Obduktionen von Corona-Toten bringen neue Erkenntnisse zu Risikogruppe

Moritz PiehlerFreier Autor
Yahoo Nachrichten Deutschland
Baseler Ärzte fanden heraus, dass die Mikrozirkulation der Lunge schwer durch das Virus beschädigt wird. (Symbolbild: Getty Images)
Baseler Ärzte fanden heraus, dass die Mikrozirkulation der Lunge schwer durch das Virus beschädigt wird. (Symbolbild: Getty Images)

Mediziner erlangen ständig weitere Erkenntnisse über das neuartige Coronavirus. Jetzt fanden Rechtsmediziner bei Obduktionen ein neues Merkmal, das nahezu alle Corona-Toten aufwiesen.

Auf der Suche nach einem Impfstoff oder einer Behandlungsmethode ist es besonders wichtig, herauszufinden, welche infizierten Patienten von dem Virus besonders schwer betroffen sind. Bislang war man davon ausgegangen, dass hauptsächlich ältere Menschen und besonders solche mit Erkrankungen der Atemwege einen schweren oder sogar tödlichen Verlauf der Krankheit zu befürchten haben.

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Dies lag vor allem auch daran, dass große Medizininstitute, wie auch in Deutschland das Robert-Koch-Institut, zunächst davon abgeraten hatten, Corona-Tote zu obduzieren. Zu riskant sei die Ansteckungsgefahr dabei für die Pathologen, so die erste Einschätzung. Mittlerweile hat sich diese verändert, auch, nachdem die Deutsche Gesellschaft für Pathologie und der Bundesverband Deutscher Pathologen widersprochen hatten. Durch die Erlaubnis, Obduktionen durchzuführen, konnten Mediziner nun neue Erkenntnisse über Krankheitsverlauf und Vorerkrankungen bei mit dem Coronavirus infizierten Todesopfern gewinnen.

Herz-Vorerkrankungen als Hauptmerkmal

In einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung” berichtete beispielsweise Alexandar Tzankov, Leiter des Fachbereichs Autopsie am Universitäts-Krankenhaus Basel, dass durch die Obduktionen mehrere Muster aufgefallen seien. Dabei sei herausgekommen, dass die Risikogruppe anders aussehen, als bisher vermutet. Mehr als 60 Prozent der Toten hätten vorgeschädigte Herzkranzgefäße gehabt, stellten Tzamkov und sein Team fest. Die überwiegende Mehrzahl der Patienten sei zudem männlich gewesen. Viele der Verstorbenen waren außerdem deutlich übergewichtig. Hingegen sei eine Lungenentzündung nur bei sehr wenigen Patienten nachgewiesen worden.

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Das ist zumindest eine überraschende Erkenntnis, weil zunächst davon ausgegangen worden war, dass schwer verlaufende Lungenentzündungen eine Haupttodesursache sein könnten. Allerdings stellte die Baseler Autopsie schwere Auffälligkeiten in der Mikrozirkulation der Lunge fest. Dadurch werde der Sauerstoffaustausch gestört, was auch die Schwierigkeiten bei der Beatmung der Corona-Patienten erklären könnte. Im Interview sagte Tzankov zu dieser neuen Erkenntnis: "Man kann dem Patienten so viel Sauerstoff geben, wie man will, der wird dann einfach nicht mehr weiter transportiert."

Es gibt nicht “den Corona-Toten”

Ob die Ergebnisse aus Basel wirklich stellvertretend für die gesamte Anzahl an Corona-Patienten sind, wird sich erst nach weiterer Forschung aus anderen Standorten sicher sagen lassen. Doch auch andere Kliniken kommen zumindest in einigen Punkten zu ähnlichen Ergebnissen. So wurden in Hamburg mehr als einhundert mit Covid-19 verstorbene Patienten obduziert. Der Bericht des Rechtsmediziners Klaus Püschel liegt der Hamburger Gesundheitsbehörde vor.

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Keiner der Verstorbenen sei ohne Vorerkrankung gewesen, bestätigte Püschel gegenüber der “Süddeutschen”. Ein vorheriger Herzinfarkt, Arteriosklerose oder auch Bluthochdruck seien bei den meisten Toten festgestellt worden. Dennoch bliebe es dabei, dass es nicht “den Corona-Toten” gebe, wie Püschel in einem Interview mit der “FAZ” bekräftigt hatte. Die Todesursachen könnten sehr unterschiedlich sein. Die Ergebnisse aus Basel fügen dem Corona-Puzzle nun ein paar weitere wichtige Teile hinzu.

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