Nicht nur Schmuck! Flörsch fordert echte Chance für Frauen

Tobias Wiltschek
Sport1

Was für eine Ehre! Rennfahrerin Sophia Flörsch gehört beim Laureus Award 2020 zu den Nominierten in der Kategorie "Comeback des Jahres". Ihre Konkurrenten: Tennis-Superstar Andy Murray, NBA-Champion Kawhi Leonard und der FC Liverpool. Für die 19-Jährige ist die Nominierung aber nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch eine Chance, für sich und ihr Anliegen zu werben.

Flörsch, die im November 2018 einen fürchterlichen Unfall in Macao überlebt hatte und schon vier Monate später wieder in einem Rennauto saß, ist derzeit noch ohne Cockpit in der Formel 3 für die kommende Saison. Auch deswegen fiebert sie der Verleihung des "Sport-Oscars" am 17. Februar in Berlin entgegen.

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"Die ganze Sportwelt weiß, wie einzigartig das ist. Deswegen hilft es mir auch, mich bei Partnern darzustellen, und Partner zu finden, die an meine Story glauben", sagte sie bei einer Telefonkonferenz anlässlich ihrer Nominierung für den Laureus Award.

Doch die gebürtige Münchnerin setzt sich nicht nur für ihre eigene Karriere ein, sondern kämpft seit Jahren schon für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau im Motorsport.

Flörsch: "Wir brauchen die gleiche Ausbildung"

"Ich bin der Meinung, dass eine Frau genauso schnell sein kann wie ein Mann. Wir brauchen aber die gleiche Ausbildung", sagte Flörsch, deren Formel-Karriere 2016 in der ADAC Formel 4 begann, auf SPORT1-Nachfrage. Deswegen sei es "super wichtig, dass es Firmen gibt, die das Potenzial in einer Frau sehen und ihr die gleichen Ausbildungsmöglichkeiten geben. Es gibt mehrere Frauen, die das Potenzial dazu hätten. Aber wir brauchen da Chancengleichheit".

In diesem Zusammenhang äußerte sie sich kritisch über die Ankündigung von Ferrari, eine junge Frau als Academy Driver in ihre Nachwuchsförderung aufzunehmen.

"So lange wir nur Marketing-Werkzeuge sind, wird sich im Rennsport nichts ändern. Wir müssen beweisen können, dass wir gleich gut sind", twitterte sie.

Flörsch nimmt Ferrari in die Pflicht

Einen Tag später erneuerte sie ihre Kritik. Es sei zwar gut, dass Ferrari auch einen weiblichen Junior unterstützen wolle, "aber es muss auch Leute geben, die an die Rennfahrerin glauben und nicht durch eine Frau mehr Aufmerksamkeit erzeugen wollen"."

Flörschs Vorwurf: "In der Vergangenheit haben sich Teams mit Frauen häufig nur geschmückt, aber ihnen nicht wirklich geholfen."

Ihr Antrieb sei es immer, "der Beste in meinem Sport zu sein", betonte sie. Deswegen hält sie auch die Einführung der Frauenserie im vergangenen Jahr für einen Schritt in die falsche Richtung.

"Das Niveau ist so viel niedriger als in Serien, in denen Männer mitfahren. Für mich wäre es ein Rückschritt", sagte Flörsch.

An dieser Einstellung hält sie fest, obwohl die Serie in der kommenden Saison im Rahmenprogramm der Formel 1 in den USA und Mexiko fahren kann. Denn die Chance, "dass sich da eine Fahrerin herauskristallisiert, die es in die Formel 1 schafft", sei doch sehr gering.

Wie hoch sie die Chancen einschätzt, im Februar in Berlin die Auszeichnung in der Kategorie "Comeback des Jahres" zu bekommen, wollte sie nicht sagen. Zumindest aber weiß sie schon, was sie ihr bedeuten würde: "Wenn ich ihn gewinne, wäre das natürlich ein Traum."

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