Darum zog Bayern das Alaba-Angebot wirklich zurück

Florian Plettenberg
·Lesedauer: 6 Min.

David Alaba steht vor einem Abgang beim FC Bayern. Die Bayern haben ihr Vertragsangebot zurückgezogen, eine Chance gibt es aber noch. SPORT1 klärt die wichtigsten Fragen.

Ab sofort befindet sich David Alaba nach zwölf Jahren beim FC Bayern auf seiner Abschiedstournee.

Nach monatelangen Vertragsverhandlungen zwischen seinem Management (Berater Pini Zahavi und Alaba-Vater George) und den Verantwortlichen des FC Bayern haben die Münchner ihr Angebot zur Vertragsverlängerung am vergangenen Wochenende offiziell zurückgezogen.

Präsident Herbert Hainer hat dies öffentlich im BR bestätigt.

Am Montag äußerte sich Alaba persönlich zu den neuesten Entwicklungen und offenbarte mit seinen Aussagen, dass die Fronten zwischen allen Beteiligen extrem verhärtet sind.

SPORT1 klärt die wichtigsten Fragen zum Alaba-Knall!

Hat sich Herbert Hainer bewusst in diese Sendung gesetzt, um über Alaba zu sprechen?

Nein. Hauptsächlich sollte es bei Hainers Besuch bei Blickpunkt Sport über Gerd Müllers bevorstehenden 75. Geburtstag gehen.

Der Bayern-Präsident hatte eine Frage zu Alaba aber einkalkuliert und wurde darauf vorbereitet. Dementsprechend konnte Hainer klar und deutlich, aber dennoch respektvoll über die aktuellen Entwicklungen des Wochenendes informieren.

Wann wurden Alaba und sein Management vom zurückgezogenen Angebot informiert?

Nach SPORT1-Informationen hat Hasan Salihamidzic Alaba-Berater Pini Zahavi am Samstag telefonisch mitgeteilt, dass die Bayern ihr Angebot nicht nachbessern werden. Am Sonntag sprach der Sportvorstand mit Alaba persönlich über die Entscheidung der Bayern.

Dem Spieler wurde auch mitgeteilt, dass Hainer am Abend in einer TV-Sendung sitzen werde und im Falle einer Frage zum Vertrags-Poker die Bayern-Entscheidung verkünden werde.

Ob Alaba vorab gesagt wurde, dass das Vertrags-Angebot vom Tisch ist oder lediglich, dass sein Berater die Deadline (31. Oktober) hat verstreichen lassen und die Bayern nicht nachbessern werden, ist nicht klar.

Alaba klagte am Montag: "Ich habe das gestern wie ihr alle aus den Nachrichten erfahren." Und weiter: "Ich habe nicht gewusst, wie sie handeln (…) Ich habe immer wieder betont, dass ich sehr gerne gehabt hätte, das Internes auch intern bleibt."

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Warum wurde das Angebot wirklich zurückgenommen?

Der monatelange Vertrags-Poker wurde den Bayern schlichtweg lästig. Dass öffentliche Interesse war ohnehin schon immens und artete nach den Aussagen von Uli Hoeneß im CHECK24 Doppelpass bei SPORT1 zur Schlammschlacht aus.

In Pressekonferenzen und diversen Interviews mit FCB-Protagonisten standen Fragen zu Alaba an der Tagesordnung. Der Fokus aufs Sportliche litt darunter. Zudem wollten die Bayern mit dieser Entscheidung auch ein Statement setzen.

Die Botschaft soll lauten: Auch in zukünftigen Vertragsverhandlungen (u.a. Serge Gnabry, Niklas Süle) behält der Verein die Oberhand.

Wie von SPORT1 berichtet, haben sich die Bayern-Bosse früh entschieden, dieses letzte, aus ihrer Sicht "sehr faire" (Hainer) Angebot nicht nochmal finanziell nachzubessern. Den Bayern droht durch die Corona Krise (u.a. fehlende Zuschauereinnahmen) ein Verlust von bis zu 100 Millionen Euro, weshalb finanzielle Extrem-Pakete zukünftig rar sein werden.

Wird Alaba den FC Bayern tatsächlich verlassen?

Ja, höchstwahrscheinlich. SPORT1 erfuhr aber: Die Bayern-Bosse bleiben gesprächsbereit und würden sich mit Alaba und seinen Beratern auch wieder an einen Tisch setzen. Allerdings müsste Alaba proaktiv auf die Bayern zugehen.

Die Bayern wollen sich nicht mehr rühren. Das zurückgezogene Angebot wird zudem keinesfalls nachgebessert, sofern nochmal Verhandlungen aufkommen sollten. Aktuell plant Zahavi nach SPORT1-Informationen auch keine weiteren Verhandlungen mit den Bayern.

