Nur P6: Renault "aus verschiedenen Gründen" hinter den Erwartungen

Ruben Zimmermann
motorsport.com

Eigentlich wollte das Renault-Werksteam 2019 an die Spitze des Mittelfelds. WM-Rang vier hatte man vor der Saison als klares Ziel ausgegeben, dazu wollte man die Lücke zu den drei Spitzenteams schließen. Doch die Realität spricht zur Sommerpause eine ganz andere Sprache. Renault liegt hinter McLaren und Toro Rosso nur auf WM-Rang sechs, und die erste Saisonhälfte war vor allem von Enttäuschungen geprägt.

"Es war ganz sicher knifflig", räumt Nico Hülkenberg ein und erklärt, dass 2019 "aus verschiedenen Gründen" eine Herausforderung gewesen sei. "Zu Beginn der Saison ging es mehr um die Zuverlässigkeit. Dann kam eine Phase, in der Daniel [Ricciardo] und ich Fehler gemacht haben und uns und das Team um Punkte gebracht haben. Dazu kommt, dass das Mittelfeld so eng ist", erklärt Hülkenberg.

"Wir kämpfen jetzt gegen zehn Autos - im Vorjahr werden es vielleicht vier, maximal sechs", so der Deutsche, der in zwölf Rennen lediglich viermal in die Punkte fuhr. Zum Vergleich: Vor einem Jahr hatte er zum gleichen Zeitpunkt doppelt so viele Top-10-Ergebnisse auf dem Konto. Daher weiß auch er, dass Renault vor allem selbst dafür verantwortlich ist, dass es 2019 nicht läuft.

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Neuzugang Ricciardo hatte sich "mehr erhofft"

Man sei bei der Entwicklung des Autos nicht gut genug gewesen und stehe nicht da, "wo wir bei der Pace und dem Speed sein wollen." Er gesteht: "Wir sind natürlich nicht glücklich darüber, wie die Dinge laufen." Zwar herrsche im Team keine negative Stimmung, "aber wir wissen, dass wir reagieren und womöglich ein paar Dinge ändern müssen", erklärt Hülkenberg.

"Natürlich ist das hart für das Team. Wir können nicht hier stehen, lächeln und sagen: 'Nein, nein, alles ist großartig, es wird schon werden.' Wir haben hohe Ambitionen und Ziele. Das ist für ein Werksteam ganz normal. Aber wir haben in diesem Jahr nicht wirklich alles abgeliefert", gibt er sich selbstkritisch. Seine beste Chance auf ein Topergebnis vergab er in Hockenheim, als er im Regen abflog.

Teamkollege Daniel Ricciardo bringt es ebenfalls lediglich auf vier Punkteresultate. "Ich hatte mir natürlich mehr erhofft", gesteht der Renault-Neuzugang. "Aber mir war auch klar, dass es ein steiniger Weg wird. Es gab Rennen wie Kanada, wo wir im Qualifying die Erwartungen übertroffen haben. Und dann auch Rennen wie Österreich, wo wir langsamer waren", erinnert er."

Saisonziele 2020 jetzt schon in Gefahr?

"Es ist ein Auf und Ab. Aber zur Halbzeit können wir sagen: 'Okay, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, nämlich Podestplätze ab 2020, dann müssen wir jetzt zulegen und in der zweiten Saisonhälfte größere Schritte machen", weiß auch der Australier. "Ich bin nicht niedergeschlagen", versichert er und erklärt: "Ja, wir wollen weiter vorne sein. Aber mir war klar, dass das dauern wird."

"Wenn wir bis Saisonende da bleiben, wo wir jetzt sind, dann ist das schlechter als erwartet", nimmt jedoch auch er das ganze Team in die Pflicht. Doch die Frage lautet, ob das Saisonziel Platz vier überhaupt noch erreichbar ist. 43 Punkte fehlen bereits auf Kundenteam McLaren, das aktuell mehr als doppelt so viele Zähler auf dem Konto hat. Zudem wird es laut Ricciardo in den nächsten Wochen keine großen Updates geben.

"Wir werden bis lang nach der Sommerpause kein wirklich großes Update bekommen", kündigt er an und erklärt: "Kleinere Entwicklungen schon, aber kein so großes Paket wie in Frankreich. Vom nächsten solchen Paket erwarte ich mir einen größeren Schritt." Dieses solle "vielleicht nach Singapur" kommen. Und auch Hülkenberg ist aktuell ein bisschen skeptisch.

Motor: Es drohen weitere Gridstrafen

"Es hängt davon ab", antwortet er auf die Frage, ob Renault seine Ziele noch erreichen könne. Das Mittelfeld sei sehr eng, und die Kräfteverhältnisse seien "von Wochenende zu Wochenende unterschiedlich." Außerdem sei McLarens Vorsprung bereits groß. Ein bisschen helfen könnte neben dem von Ricciardo angesprochenen Update auch ein neuer Motor, die Ausbaustufe "Spec C".

"Ich bin mir nicht sicher, wo wir die 'Spec C' einsetzen werden", bremst Hülkenberg die Erwartungen jedoch. Zusätzliches Problem: Ricciardo und er haben das erlaubte Motorenlimit bereits überschritten, die Einführung der neuen Ausbaustufe würde also Gridstrafen mit sich bringen. Andererseits weiß Hülkenberg, dass zusätzliche Power besonders bei den kommenden Rennen in Spa und Monza "ziemlich nützlich" sein könnte.

Für Ricciardo kommt die Sommerpause jedenfalls genau zum richtigen Zeitpunkt. "Ich meine das nicht negativ", erklärt er und ergänzt: "Manchmal muss man eine kleine Auszeit nehmen, um die Dinge noch einmal Revue passieren zu lassen." Das sei während der laufenden Saison nicht möglich. Zudem sei es auch für ihn persönlich wichtig, "um die ersten sechs Monate bei einem neuen Team zu bewerten."

Übermäßig positiv dürfte diese Bewertung in sportlicher Hinsicht nicht ausfallen.

Mit Bildmaterial von LAT.

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