Was hat Chelseas Strippenzieherin mit Tuchel vor?

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Was hat Chelseas Strippenzieherin mit Tuchel vor?
Was hat Chelseas Strippenzieherin mit Tuchel vor?

Wie Marina Granovskaia den Triumph des FC Chelsea in der Champions League gefeiert hat, ist nicht bekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass sich die Direktorin der Blues direkt wieder in die Arbeit stürzt. Nicht von ungefähr trägt die 46-Jährige - in Anlehnung an die knallharte erste britische Premierministerin Margaret Thatcher - den Namen "Iron Lady”.

Womöglich wird sich Granovskaia zuerst in die Akte Thomas Tuchel vertiefen. Es herrscht schließlich Aufklärungsbedarf.

"Ich bin nicht hundertprozentig sicher, aber vielleicht habe ich durch diesen Sieg schon einen neuen Vertrag. Das könnte sein", sagte ein lachender Tuchel nach dem 1:0-Sieg im Finale gegen Manchester City und fügte hinzu: "Mein Manager hat davon gesprochen, aber ich wusste das nicht. Das müssen wir erst checken." (Zu den Pressestimmen zum CL-Finale)

Bislang lief Tuchels Kontrakt bis Sommer 2022.

Granovskaia wird für Klarheit sorgen. Schließlich hält sie beim FC Chelsea die Fäden eindrucksvoll in der Hand.

Sie holte in dieser Saison nicht nur Tuchel für den entlassenen Frank Lampard an die Stamford Bridge. Vielversprechende Transfers und lukrative Sponsoren-Deals tütet sie am laufenden Band ein.

Rummenigge lobt Granovskaia

Granovskaia ist beim FC Chelsea seit Jahren die Macherin im Hintergrund. Geschätzt wird sie im Klub ebenso wie von der Konkurrenz. Vor ein paar Wochen war es Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, der von Granovskaia regelrecht schwärmte. Der FC Chelsea sei "einer von nur zwei oder drei Klubs", die in der Coronakrise finanziell stabil seien, sagte Rummenigge The Athletic und fügte hinzu: "Marina hat sehr gute Arbeit geleistet."

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Doch wer genau ist die Frau, die bei den Blues als verlängerter Arm von Klub-Besitzer Roman Abramowitsch gilt?

Granovskaia ist Russin, besitzt aber auch einen kanadischen Pass. An der Staatlichen Universität Moskau studierte sie in den 1990er Jahren zunächst Musik und Tanz, schwenkte später auf Fremdsprachen um.

Granovskaia spricht fließend Russisch, Englisch, Französisch, Italienisch und sogar etwas Deutsch. Sie versteht es exzellent, Strippen zu ziehen und sich Netzwerke aufzubauen, gilt als Workaholic und ist extrem fleißig.

Mächtigste Frau im Weltfußball

Beim FC Chelsea steht Granovskaia seit 2013 in der Verantwortung. Nach dem Rücktritt von CEO Ron Gourlay übernahm sie den Posten als Sportdirektorin. Mit dem Abgang des Technischen Direktors Michael Emenalo im November 2017 wuchs ihre Macht weiter an.

Granovskaia gilt als engste Vertraute Abramowitschs. Vor 23 Jahren startete sie ihre berufliche Laufbahn in dessen Ölkonzern, bevor sie später als seine "Beraterin" zum FC Chelsea stieß.

Über die Jahre bewies sie ihr Geschick in harten und humorlosen Transfer- und Vertragsverhandlungen. Das bekam 2013 auch Bayer Leverkusen zu spüren. Damals zog Granovskaia die Fäden beim Transfer von André Schürrle zum FC Chelsea. Für den zu diesem Zeitpunkt 22-Jährigen zahlten die Londoner eine Ablösesumme von 22 Millionen Euro.

Die Geschäftsfrau habe einen toughen, kompetenten Eindruck gemacht, erinnerte sich Leverkusens damaliger Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, und sie habe sich auffallend im Hintergrund gehalten. "Mir sind Leute lieber, die nicht so in die Öffentlichkeit drängen. Vielleicht ist das auch eine ihrer großen Stärken", konstatierte Holzhäuser.

Dass mit ihr nicht zu spaßen ist, musste einst auch Defensiv-Legende John Terry erfahren.

So hart verhandelt Granovskaia

"Nimm ihn oder geh!", soll sie dem langjährigen Kapitän zugeknurrt haben, als dieser bei einem Vertragsangebot zögerte. Sie soll es auch gewesen sein, die José Mourinho an die Stamford Bridge zurücklotste. Und sie war ebenfalls verantwortlich für den Rekord-Sponsorendeal mit Nike, der dem Klub bis 2032 mehr als 65 Millionen Euro pro Jahr einbringt.

2019 ließ die Chelsea-Direktorin Real Madrid beinahe verzweifeln. Eden Hazard, der sieben Jahre lang für den FC Chelsea wirbelte, wollte unbedingt zu Real - und der Zidane-Klub wollte unbedingt Hazard.

Doch obwohl der Offensiv-Mann vertraglich nur noch für ein Jahr an die Stamford Bridge gebunden war, blieb Granovskaia in den Verhandlungen knallhart. Sie gab erst nach, als der spanische Rekordmeister ihr mehr als 100 Millionen Euro Ablöse plus erfolgsabhängige Bonuszahlungen bot.

Granovskaias Erfolge beim Traditionsklub aus dem Westen Londons lesen sich beeindruckend: Sie organisierte einst auch den Umzug in das moderne neue Trainingszentrum Cobham und forcierte die Jugendarbeit, die im Laufe der vergangenen Jahre auf der Insel Maßstäbe gesetzt hat.

Eben solche setzte sie in England auch bei Transfererlösen. Seit 2012 verkaufte Chelsea Spieler für 946 Millionen Euro und ist damit die klare Nummer eins auf der Insel. Es folgt der FC Liverpool mit satten 330 Millionen Euro weniger.

Abramowitsch vertraut Granovskaia

Die Russin gilt als mächtigste Frau im Weltfußball. Beim Tuchel-Klub ist Granovskaia längst Mitglied im Vorstand. "Sie hat bei Chelsea im Prinzip die Macht. Roman vertraut ihr total. Sie hat kein Interesse daran, ein Star zu sein. Trotzdem kann es keinen Zweifel daran geben, wer das Sagen hat und wer die Richtung vorgibt", zitiert der Evening Standard eine vereinsinterne Quelle.

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Über das Privatleben der Russin ist derweil nur wenig bekannt. In einem der seltenen Zitate über ihre Person wird sie von einem ehemaligen Lehrer als "graue Maus" beschrieben. Der Daily Mail sagte der Pädagoge: "Ich erinnere mich daran, sie unterrichtet zu haben, allerdings an nichts Außergewöhnliches."

Umso außergewöhnlicher ist ihr anschließender Werdegang.

Nach dem Champions-League-Triumph wird sie weiterbasteln am FC Chelsea. Vielleicht kann sie sogar eine neue Ära prägen - mit Thomas Tuchel als einen der Hauptverantwortlichen.

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