Auf Nachfrage sagt Alaba zu seiner Zukunft: "Ich bin ein Spieler, der sehr gern für den FC Bayern München spielt. Ich fühle mich wohl und bin sehr froh, noch ein Teil der Mannschaft zu sein. Wie es in der Zukunft aussehen wird kann ich nicht sagen, da noch niemand von offizieller Seite mit mir gesprochen hat."

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Wollen die Bayern Alaba schon im Winter abgeben?

Unklar. Möglich ist aber, dass ein millionenschweres Angebot im kommenden Wintertransfer-Fenster für die Bayern interessant wird, um wichtige Einnahmen generieren zu können. In diesem Fall würde Alaba den Bayern in der sportlich bedeutenden Rückrunde fehlen. Ein ablösefreier Wechsel im Sommer ist wahrscheinlicher.

Mit wem planen die Bayern als möglichen Ersatz?

Chefscout Marco Neppe und Salihamidzic, sein Vorgesetzter, haben einen möglichen Alaba-Abgang einkalkuliert und sondieren den Markt. Sollte, wie zu erwarten ist, auch Jérôme Boateng am Ende gehen (Vertrag bis 2021) sind aktuell Niklas Süle, Lucas Hernández, Benjamin Pavard und Tanguy Nianzou Kandidaten für die Stammbesetzung der Innenverteidigung.

Gerüchte gibt es immer wieder um den 22-jährigen Dayot Upamecano, der bei RB Leipzig noch einen Vertrag bis 2023 hat und eine Ausstiegsklausel besitzt.

Haben die gescheiterten Verhandlungen Einfluss auf Alabas Stammplatz?

Unwahrscheinlich. Alaba bleibt für Flick der Abwehrboss und die erste Alternative auf der halblinken Innenverteidiger-Position.

Beeinflusst die Vertrags-Posse sein Standing in der Mannschaft?

Nein, wenngleich der Vertrags-Poker natürlich ein Thema in der Bayern-Kabine ist. Alaba ist unter Flick im Mannschaftsrat und wird sportlich wie menschlich von allen im Verein geschätzt.

Beim Abschlusstraining am Montag konnte Alaba schon wieder lachen und unterhielt sich beim Warm-Up vor allem mit Joshua Kimmich.

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Wie denkt Pini Zahavi?

Der Israeli ist nach SPORT1-Informationen tiefenentspannt und hegt keinen Groll auf die Bayern. Öffentlich nachzutreten kommt für ihn derzeit nicht infrage. Auch nicht für Vater George. Noch intensiver als zuvor dürfte Zahavi jetzt mit anderen Vereinen in Kontakt treten.

Ab dem 1. 1. 2021 kann Alaba offiziell mit anderen Klubs verhandeln. Sein Wunschziel bleibt Spanien.

Was haben Zahavi und Alaba-Vater George gefordert?

Unklar. Monatelang wurde behauptet, dass Zahavi für Alaba ein Gehaltspaket um die 20 Millionen Euro pro Jahr schnüren will. Seitens der Bayern sollen elf Millionen Grundgehalt plus sechs Millionen Euro an möglichen Prämien geboten worden sein.

Offiziell bestätigt hat diese Zahlen niemand, dementiert aber auch nicht, was Alaba stört: "Ich kann jedem Fan versichern, dass die Summen, die in den Raum gestellt wurden, nicht der Wahrheit entsprechen. Es hat mich verletzt, dass diese Zahlen nicht auch von offizieller Seite dementiert wurden. Das hat mich enttäuscht."

Nach SPORT1-Informationen hat sich sein Management perspektivisch einen Platz im zentralen Mittelfeld gewünscht. Auf SPORT1-Nachfrage stellt Flick aber klar: "David sehe ich in der Innenverteidigung."

Wie denkt Alaba?

Auf der Pressekonferenz am Montag hat Alaba einen gefestigten Eindruck hinterlassen. Ihm war aber anzumerken, dass ihn das Thema belastet.

Er ging deutlich in die Offensive und legte sogar später bei Sky nach: "Als die Vertragsverhandlungen losgingen, ging es schon nicht in die richtige Richtung. Das ist jetzt ein Jahr her und da war Corona noch sehr weit weg. Da wurde mir ein Vertrag vorgelegt, in dem mir Anerkennung und Wertschätzung wirklich nicht gegeben wurde. Das hat mich enttäuscht."

Zudem bestätigte Alaba die SPORT1-Information, dass die Bayern über einen Tausch zwischen ihm und Leroy Sané (damals noch bei Manchester City) nachgedacht und ihn damit konfrontiert haben. Alaba dazu: "Das war ein Schlag ins Gesicht."

VIDEO: Angebot zurückgezogen - so reagiert die Alaba-Seite