Nicht nur LeBron und Davis: Das macht die Lakers so stark

Markus Bosch
Sport1

Der 6. März 2013 war für die Los Angeles Lakers bis zur vergangenen Nacht ein vermeintlich unbedeutender Tag.

Doch nach dem 118:112-Sieg bei den Chicago Bulls enthüllten die NBA-Zahlengurus, dass die Lakers letztmals an jenem 6. März vor sechs Jahren, gegen die New Orleans Pelicans, einen Halbzeitrückstand von 17 Punkten in einen Sieg ummünzen konnten. Damals scheiterte die ruhmreiche Franchise im Anschluss bereits in der ersten Playoff-Runde und konnte seither selbige nicht mehr erreichen.

Und wie geht es in dieser Saison aus? Stand jetzt werden die Lakers ihrer Favoritenrolle gerecht.

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Im Sommer wurde mit Anthony Davis per Trade ein zweiter Star an die Seite von LeBron James geholt. Im Gegenzug mussten zahlreiche hoffnungsvolle Talente weichen. Die Message war klar: Der 34 Jahre alte LeBron wollte nach einer verkorksten Saison mit allen Mitteln unbedingt den sofortigen Erfolg – ohne Rücksicht auf die mittel- und langfristige Zukunft der Lakers.

Mit einer Bilanz von sechs Siegen und einer Niederlage geht der Plan zum Saisonstart voll auf – und das gleich aus mehreren Gründen. SPORT1 beleuchtet sie.

- LeBron James in Topform

Drei Triple-Doubles in Serie gelangen "King James" in den vergangenen drei Spielen, damit ist er mit 34 Jahren und 310 Tagen nun der älteste Spieler in der NBA, der dieses Kunststück vollbracht hat.

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Nachdem er in der Vorsaison verletzungsbedingt lediglich 55 Spiele bestritt, scheint LeBron nun wieder in Topform zu sein – ohne dabei aber zu überdrehen. Denn im Gegensatz zu den Vorjahren ist er nicht der Alleinunterhalter, sondern erhält auch durch Davis die Möglichkeit, durchzuschnaufen.


So kann er auch die Kritiker, die ihn teilweise bereits über seinem Zenit sahen, widerlegen. Auf Twitter teilte er nach seinem dritten Triple-Double einen Post der Lakers, die schrieben, dass er als erster Lakers-Spieler seit 32 Jahren drei Triple-Doubles in Serie hinlegte. Dazu postete er den Hashtag "WashedKing", der sich auf Deutsch am ehesten mit erschöpfter König übersetzen lässt. Diesen Worten ließ er einen Smiley mit Zeigefinger an den Lippen folgen. Die Kritiker sind aktuell verstummt.

- Anthony Davis erfüllt die Erwartungen

Auch der zweite Star der Lakers hat gewichtigen Anteil am erfolgreichen Saisonstart. In gewohnter Manier steuert er aktuell mit 17,3 Punkten und 11,5 Rebounds ein Double-Double im Schnitt bei. Dabei hat Davis sogar noch Luft nach oben, denn aktuell steht er phasenweise noch etwas im Schatten von LeBron.

Aktuell lässt Lakers-Coach Frank Vogel das Duo im Spielverlauf oftmals abwechselnd aufs Feld, um in der Schlussphase mit beiden Stars den Sieg zu sichern. Im weiteren Saisonverlauf könnte sich noch ein Schachzug mit Davis als besonderer Trumpf erweisen. Obwohl der 26-Jährige nicht wirklich gerne als Center agiert, ist er auf dieser Position für die Lakers äußerst wertvoll.

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In den ersten sechs Partien spielte er insgesamt 65 Minuten auf der "Fünf" und half vor allem in den 45 Minuten gemeinsam mit LeBron enorm - offensiv wie defensiv. Das Net-Rating, eine Statistik die zeigt, wie Offense und Defense bei 100 Ballbesitzphasen im Verhältnis stehen, weist für jene 45 Minuten einen starken Wert von +17,3 aus. Sprich: Die Lakers erzielen in diesem Zeitraum mit Davis als Center plus LeBron auf dem Feld über 17 Punkte mehr, als sie auf der Gegenseite hinnehmen müssen.

- Ein geläuterter Dwight Howard

Nach dem Saisonaus für Center DeMarcus Cousins waren die Lakers kurzfristig zum Handeln gezwungen und entschieden sich für den gefallenen "Superman" Dwight Howard. Einst bei den Lakers als Mann für die Zukunft geholt, begann mit dem unrühmlichen Ende 2013 dort sein Abstieg.


Im Sommer drohte ihm gar das Aus in der NBA - und das obwohl sich Howard geläutert gab und hart an sich arbeitete. Cousins Pech brachte Howard dann doch noch einen Platz im Lakers-Roster – allerdings zu stark leistungsbezogenen Konditionen.

Bisher ist nichts von irgendwelchen Kapriolen zu sehen, stattdessen hat der frühere All-Star einen Platz in der Starting Five erobert und beeindruckt vor allem mit seiner Wurfquote von aktuell über 78 Prozent.

- Eine (überraschend) starke Bank

Nach den zahlreichen Abgängen für die Verpflichtung von Davis war das Roster der Lakers nur noch ein schmales Gerippe mit zwei Superstars. Anschließende Verpflichtungen von Alex Caruso, Avery Bradley oder Quinn Cook sorgten nicht gerade für Begeisterungsstürme bei den Fans der Lakers, die insgeheim von Kawhi Leonard träumten.

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Mit Kyle Kuzma, der als dritte Offensiv-Option eingeplant ist, war immerhin noch ein Talent verblieben. Dennoch gab es viele Zweifel, ob dieser Kader für die hohen Ziele ausreichen würde. Gegen Chicago waren es aber eben jene Bankspieler, die die Wende zugunsten der Lakers einleiteten. "Diese Jungs kamen rein und gaben uns einen großen Schub und wir haben jede Minute davon gebraucht", lobte James seine Teamkollegen nach der Partie. Auch in Zukunft werden Davis und LeBron die Spiele nicht (immer) im Alleingang gewinnen können.

- Starke Defense

"Offense wins games, defense wins Championships." Dieses Uralt-Credo hat man sich bei den Lakers wohl zu Herzen genommen. Nach sieben Partien weisen sie mit 97,9 das beste Defensiv-Rating der Liga auf und liegen auch bei den Blocks pro Partie ganz vorne.


Und wenn sogar LeBron sich in der Verteidigung wieder reinhängt, muss Coach Vogel in der Vorbereitung wohl die richtigen Worte bezüglich Einstellung gefunden haben. Sein Spielstil fußt ohnehin auf einer starken Defense, mit Davis und James verfügt er über zwei elitäre Verteidiger, die auch Schwächen anderer Spieler kaschieren können. Aktuell scheint es, als ob Vogels Konzept von der Mannschaft sehr gut umgesetzt wird.

- Fazit

Die Lakers scheinen momentan in absoluter Topform zu sein und werden ihrem Anspruch auf den Titel gerecht. Allerdings sind gerade einmal sieben von 82 Spielen der Regular Season absolviert, sodass aktuell wohl lediglich eine Tendenz zu erkennen ist. Doch diese zeigt für die Lakers nach einer langen Dürrephase nach oben. Eine Verletzung von LeBron oder Davis sowie ein Ausfall mehrerer Spieler gleichzeitig könnten das Lakers-Team aber schnell in eine Krise stürzen.

Eine Krise, die im Basketball-Epizentrum Los Angeles schwer wiegen würde.

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