Nur noch Vierzylinder-Superbikes in der WSBK: Warum die V2-Bikes ausstarben

Sebastian Fränzschky

Die Ära der Ducati-V2-Superbikes in der WSBK ging mit der Saison 2018 zu Ende. Die titellose V2-Panigale wurde nach sechs Jahren Dienstzeit ins Museum geschoben. Das Werksteam und die Kundenteams von Barni und Go Eleven setzten 2019 auf die brandneue V4R, die dank Alvaro Bautistas Seriensiegen die Superbike-WM im Sturm eroberte. Doch warum wurde das V2-Konzept, das jahrelang die Superbike-WM bestimmte, immer unbeliebter?

WSBK-Routinier Leon Haslam kann sich noch gut an die Jahre erinnern, in denen Ducatis V2-Bikes die Superbike-WM dominierten. Der Brite saß 2003 und 2004 selbst auf einer 999RS. "Ich vermisse die V2-Bikes nicht wirklich", kommentiert Haslam im Exklusiv-Interview mit 'Motorsport.com'.

"Ducati setzt jetzt auf die Technologie, in der sie das meiste Potenzial sehen. Man benötigt heutzutage nicht mehr das Drehmoment des V2-Motors. Die Vorteile dieser Motoren sind nicht mehr so wichtig wie damals", begründet Haslam den Wechsel zum leistungsstärkeren Vierzylinder-Motor.

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"Man kann jetzt dank der Elektronik den Charakter des Motors entsprechend anpassen. Mehr Leistung verschafft einen größeren Vorteil als das Drehmoment des V2-Motors", stellt Haslam klar. Die Radikalität der V4R überraschte den BSB-Champion von 2018 nicht.

Radikale Superbikes gehören zur Ducati-Geschichte

"Es ist nichts Neues. Ducati konnte mit einer Ausnahme immer in der ersten Saison gewinnen, wenn sie ein neues Motorrad präsentierten. Sie verwenden immer extreme Motorräder, die ausschließlich für den Rennsport gebaut werden. Die Herangehensweisen der restlichen Hersteller sind anders. Diese Hersteller bauen Motorräder für die Straße, mit denen sie dann Rennen fahren", vergleicht der ehemalige Kawasaki-Pilot.

"Die Vorgängermaschine war das einzige Ducati-Superbike, das keine Meisterschaft gewinnen konnte. Deshalb haben sie das V4-Konzept richtig auf die Spitze getrieben. Sie haben die Informationen aus der MotoGP in die Superbike-WM übertragen", erkennt Haslam.

Ducati Panigale V4R: Extreme Drehzahlen, über 230 PS und Technologien aus der MotoGP

Ducati Panigale V4R: Extreme Drehzahlen, über 230 PS und Technologien aus der MotoGP <span class="copyright">LAT</span>
Ducati Panigale V4R: Extreme Drehzahlen, über 230 PS und Technologien aus der MotoGP LAT

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Laut Haslam ist die Technik in der Superbike-WM mittlerweile zu entscheidend: "Meiner Meinung nach konzentriert sich der Sport momentan sehr stark auf die Technik. Man benötigt ein komplettes Paket. Ich rede nicht nur vom Motorrad. Auch die Techniker in der Box sind sehr wichtig."

In der Vergangenheit war der Fahrer wichtiger als die Technik

"Man braucht ein komplettes Paket", stellt Haslam fest. "In der Ära, in der ich begann, konnte ich selbst mit sehr begrenztem Wissen, einem nicht allzu guten Motorrad und Team ordentliche Ergebnisse einfahren. Heutzutage muss alles stimmen. Man braucht die richtigen Techniker, die richtige Maschine und einen Hersteller, der Druck ausübt. Jahr für Jahr werden weitere Fortschritte erzielt."

Leon Haslam debütierte 2003 in der Superbike-WM mit einer Ducati 999RS

Leon Haslam debütierte 2003 in der Superbike-WM mit einer Ducati 999RS <span class="copyright">LAT</span>
Leon Haslam debütierte 2003 in der Superbike-WM mit einer Ducati 999RS LAT

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"Ducati hat mit dem neuen Motorrad die Messlatte höher gelegt. Es ist schwierig, gute Ergebnisse zu erzielen. Ich kann mich aber sehr glücklich schätzen, denn ich fuhr 2019 für ein tolles Team und schaffte es aufs Podium", bemerkt der ehemalige Kawasaki-Pilot.

"Es sind die Hersteller, die den Unterschied ausmachen. In meinen Augen sind alle Fahrer sehr konkurrenzfähig. Das Niveau der Fahrer war vermutlich noch nie so hoch wie jetzt. Die Motorräder machen den Unterschied aus", so Haslam.

Mit Bildmaterial von Carl Fogarty.

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