Olympia 2021: Alles Wichtige über die vier neuen Sportarten

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Wer gerne Ollies, Bouldern und Cutbacks sieht, kommt bei den Spielen in Tokio auf seine Kosten, bei denen vier neue Sportarten ihr Debüt erleben. Und hier sind die Einzelheiten.

Die Olympischen Spiele sind zu einer Arena geworden, in der dem weltweiten Publikum neue und faszinierende Sportarten nahegebracht werden. Die Spiele des Jahres 2021 in Tokio sind keine Ausnahme.

Das Vorzeige-Event in Tokio bringt vier neue Sportarten auf die größte Bühne der Welt. Der Kampf um Medaillen in Surfen, Skateboarden, Sportklettern und Karate bringt die Gesamtzahl der Sportarten bei diesen Sommerspielen auf 33.

Damit werden bei einer enormen Zahl von insgesamt 339 Veranstaltungen Medaillen vergeben. Was aber können wir uns von den olympischen Neulingen erhoffen?

Surfen

Austragungsort: Tsurigasaki Surfing Beach, 100 km vom Olympiastadion in Tokio entfernt, in der Stadt Ichinomiya, die an der Pazifikküste in der Präfektur Chiba gelegen ist.

Das olympische Debüt des Surfens in Tokio besteht aus Wettkämpfen der Männer und Frauen mit jeweils 20 Teilnehmern. Die Surfer erhalten pro Runde 30 Minuten auf den Wellen, um in diesem Zeitraum die beste Bewertung zu erzielen. Die besten zwei Bewertungen jedes Surfers bilden die Gesamtbewertung. Eine Jury aus fünf Experten bewertet jede Welle auf einer Skala von 1–10. Kriterien sind unter anderem Schwierigkeit und Risiken der Tricks sowie die gesurften Wellen.

Mahina Maeda (Japan) in der dritten Runde des Wettkampfes der Surferinnen (Bild: Ryan Pierse/Getty Images)
Mahina Maeda (Japan) in der dritten Runde des Wettkampfes der Surferinnen (Bild: Ryan Pierse/Getty Images)

Höhere Bewertungen gehen an Surfer, die innovativ sind oder die Grenzen mit Manövern wie Sprüngen oder Tail-Slides hinausschieben. Dazu kommen die Vielfalt der Tricks, nahtloses Einfügen in das Wellenreiten sowie Tempo, Kraft und Fluss des Surf-Stils. All dies geht in die Bewertung der Jury ein.

In der ersten Runde nehmen vier Surfer teil, in der zweiten fünf. Ab der dritten Runde wird der Wettkampf zu einem Wettbewerb zwischen jeweils zwei Athleten, die nicht dieselbe Welle reiten dürfen. Die Surf-Etikette gibt vor, welcher Surfer den Vortritt bei einer bestimmten Welle hat.

Sportklettern

Tempo, Kraft, Agilität, Flexibilität und stählerne Nerven sind gefragt, wenn das Sportklettern bei den Spielen in Tokio sein olympisches Debüt erlebt.

Die Sportler (jeweils 20 Männer und Frauen) treten in drei Disziplinen an: Speedklettern, Bouldern und Leadklettern. Die Multiplikation ihrer Ergebnisse in den Einzeldisziplinen ergibt ihr jeweiliges Endergebnis. Wer nach den drei Wettbewerben in der Multiplikation die niedrigste Punktzahl aufweist, gewinnt die Goldmedaille.

In der Disziplin Speedklettern treten zwei Kletterer auf einem identischen Kurs gegeneinander an. Wer die 15 m hohe Mauer am schnellsten erklimmt, hat gewonnen.

Im Bouldern erhalten die Athleten 4 Minuten Zeit, um so viele festgelegte Routen auf einer Wand mit 4,5 m Höhe zu klettern, wie sie können. Die Wand verfügt über Überhänge und Haltepunkte verschiedener Größen (an manchen kann man sich nur mit den Fingerspitzen festhalten) und ist eine echte Herausforderung für die Kletterer. Hier spielen Zeitgefühl, präzise Planung, Stärke und Geschicklichkeit eine entscheidende Rolle für den Erfolg.

Janja Garnbret aus Slowenien ist im Sportklettern der Frauen eine große Favoritin. (Bild: Maja Hitij/Getty Images)
Janja Garnbret aus Slowenien ist im Sportklettern der Frauen eine große Favoritin. (Bild: Maja Hitij/Getty Images)

Im Leadklettern muss innerhalb von 6 Minuten eine Wand von mehr als 15 m Höhe erklommen werden. Die Athleten sind beim Klettern der Wand mit Seilen abgesichert und der Kurs gilt als abgeschlossen, wenn sie sich ganz oben einhaken. Fällt ein Kletterer, entspricht seine Bewertung dem letzten Einhaken. Erreichen Kletterer dieselbe Höhe, entscheidet das Tempo.

Janja Garnbret, sechsmalige Weltmeisterin aus Slowenien, und die Britin Shauna Coxsey gehören im Wettbewerb der Frauen zu den Medaillenfavoritinnen. Bei den Männern wird erwartet, dass Adam Ondra aus der tschechischen Republik und der japanische Weltmeister Harada Kai eine wichtige Rolle spielen.

