Elf von Trainer Erich Ribbeck so gut, dass sie vom 1. bis zum 32. Spieltag ununterbrochen an der Spitze stand.

Doch es gab einen hartnäckigen Verfolger: Werder Bremen. Die Rehhagel-Elf ließ sich nicht abschütteln und lag nach Bayerns 2:4-Pleite in Karlsruhe nur noch zwei Tore zurück - bei gleicher Punktzahl. Während die Bayern an jenem Samstag den VfL Bochum empfingen, kam der HSV nach Bremen.

Für die Hamburger war die Saison gelaufen, auf Platz 11 ging in keine Richtung mehr etwas. Pikant: Im März hatten sie noch die Bayern geschlagen und von Werder-Manager Willi Lemke eine Einladung in ein Edel-Restaurant erhalten: „Freunde, das L‘Orchidée in Bremen wartet auf euch.“

Allein schon der Begriff „Freunde“ dürfte in der Fanszene für Aufruhr gesorgt haben. Es roch verdächtig nach einer abgekarteten Sache, zumal HSV-Trainer Benno Möhlmann lange für Werder gespielt hatte, nie aus Bremen wegzog und in einem TV-Interview ehrlich zugab, dass ihm Werder als Meister lieber wäre.

Trainer Möhlmann und Stürmer Bester betonen Siegeswillen

Er sah sich nun genötigt, die Spekulationen zurückzuweisen: „Blödsinn, ich bin Trainer und will immer gewinnen.“

Auch von Marinus Bester war so etwas zu hören, der HSV-Stürmer war eine Bremer Leihgabe und musste vier Wochen später zurück. Das hielt selbst Möhlmann für „pikant“. Aber Bester beteuerte: „Ich werde vom HSV bezahlt, also werde ich auch für den HSV kämpfen. Wenn ich die Siegchance auf dem Fuß haben sollte, so werde ich sie eiskalt nutzen.“

Werder-Verteidiger Dietmar Beiersdorfer, Ex-HSVer, versicherte: „Der HSV spielt in Bremen um die Prämien. In dieser Hinsicht sind die Spieler ja leider nicht verwöhnt worden.“ All das sollte die Bayern beruhigen und war womöglich auch ernst gemeint. Aber als es dann ernst wurde, hatte nur noch Werder Spaß.

20 Minuten vor Anpfiff signalisierte HSV-Keeper Richard Golz beim Warmmachen, dass ihn seine unter der Woche zugezogene Schulterverletzung zu sehr behindere - schon das erschien suspekt. Ersatzkeeper Nils Bahr kam überraschend zu seinem zweiten Saisoneinsatz.

Vor ihm stand Verteidiger Oliver Möller, der gab sein Bundesligadebüt. Beide würden nie wieder im Oberhaus spielen. Marinus Bester, der Stürmer mit zwei Herzen in der Brust, blieb immerhin draußen.

Hamburg zeigt keine Gegenwehr

Nach zwölf Minuten vergab Hamburgs Armin Eck eine Großchance, verletzte sich dabei und schied aus - Kreuzbandriss. Eine halbe Stunde blieb die Partie offen, dann leistete sich Bahr einen fatalen Lapsus und ermöglichte das 1:0 durch Andreas Herzog. Bahr (Kicker-Note 6) war nach dem Kullertor geständig: „Klar mein Fehler!“

Und es war das Signal für Werder, etwas fürs Torverhältnis zu tun. Schließlich führten die Bayern schon 2:0. So hieß es nach 36 Minuten auch im Weser-Stadion durch Wynton Rufer. Bayern erhöhte noch vor dem Wechsel auf 3:0, mit drei Toren Rückstand auf die Münchner ging Werder in die Kabine.

Was die Spieler nicht wussten, da in Bremen keine Ergebnisse durchgesagt wurden - eine Order von „König Otto“. Die Bank jedoch war informiert und Rehhagel witterte während der zweiten Hälfte seine Chance. Aus München wurde nur noch ein Tor für Bochum verkündet - warum nicht noch etwas wagen und vielleicht sogar vorbeiziehen?

