Ein Niedergang, der ganz Spanien erschüttert

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Ein Niedergang, der ganz Spanien erschüttert
Ein Niedergang, der ganz Spanien erschüttert

Jahrelang galt der spanische Fußball als Top-Adresse für internationale Erfolge und die besten Spieler der Welt. (SERVICE: Alle News zu La Liga)

Und es ist auch noch nicht allzu lange her, da kickten die Superstars Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Neymar allesamt in La Liga.

Mit ihren Vereinen sammelten sie regelmäßig Titel – auch auf kontinentaler Ebene. Zur Erinnerung: Von 2009 ausgehend stammte der Sieger der Champions League in zehn Saisons gleich siebenmal aus Spanien.

Doch die Gegenwart zeugt von einem anderen Bild. Nach den ersten beiden Spieltagen der aktuellen Saison in der Königsklasse ist es vor allem um die beiden spanischen Riesen nicht gut bestellt.

Real Madrid blamierte sich im eigenen Stadion gegen ein Team aus Transnistrien namens Sheriff Tiraspol, der FC Barcelona ging nach der Lehrstunde gegen den FC Bayern zum zweiten Mal mit 0:3 auch gegen Benfica Lissabon unter.

Presse geht mit Spaniens Vereinen hart ins Gericht

Ohnehin läuft es bei den spanischen CL-Teilnehmern - dazu gehören noch der FC Villarreal, der FC Sevilla und Atletico Madrid - grundsätzlich unterdurchschnittlich.

Denn: Erst zwei spanische Mannschaften gingen nach zehn Partien in der Königsklasse als Sieger vom Platz.

Das Urteil der nationalen Presse fiel entsprechend vernichtend aus. „Vom Sheriff erschossen“, titelte etwa die Mundo Deportivo nach Reals Sensationspleite gegen Tiraspol. Bei den punkt- und torlosen Katalanen war hingegen von einer „Ruine“ (Marca) und einem „unerträglicher Albtraum“ (Sport) die Rede.

Doch nicht allein die jüngsten Resultate stehen sinnbildlich für die aktuelle Krise des spanischen Fußballs.

Weltstars wandern aus La Liga ab

Die eingangs angesprochenen Weltstars kicken nicht mehr in Spanien, sondern in England oder Frankreich.

Was auch damit zusammenhängt, dass die Vereine aus La Liga im internationalen Wettbieten gegen die Scheich- und Oligarchen-Klubs derzeit den Kürzeren ziehen.

Vor allem die finanzielle Situation des FC Barcelona gleicht dabei einem Trümmerhaufen.

Zudem mangelt auf dem Rasen an sportlicher Attraktivität. Zahlen gefällig?

In keiner anderen der fünf Top-Ligen fallen derzeit weniger Tore als in Spaniens Oberhaus. Gerade einmal 2,38 Tore gibt es pro Partie.

Zum Vergleich: In der italienischen Serie A liegt dieser Wert bei 3,23 Treffer pro Spiel. (DATEN: Die Tabelle von La Liga)

Tiki Taka gehört der Vergangenheit an

Dabei stand La Liga in der Vergangenheit für viele Tore und feinen Fußball mit Tiki Taka à la Barcelona.

Schon im August indes sprach Manuel Pellegrini, Trainer von Real Betis, von der nun „langsamsten Liga in Europa“.

Der 68-Jährige kritisierte: „Die Leute wollen eine Show sehen, und wir bieten sie ihnen nicht. Die meisten Zeit-Schindereien, die meisten Schwalben, es ist eine Schande.“

Auch beim durchschnittlichen Alter der Profis schneidet die Primera Division Liga nicht gut ab: Mit 27,5 Jahren liegt dieser Wert so hoch, wie in keiner anderen Top-Liga.

Bestes Beispiel für eine verpasste Verjüngung ist Real. Die Königlichen setzen auf Altstars wie Toni Kross oder Marcelo - aus dem Nachwuchs dagegen drängt niemand nach. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan von La Liga)

Streit hinter den Kulissen

Neben dem Sportlichen gibt es noch eine weitere Krise auf der iberischen Halbinsel: Real Madrid und Barca halten noch immer an der Idee zur Gründung einer europäischen Super League fest - das sorgt für gravierende politische Spannungen.

Die Klubs landeten vor einem spanischen Gericht sogar einen Erfolg: Das untersagte der UEFA das angekündigte Disziplinarverfahren voranzutreiben - womit den abtrünnigen Vereinen kein Ausschluss mehr aus der Champions League droht.

Dafür tobt an anderer Stelle ein Rechtsstreit zwischen La Liga und drei Klubs: Real, Barca und Athletic Bilbao klagen gegen einen Teilverkauf von zehn Prozent der Liga für 50 Jahre an die Beteiligungsgesellschaft CVC.

Es kracht also auch hinter den Kulissen des spanischen Fußballs gewaltig.

Auch Spaniens Nationalteam nur noch Mittelmaß

Zu allem Überfluss sind es nicht nur die spanischen Vereine, die für Krisenstimmung sorgen.

Auch die lange als unbesiegbar geltende Nationalmannschaft hat von ihrem Glanz eingebüßt. Der einstige Primus im Weltfußball verlor Anfang September durch das 1:2 in Schweden das erste WM-Qualifikationsspiel seit 1993.

Die Erfolgsära mit doppelten Gewinn der Europameisterschaft (2008, 2012) und dem WM-Titel 2010 ist somit Geschichte. Zumal: Bei der WM 2014 war für die Iberer schon in der Vorrunde Schluss.

Immerhin : Die EM im vergangenen Sommer endete für Spanien nach zwei mühsamen Unentschieden zum Auftakt erst im Halbfinale.

Doch die Krise hat den spanischen Fußball längst fest im Griff.

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