Karate 

Es passt wie die Faust aufs Auge, dass Karate bei den Olympischen Spielen in Tokio sein Olympiadebüt gibt: Diese in Japan seit Jahrhunderten gepflegte Disziplin, deren Name übersetzt "leere Hand" bedeutet, wird nach Judo und Taekwondo zur dritten olympischen Kampfsportkunst.

Insgesamt treten 80 Männer und Frauen in einer Anzahl unterschiedlicher Gewichtsklassen und zwei Wettkampfkategorien an: Kumite und Kata.

Im Kumite kämpfen zwei Athleten 3 Minuten lang. Es gibt Punkte für korrekte Treffer (Tritt oder Schlag) an Kopf, Hals, Rücken oder Bauch des Gegners. Wer als erster 8 Punkte erzielt oder nach 3 Minuten die meisten Punkte hat, gewinnt. Bei einem Unentschieden ist der Kämpfer, der den ersten Treffer landete, der Sieger.

Bis zum Halbfinale wird in K-o.-Runden gekämpft und dann geht es um die Qualifikation für den Kampf um die Goldmedaille.

Auch die deutsche Karate-Meisterin Jasmin Jüttner ist bei Olympia dabei (Bild: REUTERS/Kai Pfaffenbach)
Auch die deutsche Karate-Meisterin Jasmin Jüttner ist bei Olympia dabei (Bild: REUTERS/Kai Pfaffenbach)

Kata, mit der Bedeutung "Formen", ist eher technisch und auf die Ausführung konzentriert. Sieben Kampfrichter bewerten, wie exakt die Kämpfer Bewegungen zahlloser traditioneller Techniken ausführen können.

Am besten trifft es wohl die Zusammenfassung von Somnath Palchowdhury, einem akkreditierten Trainer des japanischen Karateverbandes:

"Kata ist das Archiv der Bewegungen und Techniken des Karate. Im Kumite kommen sie wegen ihrer Komplexität und tödlichen Natur zum Einsatz oder auch nicht. Kata ist das Erbe des Karate und darf in seiner ursprünglichen Komposition nicht verändert werden", sagte Palchowdhury dem Olympia-Kanal.

Jedes Land darf maximal vier Männer und vier Frauen stellen, mit einer Begrenzung von einem Sportler pro Land und Wettbewerb. Japan stellt als Gastgeberland die volle Quote von acht Wettkämpfern (vier Männer und vier Frauen).

Skateboarding

Tony Hawk, die Legende aus den USA, spielte eine große Rolle dabei, das Skateboardfahren weltweit populär zu machen. Leider aber kommt das Debüt als olympische Sportart etwas zu spät für den 52 Jahre alten Sportler.

Die Skater bei den Spielen in Tokio nehmen an den Wettbewerben "Park" oder "Street" teil. Die Bahnen im Ariake Urban Sports Park wurden ähnlich derer gestaltet, die bei Weltmeisterschaften gefahren werden, sind aber geringfügig größer.

Im Street-Wettbewerb am 25. und 26. Juli nehmen die Skater Treppen, Geländer, Bordsteine, Bänke, Wände und Abhänge in Angriff, die sich in vielen städtischen Skateparks weltweit finden.

Die Skater können die Bahn nach ihrer Wahl durchfahren und müssen dabei eine Zeitvorgabe einhalten. Bewertungen werden für die Schwierigkeit der Figuren, die Höhe bei Sprüngen, Geschwindigkeit, Originalität, Ausführung und Komposition der Läufe vergeben.

Momiji Nishiya (Japan) im
Momiji Nishiya (Japan) im "Street"-Finale (Bild: Ezra Shaw/Getty Images)

Bildunterschrift: Sky Brown, das britische Skateboard-Wunderkind, wird in Tokio mit ihren 12 Jahren für eine Menge Erstaunen sorgen. Bild: Getty

Der Park-Wettbewerb ist zutiefst mit seinen Ursprüngen am Venice Beach in Los Angeles verbunden, an dem die Skateboard-Kultur in den 70er Jahren explodierte. Trockengelegte Swimmingpools wurden dort zu Trainingsarenen für Skater.

Die glatten Bowls der Parkbahn haben steile Wände, die Skater für sehr hohe Sprünge nutzen können.

Bewertet werden Schwierigkeit und Originalität der Läufe, mit Flips, Spins und Grabs, die bei dieser temporeichen Veranstaltung die Zuschauer fesseln werden.

Das britische Skateboarding-Wunderkind Sky Brown wird in Tokio für Erstaunen sorgen, da sie mit nur 12 Jahren ihr olympisches Debüt gibt, obwohl sie bei einem Sturz in einer Half-Pipe in Südkalifornien im letzten Jahr ein gebrochenes Handgelenk und Schädelfrakturen erlitt.

Baseball und Softball 

Streng genommen würden diese zwei Wettbewerbe die Zahl der neuen Sportarten bei den Spielen in Tokio auf sechs steigern, aber Baseball und Softball waren bereits zuvor bei Olympia vertreten und geben nun ein Comeback.

Baseball und Softball sind erstmalig seit den Spielen von Peking 2008 wieder im olympischen Programm dabei.

Die zwei Sportarten wurden wieder aufgenommen, nachdem das IOC das Gastgeberland dazu einlud, die vorübergehende Aufnahme weiterer Veranstaltungen vorzuschlagen. Da Baseball und Softball in Japan große Beliebtheit genießen, fiel die Wahl nicht schwer.

Andrew Reid

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