Der HSV hatte an diesem Tag nichts dagegen, auch wenn er nicht so schlecht war, wie es hinterher aussah. Durch Stefan Kohn (70.), Rufer (87.) und Herzog (90.+1) schraubte Werder die Führung auf 5:0 - das war auch der Endstand.

Bremen übernimmt Tabellenführung - Bayern tobt

Was bedeutete das? „Was ist nun, Willi?“, fragte Rufer Manager Willi Lemke und der tanzte vor Glück: „Mensch, wir sind Tabellenführer.“

Sehr zum Ärger der Bayern, die für sachliche Einwände im ersten Moment nicht zugänglich waren. Der Kicker schrieb zwar: „Es war beileibe keine ‚Nordhilfe‘. Allein Bahr, der unsichere Vertreter des an der Schulter verletzten Golz, sowie Hamburger Nachlässigkeiten in der Schlussphase führten zu diesem weitaus zu hoch ausgefallenen Werder-Erfolg.“

Werders Thorsten Legat beteuerte: „Wer das Spiel gesehen hat, kann nicht davon sprechen, dass es eine Nordhilfe war.“

Die Bayern waren anderer Ansicht und fanden sogar noch derbere Wort. Karl-Heinz Rummenigge, damals noch junger Vize-Präsident, polterte: „Wenn ich von etwas enttäuscht bin, dann von der miesen Einstellung der Hamburger. Was da ablief, war eine ganz miese norddeutsche Provinzposse. Im deutschen Fußball läuft eine Kampagne, die heißt Fair Play. In Hamburg ist davon vielleicht noch nichts bekannt.“

Auf die Frage nach einem möglichen Betrug antwortete er: „Der Mensch hat von Natur aus einen Gerechtigkeitssinn. Deshalb muss jeder, der sah, wie die Tore gefallen sind, so seine Zweifel kriegen.“

Das Ende vom Lied: Eine Woche später wurde Werder - aus der Pole-Position startend - durch ein 3:0 in Stuttgart Meister.

1. Mai 2004: Werder Bremen – Hamburger SV 6:0

Elf Jahre vergingen, dann kam es unter ähnlichen Vorzeichen zu ähnlichen Vorkommnissen.

Am 31. Spieltag 2003/04 stand Werder dicht vor der Deutschen Meisterschaft, lag sechs Punkte vor den Bayern, zu denen sie in der Woche darauf mussten. Da empfahl es sich, das Polster zumindest zu verteidigen.

Und so kam es. An diesem Tag wiederholte sich das Schauspiel von 1993 (5:0 am 33. Spieltag) beinahe haargenau: Wieder kam Werder zu einem leichten Sieg (6:0) über desolate Hamburger, wieder stand der Ersatztorwart im Hamburger Kasten (Tom Starke) und patzte - und wieder schimpften die Bayern.

Manager Uli Hoeneß sprach von „einer Sauerei, das hat mit sportlicher Einstellung nichts zu tun.“ Vize-Präsident Karl-Heinz Rummenigge legte nach: „Es ist ein Riesenschaden für den deutschen Fußball entstanden.“

Hamburg wird ohne Gegenwehr abgeschossen

Brisant: Das erste Bremer Tor schoss ein Hamburger, Sergej Barbarez überwand seinen eigenen Keeper (17.). Valérien Ismael (22.) und Ivan Klasnic (39.) trafen vor der Halbzeit, danach entdeckte auch Stürmer Ailton nach 326 Minuten Ladehemmung seinen Torriecher wieder und erzielte seinen 26. Treffer der Saison (48.).

Die restlichen Tore wechselte Thomas Schaaf sozusagen ein, Nelson Valdez (80.) und Viktor Skripnik (84., Handelfmeter) stachen als Joker. Noch deutlicher als die Torausbeute war das Chancenverhältnis (11:1).

HSV-Trainer Klaus Toppmöller, der einen Sieg in Bremen angekündigt hatte, schämte sich: „Das ist mit der tiefste Tiefpunkt in meiner Trainerlaufbahn. Ich kann mich beim FC Bayern und auch bei allen Fußballfans nur entschuldigen.“

Mit Recht. Es war bis heute das höchste Ergebnis im Nordderby.

Was immer heute passiert - die Bayern können HSV und Werder diesmal nicht verärgern. Die spielen in einer anderen Liga. (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)

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